Volltext: Vergleich europäischer Systeme der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (197a)

Die Bereitstellung von Infrastrukturleistungen (Mobilität, Ver- und Entsorgung, Bildung, Soziales, Kultur) wird in den verschiedenen Ländern der Europäischen Union unterschiedlich organisiert; Die konkrete Ausgestaltung der Infrastrukturpolitik hängt u.a. von den rechtlichen, ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen ab (siehe auch Kapitel 3). In dem vorliegenden Kapitel stehen primär ökonomischen Konzepten und Begründungen für Markt- oder Staatsaktivitäten in der Was- server- und Abwasserentsorgung im Fokus. Daran anschließend wird die Frage erörtert, welche institutiollen Optionen es für die Organisation der Wasserver- und Abwasserentsorgung gibt. Für Staatsinterventionen, also das Tätigwerden des Staates2 werden im Allgemeinen eine Reihe von Begründungen der Finanzwissenschaft aufgeführt, die in einem ersten Schritt den individuellen Ent- scheidungen eine Reihe von Ineffizienzen nachweisen („Marktversagen“), die durch staatliches Handeln korrigiert werden können. Marktversagen wird dabei im Zusammenhang mit folgenden Phänomenen diskutiert: Externe Effekte, Öffentliche Güter, Mangelnder Wettbewerb, Fehlende und/oder unvollständige Märkte; Informationsmängel oder Informationsasymmetrien; Fehlende Vo- raussicht, Unsicherheit und Ungewissheit; Langfristige, komplexe Koordinierungs- und Planungser- fordernisse; sowie meritorische (z.B. Bücher) / demeritorische Güter (z.B. Drogen). Das Vorliegen von Marktversagen bedeutet grundsätzlich, dass die individuellen Entscheidungen durch kollektives, häufig staatliches, Handeln und Planen ergänzt oder ersetzt werden sollen. Dabei kann im Bereich der Infrastrukturpolitik in der Regel vom Vorliegen von Marktversagen ausgegan- gen werden, insbesondere auch in Bezug auf die Ressource Wasser (siehe etwa Hanemann 2005 bzw. dazu im Folgenden die Differenzierungen). Im Wesentlichen können aus diesen Gründen Argumente für eine Staatsintervention aus Effizienz- gründen abgeleitet werden: Individuelle Entscheidungen (auch auf Märkten) führen zu einer ineffi- zienten Allokation der vorhandenen Ressourcen; es werden Güter und Dienstleistungen nicht oder nur in unzureichendem (nicht effizientem) Ausmaß individuell bereit gestellt, die aber von den Bür- gerInnen selbst gewünscht werden. Staatliche Intervention kann hierbei die Effizienz erhöhen: 2 Im Folgenden wird der Begriff „Staat“ synonym für alle AkteurInnen im öffentlichen Sektor verwendet. Der Staat wird somit als Planer, Betreiber, Regulator und Financier von Infrastrukturen auf verschiedenen Ebenen (europäische, nationale, regionale, lokale/kommunale) tätig. In diesem Sinne werden im Staat kollektive Entscheidungen getrof- fen, die – zumindest im Grundsatz – am Gemeinwohl orientiert sind, während Entscheidungen von Haushalten und Unternehmen auf die Erfüllung individueller Bedürfnisse und Interessen gerichtet sind.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.