Full text: Arbeitsrecht (129)

zwei Monaten377 erachtete die Rechtsprechung nicht als sittenwidrig, wohl aber eine Ausschlussfrist von sechs Wochen378. Die Unzulässigkeit einer Verfallsklausel hängt jedoch nicht nur von der abso- luten Dauer der Frist für die Geltendmachung des Anspruchs, sondern auch von der Art des An- spruchs selbst ab. So erachtete der OGH eine sechswöchige Verfallsfrist hinsichtlich der Entgeltan- sprüche als (teil)nichtig, in Bezug auf die Ausstellung eines Dienstzeugnisses hingegen als wirksam (OGH 13. 11. 2002, 9 ObA 159/02a, ARD 5396/1/2003). Wenn in Kollektivverträgen enthaltene Fallfristen zum Nachteil der Dienstnehmer gegen zwingende gesetzliche Bestimmungen über die Frist zur Geltendmachung von Ansprüchen verstoßen, wie etwa gegen § 1162d ABGB oder § 34 AngG, sind sie ohnedies nichtig379. Als Verstoß wider Treu und Glauben wurde die Berufung des Arbeitge- bers auf eine kollektivvertragliche Verfallsfrist gewertet, wenn er es beharrlich unterlassen hat, eine ordnungsgemäße Lohnabrechnung vorzulegen (OGH 20. 4. 1994, 9 ObA 59/94, ARD 4572/33/ 94 = RdW 1994, 319). Sittenwidrig kann aber auch die Berufung auf eine für sich allein betrachtet noch nicht sittenwidrige Verfallsklausel sein, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Geltend- machung des Anspruchs in einer Art und Weise erschwert oder praktisch unmöglich macht, die die spätere Berufung auf die Verfallsklausel als rechtsmissbräuchlich erscheinen lässt380. Dies ist etwa der Fall, wenn der Arbeitgeber jedem Arbeitnehmer, der den Anspruch geltend zu machen beabsichtigt, mit einer Kündigung droht (OGH 28. 11. 2001, 9 ObA 86/01i, DRdA 2003, 35 mit Bespr v B. Schwarz). Im Falle unabdingbarer Ansprüche wird teilweise die Auffassung vertreten, dass eine Er- schwerung der Geltendmachung von Ansprüchen durch kollektivvertragliche Ausschluss- fristen, die kürzer sind als die gesetzlichen Verjährungsfristen, grundsätzlich bedenklich bzw unzulässig ist381. Der OGH hält dem entgegen, dass derartige Verfallsklauseln nicht die Ansprüche selbst, sondern nur ihre Geltendmachung beschränken382. Eine Frist zur Geltendmachung arbeitsrechtlicher Ansprüche kann auch arbeitsvertraglich festgelegt werden, sofern derartige Fristen nicht gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Be- stimmungen widersprechen oder iS der Rechtsprechung zu den kollektivvertraglichen Fall- fristen sittenwidrig sind383. Bei Verfallsklauseln genügt in der Regel die außergerichtliche Geltendmachung beim Ar- beitgeber, um den Verfall zu verhindern. Eine gerichtliche Geltendmachung ist nur dann erforderlich, wenn sie in der einschlägigen Vorschrift ausdrücklich vorgesehen ist384. Selbst bei einer außergerichtlichen Geltendmachung müssen jedoch die Ansprüche derart konkre- 6.5.3.5. 372 Arbeitsentgelt 377 OGH 12. 7. 2000, 9 ObA 166/00b, ARD 5178/8/2000; aA im Zusammenhang mit einem Überstundenpau- schale OGH 14. 3. 1990, 9 ObA 42/90, ARD 4177/15/90; s weiters im Zusammenhang mit Pensionsleistun- gen OGH 21. 10. 1992, 9 ObA 182/92, ARD 4438/16/93. 378 OGH 15. 10. 1985, 4 Ob 110/84, Arb 10.475. 379 Vgl OGH 13. 7. 1982, 4 Ob 90/82, Arb 10.174; OGH 22. 2. 1983, 4 Ob 94/82, DRdA 1987, 136 mit Bespr v Holzner = Arb 10.219; OGH 15. 10. 1985, 4 Ob 110/84, Arb 10.475; OGH 21. 10. 1986, 14 Ob 167/86– 169/86, DRdA 1989, 196 mit Bespr v Pfeil = Arb 10.578; OGH 24. 3. 2014, 8 ObA 54/13v, infas 2014, A 64 = EvBl 2014, 770 mit Bespr v Rohrer. 380 Vgl OGH 25. 10. 2015, 8 ObA 75/15k, DRdA-infas 2016, 72 mit Bespr v Schrattbauer = ecolex 2016, 157. 381 Vgl insb Eypeltauer, Wider den vereinbarten Verfall zwingender Arbeitnehmeransprüche bei aufrechtem Ar- beitsverhältnis, DRdA 2001, 23; Pfeil, Zur Zulässigkeit von Verfalls- und Verjährungsklauseln im Arbeits- recht, RdW 1986, 343, in Anlehnung an die Vorauflage von Spielbüchler/Grillberger, Arbeitsrecht I4 (1998), 295. 382 OGH 22. 2. 1983, 4 Ob 94/82, DRdA 1987, 136 mit Bespr v Holzner = Arb 10.219; s auch OGH 10. 9. 1985, 4 Ob 102/85, RdW 1986, 52; OGH 26. 2. 2014, 9 ObA 1/14h, DRdA 2015, 34 mit Bespr v Grill- berger = ZAS 2015, 32 mit Bespr v Graf-Schimek = ecolex 2014, 728 mit Bespr v Eypeltauer; Jabornegg, Ver- jährung und Verfall im Arbeitsrecht, DRdA 2015, 71. 383 OGH 21. 10. 1986, 14 Ob 167/86, DRdA 1989, 196 mit Bespr v Pfeil = Arb 10.578; OGH 21. 10. 1992, 9 ObA 182/92, ARD 4438/16/93; OGH 25. 5. 1994, 9 ObA 87/94, infas 1994, A 160. 384 OGH 21. 10. 1992, 9 ObA 210, 211/92, ARD 4438/19/93. 6/250 6/251 6/252

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