Full text: IFAM Info - 2007 Heft 1 (1)

IFAM INFO INSTITUT FÜR AUFSICHTSRAT-MITBESTIMMUNG · NR. 1 – FEBRUAR 2007 · http://ifam.wien.arbeiterkammer.at Europarechtlicher Hintergrund In den letzten Jahren hat der Euro- päische Gerichtshof (EuGH) durch eine Reihe von Urteilen („Inspire Art“, „Überseering“, „Centros“) den Wettbewerb im Gesellschaftsrecht angekurbelt. Der EuGH hat die Mit- gliedstaaten verpflichtet, zugezoge- ne Auslandsgesellschaften (z.B. in England errichtete „1?-Limited“ als Briefkastenfirma) anzuerkennen. Sonderbestimmungen bezüglich Firma, Offenlegung, Mindestkapital oder Haftung für innerhalb der euro- päischen Union gegründeten Unter- nehmen sind verboten. Theoretisch können nun Unternehmensgründer unter den Gesellschaftsformen sämtlicher 25 EU-Staa- ten die für sie am besten geeignete auswählen. Eckpunkte der Private Limited Company Seit nunmehr 2 Jahren ist es auch in Österreich mög- lich, alternativ zu einer österreichischen Gesellschafts- form, eine anderseuropäische zu wählen. Als kosten- günstig und flexibel wird insbesondere die britische „Private Limited Company by shares“ (kurz Limited) von Steuer- und Unternehmensberatern als Alternative zur GmbH gepriesen. Die Private Limited Company zeichnet sich vor allem durch einfache und kostengünstige Gründung aus. Ein besonderer Vorteil der Limited gegenüber der GmbH ist der Umstand, dass keine Pflichten zur notariellen Beurkundung der Gründung, eines Gesellschafter- wechsels oder sonstiger Maßnahmen wie etwa Sitz- wechsel, Änderung der Firma oder des Gesellschafts- zwecks bestehen. Ein weiterer Vorteil wird von den Be- fürwortern im Fehlen von Mindestkapitalerfordernissen gesehen (zum Vergleich: die GmbH hat ein Mindestka- pital von € 35.000). Die Limited kennt auch keinen Auf- sichtsrat und daher auch keine ArbeitnehmerInnen- Mitbestimmung. Dass kein Mindestkapital erforderlich ist, ist nur auf den ersten Blick ein Vorteil. Bei materieller Unterkapita- lisierung, d.h. wenn das Kapital der Gesellschaft für ih- re Zwecke absolut unzureichend ist, besteht eine Durchgriffshaftung auf die Gesellschafter. Weiters greift die persönliche Haftung der „directors“ (Geschäftsfüh- rung) im Insolvenzfall schneller aIs bei der GmbH. Die Limited verursacht aufgrund ausländischer Rechts- grundlagen deutlich höhere laufende Kosten für Rechts- und Steuerberatung als die GmbH. Auch der Aufwand für die Rechnungslegung und Publizität so- wie Kosten für Übersetzungen und Beglaubigungen sind drastisch höher. Der erste Jahresabschluss der Li- mited muss spätestens 22 Monate nach der Gründung DIE ENGLISCHE „LIMITED“ IN ÖSTERREICH - EINE BESTANDSAUFNAHME HELMUT GAHLEITNER, EVA SCHIESSL, BEIDE AK WIEN

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