Full text: IFAM Info - 2013 Heft 1 (1)

Nun kommt sie also doch. Ab 2014 wird auch in Österreich die „Bilanzpo- lizei“ ermitteln und Jahresabschlüsse (ab Stichtag 31.12.2013) näher unter die Lupe nehmen. Seit 2007 ist Österreich säumig und hat die EU Vorgaben, die sich einerseits aus der IAS-Verordnung und andererseits aus der Transparenzrichtlinie ergeben, nicht umgesetzt. Als einziges euro- päisches Land hat Österreich bislang noch keine Bilanzpolizei eingerichtet. Im November 2012 hat sich die Bundesregierung aber nun doch auf einen Kompromiss in dieser Sache geeinigt. Bilanzpolizei wozu? Wozu braucht es eigentlich eine eigene Bilanzpolizei – oder präzise ausgedrückt: eine „Kontrollbehörde für die Einhaltung der Rechnungslegungsvorschriften“? Es gibt doch ohnedies eine Reihe von Organen und Gremien, die für die Überwachung der Rechnungslegung verantwort- lich sind. Die Geschäftsführung bzw der Vorstand ist für die Erstellung des Jahresabschlusses verantwortlich, der Aufsichtsrat für die Überwachung, kapitalmarktorientierte Unternehmen müssen noch einen eigenen Prüfungs- ausschuss einrichten. Der Abschlussprüfer wird eigens für die Prüfung des Jahresabschlusses bezahlt. Unter- nehmensintern ist zusätzlich noch ein internes Kontroll- system aufzubauen und bei Finanzinstituten werden die Bilanzen auch von den Finanzmarktaufsehern näher unter die Lupe genommen. All diese Kontrollinstanzen können es aber offensichtlich nicht verhindern, dass Jahresab- schlüsse fehlerhaft erstellt werden. So hat die deutsche Prüfstelle für Rechnungswesen (DPR) im Jahr 2011 110 Jahresabschlüsse börsennotierter Unternehmen geprüft und dabei bei 25 % der Fälle Fehler entdeckt. Die Haupt- ursachen für diese hohe Fehlerquote sind unzureichende Berichterstattung im Lagebericht und Anhang, vor allem hinsichtlich etwaiger Auswirkungen der Finanz- und Wirt- schaftskrise auf die Unternehmenssituation. Ein hohes Fehlerpotenzial liegt aber auch bei der Anwendung der internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRS. Die IFRS Standards weisen eine hohe Komplexität auf, Wertansätze beruhen noch dazu überwiegend auf Erwartungen über zukünftige Entwicklungen, die auf den jeweiligen Bilanzstichtag heruntergebrochen werden müssen. Die „Interpretationsspielräume“ beim Ansatz von Vermögensgegenständen oder Verpflichtungen sind daher entsprechend groß. Die Bilanzpolizei soll hier auch präventiv wirksam werden, die aus ihrer Prüfungstätigkeit gezogenen Erkenntnisse sollen zusätzlich in den Weiter- entwicklungsprozess der Rechnungslegung einfließen. Mag Heinz Leitsmüller ist Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien grÜndlich ermittelt: die bilAnzpolizei Kommt von heinz leitsmÜller IFAM InstItut für AufsIchtsrAt-mItbestImmungnr 1 · februar 2013 www.ifam-aufsichtsrat.at

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