Full text: IFAM Info - 2010 Heft 3 (3)

der Redepflicht. In der Regel wird der Abschlussprüfer nicht lückenlos alle Geschäftsfälle nachprüfen, sondern eine stichprobenweise Prüfung vornehmen. Während der Prüfung sollte der AufR­Vorsitzende oder der Vorsitzende des Prüfungsausschusses regelmäßig mit dem Prüfungsleiter kommunizieren um sich über den Fortgang der Arbeiten, aufgetretene Schwierigkeiten und Zweifelsfragen zu erkundigen. Ebenso sollte sich der AufR über den Inhalt eines etwaigen Managementletters informieren. Dieses Schreiben des Abschluss prüfers an die Geschäftsführung beinhaltet ua festgestellte Schwachstellen im Rechnungswesen bzw im internen Kontrollsystem, die Aufforderung zur Behebung dieser und Verbesserungsvorschläge des Prüfers. Prüfungsbericht Der Abschlussprüfer hat über das Ergebnis der Prüfung schriftlich zu berichten. Der Prüfungsbericht ist jedem einzelnen Mitglied des Aufsichtsrates sowie dem Vor­ stand/Geschäftsführer zur Verfügung zu stellen. Laut Fach gutachten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder (IWP PE 4) trifft den Abschlussprüfer die Verpflichtung zur Vorlage des Prüfungsberichts und nicht den AufR­ Vorsitzenden oder den Geschäftsführer. Der Bericht kann aber auch indirekt zugestellt werden (etwa über den AufR­Vorsitzenden), in diesem Fall ist das empfangs­ berechtigte AufR­Mitglied jedoch über die Hinterlegung zu verständigen. Außerdem ist eine (jederzeit wider­ rufbare) Zustimmung jedes einzelnen AufR­Mitgliedes einzuholen. Hinsichtlich der Vorlagefrist gibt es keine genaue Rege­ lung. Im Fachgutachten wird darauf hingewiesen, dass der Prüfungsbericht grundsätzlich unverzüglich nach der Fertigstellung zu übermitteln ist. Spätestens muss die Vorlage an den Aufsichtsrat aber innerhalb der ersten 5 Monate nach dem Bilanzstichtag erfolgen. Im österrei­ chischen Corporate Governance Kodex wird im Punkt 12 empfohlen, die Unterlagen für die AufR­Sitzung und damit auch den Prüfungsbericht spätestens 1 Woche vor der Sitzung zu übermitteln. Die „Bilanzsitzung“ Ist ein Prüfungsausschuss eingerichtet, so hat dieser vor der eigentlichen AufR­Sitzung, in welcher der Jah­ resabschluss festgestellt bzw überprüft wird (= „Bilanz­ sitzung“), die Prüfung und Vorbereitung der Feststellung des Jahresabschlusses vorzunehmen. In Unternehmen, in denen kein Prüfungsausschuss vorhanden ist, hat der gesamte Aufsichtsrat die Aufgaben des Prüfungsaus­ schusses zu übernehmen. Der Abschlussprüfer ist der Sitzung des Prüfungs­ ausschusses, die sich mit dem Jahresabschluss beschäf­ tigt, zuzuziehen. In dieser hat er über die Ergebnisse der Prüfung zu berichten (Redepflicht). Die Anwesenheit des Prüfers sollte vom Prüfungsausschuss genutzt werden, um sich vom Prüfer die Prüfungsergebnisse zum Jahres­ abschluss eingehend erläutern zu lassen. Der Prüfungsausschuss sollte sich weiters ein Bild dar­ über machen, ob der Abschlussprüfer seine Prüfung sorgfältig durchgeführt hat und er sich damit auf die Prüfergebnisse verlassen kann. Dazu könnten folgende Fragen an den Abschlussprüfer gestellt werden: ? Wie viele Arbeitsstunden wurden für die Prüfung ver­ wendet? Wie viele davon entfielen auf den verantwort­ lichen Prüfer? ? Welche Prüfungsaktivitäten und Stichproben wurden vorgenommen? ? Welche Saldenbestätigungen wurden eingeholt? ? War der Prüfer auch bei der körperlichen Inventur anwesend? Wenn nein, wie hat er sich ein Bild von der Ordnungsmäßigkeit der durchgeführten Inventur gemacht? ? Welche Prüfungshandlungen wurden vorgenommen, um absichtlich herbeigeführte Fehldarstellungen im Jahresabschluss zu erkennen? Die Antworten des Abschlussprüfers auf diese Fragen helfen im Übrigen auch bei der Erstellung des nächsten Vorschlags zur Abschlussprüferwahl. Fazit Grundsätzlich ist die Beziehung zwischen dem Überwa­ chungsorgan Aufsichtsrat und dem externen Kontrolleur Abschlussprüfer im Gesetz geregelt. In der Praxis zeigt sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer oft unterschiedlich gelebt wird. Der Abschlussprüfer ist gefordert, dem Aufsichtsrat den „Mehrwert“ einer guten, qualitativ hochwertigen Abschlussprüfung zu vermitteln und den Aufsichtsrat entsprechend seiner neuen Rolle als Auftraggeber umfas­ send einzubinden. Der Aufsichtsrat seinerseits sollte ebenfalls die Chance nutzen, mit dem Abschlussprüfer verstärkt in Dialog zu treten und die Abschlussprüfung nicht nur als gesetzliche Pflichtübung betrachten. P.b.b. Zulassungsnummer: 02Z034644 M Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1040 Wien Herausgeber, Verleger, Medieninhaber: Bundeskammer für Arbeiter und Angestellte 1040 Wien, Prinz­Eugen­Straße 20­22 Satz und Layout: www.fielhauer.at | Jakob Fielhauer Alle Fotos: AK Wien, Abteilung Betriebswirtschaft Verlags­ und Herstellungsort: Wien

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