Full text: IFAM Info - 2012 Heft 3 (3)

Mit der Änderung der Abschlussprü- fungs-Richtlinie sowie mit einer neuen Verordnung zur Abschlussprüfung wird von Seiten der Europäischen Kommission die Rolle der Abschluss- prüfer vor und während der Krise thematisiert. Es werden Bedenken hinsichtlich möglicher Interessenkon- flikte und der damit einhergehenden Gefahr der Anhäufung von System- risiken aufs Tapet der politischen Diskussion gebracht. Wie können Systemrisiken minimiert und die Unternehmensüberwachung verbes- sert werden? Den Schlüssel dazu hält zu einem guten Teil der Aufsichtsrat in Händen. Wie das Zusammenspiel zwischen Aufsichtsgremium und Abschluss prüfer funktioniert, zeigt eine im Feber 2012 durchgeführte Untersuchung der Arbeiterkammer Wien. An dieser Online Befragung nahmen österreich- und branchenweit mehr als 400 in den Aufsichtsrat entsandte ArbeitnehmervertreterInnen teil. Es sind dies überwiegend langjährige AufsichtsrätIn- nen (53%) mit mehr als fünf Jahre Aufsichtsratserfahrung. Bestellvorgang lediglich ein Formalakt?! Nicht erst beim „Herzstück“ – der konkreten Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts durch den Aufsichtsrat – sollte eine intensive Auseinandersetzung des Aufsichtsratsgremiums mit dem Abschlussprüfer stattfinden. Diese hat weit davor anzusetzen und sollte letztendlich als Teil einer good governance zu einer per- manenten Interaktion führen. Die entscheidenden Wei- chen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und Unter- nehmenskontrolle werden bereits bei der Bestellung des Abschlussprüfers gestellt. Durch das URÄG 2008 wurde der Aufsichtsrat noch stärker in die Beauftragung des Abschlussprüfers eingebunden. Er hat bei der Anbah- nung – etwa bei Ausschreibungen – und Abschluss des Prüfungsvertrages die Gesellschaft zu vertreten. Wie wird die Bestellung des Abschlussprüfers in der heimischen Praxis tatsächlich gelebt? Die AK Umfrage liefert diesbezüglich ernüchternde Ergeb- nisse: Nur bei knapp zwei Drittel der Befragten findet im Aufsichtsrat die notwendige Diskussion über die Bestel- lung des Abschlussprüfers statt. Es überrascht somit nicht weiter, dass lediglich 40,3% der Unternehmen einen Wechsel der Prüfungsgesellschaft in die Debatte einbrin- gen. Daraus resultierend werden gerade einmal von knapp einem Drittel Angebote eingeholt. Allerdings zeigt sich in jenen Aufsichtsräten, die sich aktiv in den Bestellvorgang einbringen, dass dort vermehrt (61%) ein Prüferwechsel angedacht wird. Warum wird von Seiten des Aufsichts- ratsgremiums diese wichtige Rolle nur zum Teil ausgefüllt? Eine Antwort auf die doch geringe Aufmerksamkeit bei der Auswahl des Abschlussprüfers liegt sicher in der Dominanz der Geschäftsführung. Bei der überwiegenden Magaa Ines Hofmann und Mag Markus Oberrauter sind in der Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien beschäftigt. Schwerpunkte: Beratung, Aus- und Weiterbildung von AufsichtsrätInnen AUFSICHTSRAT UND ABSCHLUSSPRÜFER – QUO VADIS KOMMUNIKATION? von ines hofMAnn, MArkus oberrAuter Nachdruck eines Beitrags aus Aufsichtsrat aktuell 4/2012 mit freundlicher Genehmigung des Linde Verlages. IFAM institut für AufsichtsrAt-MitbestiMMungNr 3 · August 2012 www.ifam-aufsichtsrat.at

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