Full text: Arbeitszeiten von Paaren

Paararbeitszeiten 
 
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1. EINLEITUNG 
Große Gender Gaps bei der Verteilung der Haushalts- und Sorgearbeit in Österreich sind 
hinlänglich bekannt und durch Forschung belegt (Kreimer 2012; Mairhuber/Papouschek 
2010). Im EU-Vergleich ist Österreich ein Land mit traditionell sehr hohen Arbeitszeiten 
von Vollzeiterwerbstätigen. Ebenfalls hoch ist die Zahl der geleisteten Überstunden. Im 
letzten Jahrzehnt kann jedoch, ausgehend von diesem sehr hohen Niveau, ein 
kontinuierlicher Rückgang der Normalarbeitszeit1 und der tatsächlich geleisteten 
Arbeitszeit beobachtet werden. Insbesondere die geleisteten Überstunden haben 
abgenommen. Die Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 hatte hier auch aufgrund der 
Einführung von Kurzarbeitsmodellen in einigen Branchen eine beschleunigende 
Wirkung. In den Folgejahren haben die Arbeitszeiten jedoch nicht mehr das 
Vorkrisenniveau erreicht. 
Im gleichen Zeitraum, innerhalb der letzten zehn Jahre, hat die Erwerbsbeteiligung von 
Frauen weiter zugenommen. Frauen arbeiten nun einige Jahre nach der Geburt von 
Kindern wieder, in den meisten Fällen allerdings in Teilzeit. Dominierend ist in 
Österreich bei Familien mit Kindern das Eineinhalb-Ernährer-Modell (vgl. Pfau-Effinger 
2000). Die von Susanne Wanger für Deutschland konstatierte Arbeitszeitlücke zwischen 
den Eltern trifft auch für Österreich zu (Wanger 2016).2 
Ein wichtiger Faktor für Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine gerechtere 
Aufteilung von Haushalts- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern. Leisten 
Elternteile – in den meisten Fällen Männer – sehr hohe Arbeitsstunden inklusive Über-
stunden, ist ein substantielles Engagement im Care-Bereich schon alleine aus zeitlichen 
Gründen schwer möglich.  
Offen ist also nun, ob sich der Rückgang der Normalarbeitszeit von Männern auf die 
Aufteilung der Arbeitszeit von Paaren mit Kindern auswirkt. Weitergehend kann gefragt 
werden, ob Mütter von einer geringeren Arbeitszeit von Vätern profitieren und 
entsprechend mehr Zeit für eine eigene Erwerbstätigkeit zur Verfügung haben. 
Die Mehrzahl der Analysen von Arbeitszeiten und ihren Veränderungen beziehen sich 
auf Einzelpersonen. Untersucht wird, wie sich die durchschnittlichen Normal- oder die 
tatsächlichen Arbeitszeiten im Zeitverlauf verändern. Viele Entscheidungen, die das 
Leben, auch das Erwerbsleben der Menschen, betreffen, werden jedoch nicht alleine 
getroffen, sondern gemeinsam mit einem/einer PartnerIn und in Abhängigkeit von der 
Situation des/der PartnerIn gefällt. Die Möglichkeiten, die sich aus der Situation 
eines/einer PartnerIn ergeben, beeinflussen die Wahl (bewusst und unbewusst) stark. Dies 
trifft insbesondere auf die Gestaltung der individuellen Erwerbsaktivität von Frauen zu.  
Mit dem hier präsentierten Projekt wird der Blick auf Paare gerichtet und untersucht, wie 
die Verteilung der Erwerbs-Arbeitszeit zwischen den Ehe- bzw. LebenspartnerInnen mit 
und ohne Kinder gestaltet ist und ob sich diese in der Zeit von 2005 bis 2015 verändert 
                                                 
1  Damit ist die regelmäßig geleistete Arbeitszeit inklusive regelmäßig anfallender Über- und 
Mehrstunden gemeint.  
2  Vgl. dazu auch die Analysen von Huemer et. al. im Sozialbericht 2015-2016 (Huemer et al. 2017).
        

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