Full text: Zur Zukunft von Arbeit und Wohlfahrtsstaat (19)

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Die Mindestdauer der Pflegekarenz oder auch Pflegeteilzeit beträgt einen Monat, die Maxi-
maldauer drei Monate. Im Fall einer wesentlichen Erhöhung des Pflegebedarfs um zumindest 
eine Pflegegeldstufe ist eine einmalige Verlängerung um weitere drei Monate möglich. Pflege-
karenz bzw. Pflegeteilzeit kann auch von mehreren Angehörigen hintereinander in Anspruch 
genommen werden (vgl. BMASK 2016). 
Angehörige in Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit haben einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz-
geld. Gleichzeitig wurde das Pflegekarenzgeld auch auf Personen mit Anspruch auf Familien-
hospizkarenz bzw. Familienhospizteilzeit ausgedehnt (in der Regel für bis zu sechs Monate). 
Die Höhe des Pflegekarenzgeldes orientiert sich am Arbeitslosengeld (55 % des Nettoeinkom-
mens) und beträgt mindestens 406 und maximal 1.500 Euro monatlich. Im Fall der Pflegeteil-
zeit bzw. Familienhospizteilzeit gebührt das Pflegekarenzgeld aliquot. 
Die Nutzung bleibt bislang bescheiden: Im ersten Jahr der Einführung des Pflegekarenzgel-
des, d. h. 2014, wurde insgesamt 2.321-mal Pflegekarenzgeld gewährt, im Jahr 2015 2.577-
mal (vgl. BMASK 2016, 115). Im Jahresdurchschnitt 2015 bezogen monatlich rund 718 Perso-
nen Pflegekarenzgeld, wobei 73,5 % der BezieherInnen weiblich und 26,5 % männlich waren 
(vgl. ebenda, 111). 50,8  % der AntragstellerInnen 2015 erhielten das Pflegekarenzgeld im 
Rahmen einer Pflegekarenz, 45,7  % im Rahmen einer Familienhospizkarenz und lediglich 
3,5 % im Rahmen einer Pflegeteilzeit (vgl. ebenda, 110).
Mit der Einführung der bezahlten Pflegekarenz bzw. Pflegeteilzeit wird ein kurzer Ausstieg bzw. 
die parallele Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Angehörigenpflege gefördert. Dies stellt in 
jedem Fall einen wichtigen Schritt in Richtung einer Verbesserung der Vereinbarkeit dar. Doch 
wie wir an anderer Stelle gezeigt haben (vgl. Mairhuber/Sardadvar 2017b), bestehen für die 
tatsächliche Nutzung der Pflegekarenz und -teilzeit einige Barrieren und Schwierigkeiten für 
pflegende Angehörige: Diese betreffen u. a. die Leistbarkeit eines Berufsausstiegs, befürchtete 
Probleme beim Wiedereinstieg und Informationsmängel über die neuen Maßnahmen. Auch die 
Zeitspanne von drei bis sechs Monaten kann in der Praxis zu starr und/oder zu kurz sein. Ins-
gesamt gilt: Innerhalb des ansonsten auf familiäre Pflege ausgerichteten Langzeitpflegere-
gimes und des damit verbundenen Mangels an leistbaren und qualitativ hochwertigen Dienst-
leistungsangeboten steht die Konzeption der Pflegekarenz/-teilzeit mit den tatsächlichen Res-
sourcen und Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen derzeit in Konflikt (vgl. ebenda). 
5 ERWERBS- UND PFLEGEARBEIT: EINE KOMPLEXE BEZIEHUNG –  
ÜBER „VEREINBARKEIT“ HINAUS
Angehörigenpflege geht mit einer Reihe von Belastungen einher – körperlichen, psychischen, 
emotionalen, aber auch zeitlichen und finanziellen (vgl. Statistik Austria 2011; BMASK 2016, 
38). Manche davon betreffen Pflegende, die zudem erwerbstätig sind, verstärkt (vgl. Keck 
2012). Dennoch kann die Erwerbsarbeit, so ein zentrales Ergebnis der empirischen Forschung 
im Projekt, für pflegende Angehörige ein wichtiges Gegengewicht zur Pflegearbeit darstellen.
Der Begriff der „Vereinbarkeit“ greift daher, wie wir andernorts analysieren (vgl. Sardadvar/
Mairhuber 2018 [im Erscheinen]), zu kurz und geht zum Teil an der empirischen Realität der 
pflegenden Angehörigen vorbei. Erwerbs- und Pflegearbeit stehen in einer komplexen Bezie-
        

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