Volltext: Neoliberale Union oder soziales Europa? (20)

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Martin Risak1
ATYPISCHE UND PREKÄRE BESCHÄFTIGUNGS-
VERHÄLTNISSE IN DER EU: PROBLEMLAGEN UND 
 ARBEITSRECHTLICHE HANDLUNGSOPTIONEN 
1 PROBLEMAUFRISS
1.1 Einleitung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den arbeitsrechtlichen Strategien auf EU-Ebene zur Ein-
dämmung der negativen Folgen atypischer Beschäftigung, die insbesondere Prekarität nach 
sich ziehen kann. Dafür wird in einem ersten Schritt die Entwicklung weg vom Normalarbeits-
verhältnis hin zu atypischer Beschäftigung, die zuletzt unter der Bezeichnung „neue Beschäf-
tigungsformen“ behandelt wurde (vgl. Europäische Kommission 2017a, 1), skizziert, worauf 
dann ein kurzer Überblick über die zahlenmäßige Dimension und das Wechselspiel von Aty-
pizität und Prekarität gegeben wird. Im darauffolgenden Teil wird auf die rechtlichen Strategi-
en der EU eingegangen, wobei der Schwerpunkt auf einer kritischen Beleuchtung des Vor-
schlages der Europäischen Kommission für eine Richtlinie über transparente und verlässliche 
Arbeitsbedingungen (vgl. Europäische Kommission 2017a) gelegt wird und weiter gehende 
Lösungsvorschläge aufgezeigt werden.
1.2 Die Ausgangsbasis: das Normalarbeitsverhältnis
Die derzeit bestehenden Institutionen des Arbeitslebens (wie Gewerkschaften, Betriebsräte, 
Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen) ebenso wie das Arbeitsrecht selbst sind Ant-
worten auf die Industrialisierung und das sich dabei herausbildende sogenannte Normal- 
oder Standardarbeitsverhältnis: ein unbefristetes Vollzeitarbeitsverhältnis zwischen zwei Per-
sonen, das mit einer gewissen Sicherheit verbunden ist und ein ausreichendes (Familien-)
Einkommen sichert. Durch die starke Regulierung dieses Normalarbeitsverhältnisses in Ge-
setz und Kollektivvertrag sollte vor allem dem Machtungleichgewicht beim Aushandeln der 
individuellen Arbeitsverträge begegnet werden (vgl. dazu z.  B. Risak 2014, 129). Dieser 
Schutz für die ArbeitnehmerInnen ist freilich mit Kosten für die ArbeitgeberInnen verbunden. 
Besonders infolge der Globalisierung der Wirtschaft und des verstärkten internationalen 
Wettbewerbs wurden daher Forderungen nach Senkung der Arbeitskosten und Flexibilisie-
rung von Beschäftigungsbedingungen laut.
1 Ich danke Stud.-Ass. Ulrich Grossinger für die Unterstützung bei der Literaturrecherche.
        

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