Full text: Vermögensunterschiede nach Geschlecht in Österreich und Deutschland: Eine Analyse auf der Personenebene (168)

Betrachtet man die Ergebnisse dieses Unterkapitels, kann zusammenfassend gesagt werden,
dass eine Konformität zu bereits vorhandenen Studien besteht. Mader & Schneebaum (2013)
zeigen beispielsweise in ihrer Studie, dass Frauen in Osteuropa eher Finanzentscheidungen tre?en,
wenn die ?nanzielle Situation des Haushalts angespannt ist. Auch unsere Analysen kommen zu
dem Schluss, dass das durchschnittliche Nettovermögen sowohl für Frauen als auch für Männer
niedriger ist, sofern die Frau mehr Entscheidungsmacht hat als der Mann, im Vergleich zu jener
Situation, in welcher beide gleichermaßen über die Ressourcen bestimmen können. Auch wenn das
durchschnittliche Nettovermögen in unseren Statistiken positiv ist und nicht von einer ?nanziell
prekären Situation gesprochen werden kann, unterstreichen die Ergebnisse jene von Mader &
Schneebaum (2013).
Es stellt sich nun die Frage, warum gerade Frauen eher in der Position der Entscheidungsträ-
gerin zu ?nden sind, wenn das Vermögen des Haushalts gering bzw. sogar negativ ist. Ein Grund
könnte in der Zuschreibung bestimmter Charakteristika wie beispielsweise Altruismus und erhöhte
Vorsicht bei Finanzentscheidungen in Bezug auf Frauen seitens der Gesellschaft sein. Auch wenn
die empirische Evidenz nicht eindeutig ist, wenn es um die vermehrte Risikoaversion von Frauen
im Vergleich zu Männern geht, ist diese Ansicht aus gesellschaftlicher Sicht weit verbreitet. Wird
der Vermögensbesitz betrachtet, zeigt sich, dass der Wert des Vermögens von Frauen, sollten sie
mehr besitzen als ihre männlichen Partner, deutlich unter jenem der Männer liegt, wenn diese
über mehr Ressourcen verfügen als ihre Partnerinnen. Dies entspricht der Annahme, dass die ver-
mögendsten Frauen weniger Ressourcen halten als die vermögendsten Männer und unterstreicht,
dass geschlechtsspezi?sche Vermögensunterschiede vermehrt am oberen Ende der Verteilung zu
?nden sind. In weiterer Folge kann die Frage aufgeworfen werden, warum Frauen im Durchschnitt
über weniger Vermögen verfügen als Männer. Da sich insbesondere in Diskussionen rund um
den geschlechtsspezi?schen Einkommensunterschied Argumente hinsichtlich unterschiedlichem
Bildungsniveau und Unterschiede im Erwerbsleben von Frauen und Männern ?nden lassen,
wird im weiteren Verlauf des Berichts sowohl auf Bildung als auch Beschäftigungssituation und
-ausmaß eingegangen.
4.3 Vermögen und Bildung
In weiterer Folge inkludieren wir Bildung in die Analyse geschlechtsspezi?scher Vermögensunter-
schiede. Im Rahmen des HFCS erfolgt die Einteilung des Bildungsniveaus anhand der International
Standard Classi?cation of Education (ISCED). Hierbei können drei Bildungskategorien unter-
schieden werden: (1) „Primär und Sekundär I“, (2) „Sekundär II“ und (3) „Tertiär“. In die erste
Kategorie fallen die ISCED-Stufen null bis zwei, welche Vor- und Volksschule, AHS-Unterstufe
und Hauptschule umfassen. Die zweite Kategorie setzt sich aus den ISCED-Stufen drei und vier
zusammen, worunter Lehrlingsabschlüsse, Ausbildung in der Oberstufe sowie Aufbaulehrgänge
subsumiert werden. Die höchste Bildungsstufe wird anhand der dritten Kategorie repräsentiert,
welche die ISCED-Stufen fünf und sechs beinhaltet und Ausbildungen zum Meister, Abschlüsse
an Universitäten, Fachhochschulen, Kollegs sowie Akademien miteinschließt.
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