Full text: Vergleich europäischer Systeme der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (197a)

Öffentliche Dienstleistungen und hier insbesondere die Wasserversorgung und 
Abwasserentsorgung sind unverzichtbar für die Menschen. Österreichs Wasserversorgung punktet 
mit sehr guter Qualität, Leistbarkeit und umfassender Versorgung. Sie steht auch im europäischen 
Vergleich sehr gut da, wie die aktuell vorliegenden Studienergebnisse zeigen. 
Dank des Erfolgs der Europäischen Bürgerinitiative „Right2Water – Wasser ist ein Menschenrecht“ 
konnte die Ausnahme vom Ausschreibungs- und Liberalisierungszwang für Wasser und Abwasser 
erkämpft werden. Danach ist es vorübergehend etwas ruhiger geworden im Wasserbereich. Mit der 
bevorstehenden Überprüfung der Konzessionsrichtlinie steht die Ausnahme des Wassers und 
Abwassers wieder auf dem Prüfstand. Gleichzeitig wird über Freihandelsabkommen mit Kanada 
(CETA) oder Japan (JEFTA) die Liberalisierung durch die Hintertür ermöglicht. Damit wird die 
Wasserversorgung ein Spielball zwischen Investoreninteressen und öffentlicher Daseinsvorsorge. 
Internationale Studien zeigen die negativen Erfahrungen der Privatisierung öffentlicher 
Dienstleistungen: erhöhte Preise, schlechtere Versorgung für die Menschen und geringere 
Investitionen in die Infrastruktur. Daher ist seit einigen Jahren ein Trend hin zur 
Rekommunalisierung zu beobachten: Allein in Frankreich und Deutschland haben in den letzten 
15 Jahren mehr als 120 Städte und Gemeinden ihre Wasserversorgung von der privaten in die 
öffentliche Hand zurückgeholt. 
Parallel zur Rückkehr der öffentlichen Hand beteiligen sich zunehmend Finanzinvestoren an 
privaten Wasserkonzernen und bewirken eine Veränderung der Geschäftsmodelle, was sich am 
deutlichsten in England ablesen lässt. Diese neuen Entwicklungen werden unter dem Begriff der 
„Finanzialisierung“ zusammengefasst. Die bisherigen Erfahrungen mit den neuen Modellen zeigen, 
wie wichtig es ist lebensnotwendige öffentliche Daseinsvorsorge vor ihnen zu schützen. 
Die Wasserversorgung in Österreich liegt seit jeher in öffentlicher Hand und ist seit vielen Jahren 
sehr gut aufgestellt. Die KonsumentInnen sind mit der Qualität ihrer Wasserversorgung sehr 
zufrieden. Eine aktuelle Studie des Österreichischen Städtebundes zeigt, dass 97 Prozent der 
KonsumentInnen mit ihrer Trinkwasserversorgung und 94 Prozent mit ihrer Abwasserversorgung 
sehr zufrieden bzw. zufrieden sind. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, soll die Wasserversorgung 
auch weiterhin in öffentlicher Hand bleiben. 
 
 
 
Renate Anderl 
Präsidentin 
Arbeiterkammer Wien 
Thomas Weninger 
Generalsekretär 
Österreichischer Städtebund 
Thomas Kattnig 
Bereichsleiter 
younion_Die Daseinsgewerkschaft
        

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