Full text: IFAM Info - 2011 Heft 1 (1)

Eine Untersuchung der Arbeiterkam-
mer Wien vom September 2010 hat 
die Corporate Governance Praxis 
an der Wiener Börse evaluiert. Das 
Ergebnis: Auch die jüngsten Kodex-
novellen haben nichts an der Einhal-
tung der Empfehlungen geändert. 
Trotz des nunmehr verpflichtend zu 
erstellenden Corporate Governance Berichts unterwer-
fen sich noch immer zwölf Unternehmen an der Wiener 
Börse nicht dem Corporate Governance Kodex. Promi-
nente Beispiele sind die Lenzing AG, die Ottakringer AG 
oder die Porr AG. 
Best Practice Unternehmen sind die Ausnahme
Lediglich vier Unternehmen halten den Corporate 
Governance Kodex ohne Einschränkungen ein und 
befolgen alle Comply or Explain Regeln (C-Regeln). Das 
sind Empfehlungen, die grundsätzlich einzuhalten sind. 
Wenn es jedoch zu einer Abweichung kommt, so sollte 
diese erklärt und begründet werden. Die betreffenden 
Vorzeigeunternehmen sind ausschließlich im ATX bzw. 
im Prime Market gelistet, dazu zählen Do & Co Restau-
rants & Caterings AG, die OMV AG, die voestalpine AG 
und die Wienerberger AG. Die überwiegende Mehrheit 
(93,4 Prozent) der Unternehmen an der Wiener Börse 
weicht jedoch von mindestens einer C-Bestimmung ab, 
bis zu 15 Regelverletzungen mussten festgestellt wer-
den. Insgesamt sind es sogar 261 Nichteinhaltungen: 
Die häufigsten Regelverletzungen betreffen die individu-
elle Angabe der Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung 
sowie die Einrichtung der internen Revision als eigene 
Stabstelle. 
Geringe Transparenz bei Vergütungsangaben 
Fast zwei Drittel der Unternehmen machen aus den indi-
viduellen Angaben zur Vorstandsvergütung (C-Regel 31) 
wie schon in den Jahren zuvor ein großes Geheimnis: 
Obwohl die betreffende Bestimmung im Zuge der 
Kodex-Revision 2009 von einer R-Regel, die weder 
zu begründen noch offenzulegen ist, zu einer C-Regel 
angehoben wurde, hat sich die Transparenz nicht sig-
nifikant verbessert. „Eine individuelle Offenlegung ist 
gesetzlich nicht vorgeschrieben, weshalb von einer sol-
chen Abstand genommen wird“, so der knappe Tenor, 
der in den Geschäftsberichten zu lesen ist. Ähnliches 
gilt für die Einzelveröffentlichung der Aufsichtsratsver-
gütung (C-Regel 51). Diese wird von einem Drittel der 
Unternehmen nicht eingehalten.
Keine Aufwertung der internen Aufsicht
Mehr als ein Drittel der Unternehmen verzichtet darauf, 
die interne Revision als eigene Stabstelle einzurichten: 
Dies überrascht, hat doch die Finanz- und Wirtschafts-
krise die Mängel der internen Kontrollsysteme deutlich 
gemacht. Gerade deshalb ist für börsennotierte Gesell-
schaften eine funktionierende Innenrevision wichtiger 
denn je. Vorstand und Aufsichtsrat, insbesondere der 
Prüfungsausschuss, müssen sich auf die Erkenntnisse 
der Internen Revision verlassen können. Diese sind vor 
allem im Hinblick auf die stark wachsende Verantwor-
tung der Unternehmensorgane notwendig.
institut für AufsichtsrAt-MitbestiMMung ·  nr. 1  – februAr 2011 ·  www.ifam-aufsichtsrat.at
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