Full text: Zur Zukunft von Arbeit und Wohlfahrtsstaat (19)

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 ? Trotz der enormen Bedeutung der Angehörigenpflege sind die Leistungen des österreichi-
schen Langzeitpflegeregimes insgesamt stark auf die pflegebedürftigen Personen ausge-
richtet. Es kennt nur wenige Maßnahmen, die direkt auf pflegende Angehörige oder konkret 
auf die Gleichzeitigkeit von Erwerbs- und Pflegearbeit abzielen
 ? Eine Ausnahme bildet die kürzlich eingeführte Pflegekarenz bzw. -teilzeit, die einen nur kur-
zen Ausstieg bzw. die parallele Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Angehörigenpflege för-
dert. Bei der praktischen Inanspruchnahme bestehen für pflegende Angehörige allerdings 
einige Hindernisse und Schwierigkeiten 
 ? Um die Situation von erwerbstätigen pflegenden Angehörigen zu verbessern, ist ein Bündel 
von Maßnahmen bzw. sind Anpassungen auf mehreren Ebenen erforderlich. Dazu zählen 
u. a. der Ausbau von leistbaren und qualitativ hochwertigen Betreuungs- und Pflegedienst-
leistungen, Informationsoffensiven, Nachbesserungen bei den Regelungen zu Pflegekarenz 
und -teilzeit sowie Unterstützungsstrukturen auf betrieblicher Ebene
Brigitte Aulenbacher, Michael Leiblfinger  
und Veronika Prieler 
 ? Der Beitrag thematisiert die 24-Stunden-Betreuung in Österreich, dabei vor allem die Rolle 
der Vermittlungsagenturen, und die Einbettung in den österreichischen Wohlfahrtsstaat
 ? Weltweit ist ein neuer Sorgemarkt zu beobachten, auf dem Vermittlungsagenturen Arbeits-
kräfte, vielfach Migrantinnen, rekrutieren und Privathaushalten Dienstleistungsangebote in 
der Haushalts- und Betreuungsarbeit unterbreiten. Vermittlungsagenturen bewegen sich in 
ihrer Organisationsform zwischen den Polen der Alleinselbstständigen und der transnationa-
len Konzerne. Auch handelt es sich um Unternehmen der Privat- und der Gemeinwirtschaft
 ? In Österreich liegt ein Schwerpunkt auf der 24-Stunden-Betreuung, die in erster Linie von 
Frauen aus Mittel- und Osteuropa geleistet wird. Sie betreuen in der Regel auf selbstständi-
ger Basis pflegebedürftige Personen in deren Privathaushalten und wohnen auch dort. Der 
Markt für dieses transnationale Betreuungsarrangement wächst stetig und umfasst öster-
reichweit aktuell über 61.000 Betreuungskräfte sowie 794 Vermittlungsagenturen
 ? Eingebettet in den österreichischen Wohlfahrtsstaat, der die 24-Stunden-Betreuung lega-
lisiert hat, handelt es sich in Verbindung mit dem Pflegegeld um ein Arrangement, das vor 
allem für die Mittelschichten infrage kommt. Es schreibt die Idee familiärer Sorge in verän-
derter Form fort, wobei jedoch Sorgebelange der 24-Stunden-Betreuerinnen beeinträchtigt 
werden und ihre Arbeitsbedingungen mit denen anderer Beschäftigungsbereiche nicht ver-
gleichbar sind
 ? Auf den Internetauftritten von Vermittlungsagenturen wird einerseits mit Qualität und Pro-
fessionalität der Betreuung geworben, andererseits werden die BetreuerInnen als Familie-
nersatz dargestellt. Als (potenzielle) BetreuerInnen werden vor allem Frauen aus Osteuropa, 
teilweise in den jeweiligen Landessprachen, angesprochen, die im Falle ihrer Vermittlung 
dann in Pendelmigration zwischen ihren Herkunftsländern und Österreich arbeiten und le-
ben werden. Qualifizierungs-, Arbeits- und Dienstleistungsangebote variieren zwischen den 
Agenturen
        

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