Full text: Flexible Arbeitszeitarrangements aus der Perspektive österreichischer ArbeitnehmerInnen (182)

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? Wer ist von (unbezahlten) Überstunden betroffen? 
Nach der multivariaten Analyse von Merkmalskombinationen, die zu längeren Arbeits-
zeiten führen, wird nun näher untersucht, welche Faktoren Überstunden begünstigen und 
was zu bezahlten und nicht bezahlten Überstunden führt.  
Die Analysen zu den Überstunden werden ebenfalls für Vollzeitbeschäftigte 
durchgeführt. Die Fragen zu den Überstunden beziehen sich im Gegensatz zur Frage nach 
der normalen Arbeitszeit auf eine konkrete Befragungswoche.  
Den größten Erklärungsbeitrag für die Entstehung von Überstunden leisten die tatsächlich 
in der Befragungswoche geleisteten Arbeitsstunden. Nur wer länger arbeitet, ist 
überhaupt in der Lage, auch Überstunden zu machen. Überstunden werden begünstigt, 
wenn von den ArbeitgeberInnen Flexibilität der ArbeitnehmerInnen bei den Arbeitszeiten 
erwartet wird. Ebenfalls begünstigt werden Überstunden durch eine Überstunden-
sonderregelung; in diesem Fall wurde ja auch die regelmäßige Leistung von Überstunden 
im Arbeitsvertrag vereinbart. Zusätzlich arbeiten ArbeitnehmerInnen häufig länger, wenn 
sie eine Leitungsfunktion übernommen haben.  
Eine teilweise oder vollständige Selbstbestimmung bei der Gestaltung der Arbeitszeit 
wirkt sich ebenso erhöhend auf mögliche Überstunden aus. Das gleiche gilt für eine 
flexible Gestaltung der Arbeitsaufgaben und die Art der Erfassung der Arbeitszeit, wobei 
diese Zusammenhänge nicht signifikant sind. Selbststeuerung geht zwar, wie im letzten 
Modell gezeigt, eher mit längeren Arbeitszeiten einher, auf die Anzahl der Überstunden 
zeigt sich jedoch kein signifikanter Einfluss. Das könnte auch dahingehend interpretiert 
werden, dass Beschäftigte mit selbstgesteuerten Arbeitszeiten gar nicht mehr so genau 
abgrenzen können, was nun eine Überstunde ist und was nicht. Im Falle von 
Durchrechnungszeiträumen können die Beschäftigten schlussendlich nicht viel mehr als 
eine Vermutung dazu äußern, ob ihre tatsächliche Arbeitszeitverteilung am Ende des 
Durchrechnungszeitraums zu Überstundenarbeit führt oder nicht. 
Nach Bildung betrachtet weisen, wie bei der Länge der Arbeitszeiten, nur Universitäts-
absolventInnen signifikant höhere Zahlen an Überstunden auf. Auch was die Unter-
scheidung nach Branchen betrifft, sind die Ergebnisse ähnlich. Mehr Überstunden fallen 
in der Herstellung von Waren, am Bau, in der öffentlichen Verwaltung und im Gesund-
heitssektor an. Wobei auch hier die These angebracht ist, dass etwa im Wirtschafts-
abschnitt Herstellung von Waren die Abgrenzung von Normalarbeitszeit und 
Überstunden einfacher möglich ist als in IKT.
        

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