Full text: Vermögensunterschiede nach Geschlecht in Österreich und Deutschland: Eine Analyse auf der Personenebene (168)

Zusätzlich wurden in den vergangenen zehn Jahren einige Studien zum Gender Wealth
Gap basierend auf SOEP-Individualdaten für Deutschland publiziert, eine davon ist jene von
Sierminska et al. (2010). Methodisch basiert ihre Analyse, ähnlich jener der vorliegenden Studie,
auf deskriptiven Statistiken und bivariaten Analysen hinsichtlich der Verteilung von Vermögen
zwischen Männern und Frauen nach Familienstand (verheiratet, zusammenlebend, geschieden,
verwitwet, alleinstehend). Den Ergebnissen zufolge liegen im Durchschnitt die Vermögen von
Männern mit 30.000e höher als die der Frauen. Wird nur die Subgruppe der verheirateten Paare
betrachtet, kann festgestellt werden, dass der Vermögensunterschied zwischen den Geschlechtern
mit rund 47.000e vergleichsweise hoch ist. Prozentual gesehen haben Männer innerhalb der
Gruppe der verheirateten Paare um 56% mehr Vermögen als Frauen. Bei zusammenlebenden
(und nicht verheirateten) Paaren erhöht sich der Wert auf 74% und innerhalb der Gruppe der
geschiedenen bzw. getrenntlebenden Paare übersteigt das Vermögen der Männer jenes der Frauen
um 88%. Im Rahmen der Analyse einzelner Vermögensbestandteile konnten die AutorInnen
zeigen, dass die Di?erenz insbesondere bei den Betriebsvermögen beträchtlich ist. Das Vermögen
der Männer entspricht in der Gruppe der verheirateten Paare dem Fün?achen der Frauen. Bei
zusammenlebenden Paaren ist die Di?erenz noch größer: Das Betriebsvermögen der Männer ist
neunmal so hoch wie jenes der Frauen. Die AutorInnen begründen diese Di?erenz mit der höheren
Zahl männlicher Selbstständiger, die u. a. durch Sozialisierung erklärt werden kann. Frick et al.
(2007) zeigen außerdem, dass ein haushaltsbezogener Ansatz im Vergleich zum personenbezogenen
eine geschlechtsspezi?sche Vermögenslücke in Höhe von rund 50.000e verbirgt. Grabka et al.
(2013) können in ihrer Analyse im durchschnittlichen Nettovermögen ebenfalls einen Gender We-
alth Gap in Höhe von 33.000e zwischen verheirateten und zusammenlebenden Paaren zugunsten
der Männer feststellen. In mehr als der Hälfte der deutschen Paarhaushalte hält der Mann den
Großteil des Vermögens, der daraus resultierende Gender Wealth Gap beträgt rund 91.000e.
Wenn jedoch die weibliche Partnerin mehr Vermögen besitzt, so beläuft sich die Vermögensdi?e-
renz auf nur ca. 48.000e. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich, wenn man betrachtet, wer das
letzte Wort bei Finanzentscheidungen hat: Die intrapartnerschaftliche Vermögenslücke ist am
größten, wenn der männliche Partner die Entscheidung tri?t, allerdings zählen diese Paare auch
zu den vermögendsten Haushalten. Tri?t jedoch die Frau die Finanzentscheidungen, so ist die
intrapartnerschaftliche Vermögenslücke zwar am geringsten, allerdings weisen solche Paare auch
das niedrigste Durchschnitts-Nettovermögen auf.
An diesen Ergebnissen knüpfen wir nun nachfolgend mit der erstmaligen Analyse von Vermö-
gensdaten auf der Personenebene für Österreich an. Zuvor werden im nächsten Abschnitt die
verwendeten Datensätze (HFCS und SOEP) beschrieben.
3 Daten
3.1 Eurosystem Household Finance and Consumption Survey (HFCS)
Der HFCS des Eurosystems ist eine umfassende Datenerhebung im Zuge derer Sachvermö-
gen, Finanzvermögen, Verbindlichkeiten und Ausgaben privater Haushalte erfasst werden.
9
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.