Full text: IFAM Info - 2008 Heft 2 (2)

P.b.b. Zulassungsnummer: 02Z034644 M
Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1040 Wien
Herausgeber, Verleger, Medieninhaber: 
Bundeskammer für Arbeiter und Angestellte,
1040 Wien, Prinz-Eugen-Straße 20-22 
Printmarketing: Johann Polonyi, 1180 Wien
Alle Fotos: Heinz Leitsmüller, AK Wien
Verlags- und Herstellort: Wien.
MB ist kein allgemein gültiges Rezept
Zu diesem gemeinsamen Tenor kamen die Referenten
und TeilneherInnen im Rahmen der Veranstaltung. Die
Diskussion muss immer am konkreten Einzelfall (Be-
rücksichtigung der Bedürfnisse aller Beteiligten, Be-
rücksichtigung der wirtschaftlichen, rechtlichen und
steuerlichen Rahmenbedingungen) geführt werden,
um die Vorteilhaftigkeit des Modells beurteilen zu kön-
nen. 
MB bedarf einer entsprechenden Unternehmens-
kultur
Weitgehend einig waren sich die Referenten in Bezug
auf das Vorhandensein einer entsprechenden Unter-
nehmenskultur, in der Mitbestimmung auch tatsäch-
lich gelebt wird. Unternehmen, Management, Mitar-
beiterInnen und Betriebsrat müssen miteinander reden
können, die Ziele des Gegenübers kennen und akzep-
tieren und zu einem fairen Interessensausgleich bereit
sein. 
MB garantiert keine verbesserte Mitbestimmung
Die Mitbestimmung der ArbeitnehmerInnen ist am 
besten über das ArbVG abgesichert (allgemeine Infor-
mationsrechte, wirtschaftliche Mitbestimmung und
Vertretung im Aufsichtsrat). Bei einer Mitarbeiterbetei-
ligung darf es keine Konkurrenz zur Mitbestimmung
durch die gewählte Interessenvertretung geben.
MB-Modelle bedürfen der Transparenz und Nach-
vollziehbarkeit
MB-Modelle sollen transparent und nachvollziehbar
sein. Daher sind den MitarbeiterInnen die Zahlen, Da-
ten und Fakten des Unternehmens (Jahresabschluss
und Unternehmensdaten) offen zu legen.
MB ist kein Instrument  der kollektivvertraglichen
Lohn- und Gehaltspolitik
Eine MB darf maximal Ergänzung, nicht jedoch Ersatz
für nachhaltige Lohnsteigerungen sein. Es darf mit die-
sem Instrument kein Entgeltverzicht, mit dem Hinweis
auf „Miteigentümerschaft“, eingefordert werden. 
Beispiele aus der Praxis
Die Motive für die Einführung einer MB sind sehr viel-
fältig, wie auch die drei Firmenbeispiele – die Ober-
bank AG, die Hitzinger GmbH und die voestalpine 
AG –, die in der Veranstaltung präsentiert wurden, zei-
gen.
Oberbank AG
Bei der Oberbank AG hält eine Mitarbeitergenossen-
schaft 4,1 % der Aktien. Das beteilige die Mitarbeiter-
Innen am Erfolg und fördere die Identifikation mit dem
Unternehmen, sagte Genossenschafts-Vorstand Ale-
xander Schall. Als Hauptmotive sind hier jedenfalls die
Mitarbeiterbindung und die Identifikation mit dem
Unternehmen hervorzuheben.
Hitzinger GmbH
Die Mitarbeiterbeteiligung bei der Hitzinger GmbH ist
ein Treuhandmodell, bei der die MitarbeiterInnen
mittelbar über eine Treuhandschaft mit 20 % am
Unternehmen beteiligt sind. Anlass für das Entstehen
des Modells war die Krisensituation des Unterneh-
mens und die Konkursabwendung Anfang der 90er-
Jahre. Die Betriebsräte suchten gemeinsam mit dem
Masseverwalter und der Arbeiterkammer nach einer
guten Lösung, um die Arbeitsplätze zu sichern. Kri-
sensituationen sollten aber keineswegs grundsätzlich
Anlass für eine MB sein, betonte auch Robert Kuhn,
Betriebsratsvorsitzender.
voestalpine AG
Max Stelzer, Assistent des Konzernbetriebsrates, prä-
sentierte das Modell der voestalpine AG. Dabei han-
delt es sich um ein indirektes Beteiligungsmodell, bei
dem die MitarbeiterInnen über eine Arbeitnehmer-
Privatstiftung am Unternehmen beteiligt sind. Durch
die Bündelung der Stimmrechte und einer Anteilshöhe
von mehr als 10 % konnte das Ziel eines „strategi-
schen Eigentums“ in der Hand aller MitarbeiterInnen
erreicht werden. Das Modell ist im Zuge der Privatisie-
rung entstanden, in der sich die Belegschaft wichtige
Mitspracherechte sicherte. Die MB der voestalpine AG
ist als Vorzeigemodell einzustufen, da mit der Beteili-
gung am Unternehmenskapital auch wirtschaftliche
Mitbestimmungsrechte für die Belegschaft verbunden
sind.
Link zum Tagungsband zu „Rezept Mitarbeiterbeteili-
gung – Wirkungen und Nebenwirkungen“ unter
www.arbeiterkammer.com/betriebsraete.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.