Full text: Europäischer Pakt für sozialen Fortschritt

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II. Stand der Diskussion 
Mit diesem Ansatzpunkt bestellt die Studie insgesamt neues Feld, auch wenn sie nicht die 
einzige Stimme ist, die sich bislang zu primärrechtlichen Reformoptionen geäußert hat, mit 
deren Hilfe die Problematik des Sozialen im europäischen Integrationsprozess zumindest 
gemildert werden soll.  
So hat Thorsten Kingreen, Rechtswissenschaftler und Professor für Öffentliches Recht, 
Sozialrecht und Gesundheitsrecht an der Universität Regensburg, den Entwurf des EGB zu 
einem Sozialen Fortschrittsprotokoll einer kritischen Würdigung unterzogen.11 Dieses 
Gutachten hat instruktiv gewisse Schwächen des EGB?Vorschlags markiert, etwa gerade die 
Entscheidung für die Form eines Protokolls anstelle der Form einer Vertragsänderung. Die 
wichtigste Kritik beruht aber auf einem – vom Wortlaut des EGB?Vorschlags nahegelegten – 
konzeptionellen Missverständnis, auf das unten ausführlich einzugehen sein wird.12 
Weiterhin überschätzt Kingreen die Verwirklichungschancen der von ihm als Alternative 
angebotenen Möglichkeit einer sekundärrechtlichen Umsetzung der Intentionen des 
Protokolls. Schließlich blieb die Integrationsdynamik der Marktfreiheiten, die der 
„Europäische Pakt für sozialen Fortschritt“ zurecht prominent thematisiert, in jenem 
Gutachten aufgrund der Fragstellung außer Betracht.13 
Darüber hinaus hat Martin Höpner, Politologe und Professor am Max?Plack?Institut für 
Gesellschaftsforschung in Köln, ein Diskussionspapier vorlegt, in dem er Optionen einer 
Reform des EU?Rechts unter dem Aspekt des Sozialen vorstellt und sortiert.14 Die 
vorliegende Studie konzentriert sich demgegenüber auf diejenigen Reformoptionen, die 
durch das Programm des Europäischen Paktes aufgegriffen wurden. Sie entwickelt diese 
Optionen unter rechtswissenschaftlichem Fokus weiter. Die Analysen können darum am 
                                                            
11 Thorsten Kingreen, Soziales Fortschrittsprotokoll, Potenzial und Alternativen, 2014, verfügbar unter 
http://www.hugo?sinzheimer?
institut.de/fileadmin/user_data_hsi/Veroeffentlichungen/HSI_Schriftenreihe/Thorsten_Kingreen.pdf . 
12 Dazu unten D.III.1. 
13 Tatsächlich ist, wie weiter unten über die Nachweise deutlich werden wird, gerade die Arbeit von Kingreen 
wegweisend für die Kritik an der geltenden Konzeption der Marktfreiheiten, vgl. Thorsten Kingreen, 
Grundfreiheiten, in: Bogdandy / Bast (Hrsg.), Europäisches Verfassungsrecht, 2. Auflage, Berlin 2009, S. 705 ff. 
14 Martin Höpner, Grundfreiheiten als Liberalisierungsgebote? Reformoptionen im Kontext der EU?
Reformdebatte, Max?Planck?Institut für Gesellschaftsforschung Discussion Paper 17/10, Köln 2017, online 
verfügbar unter: 
http://www.mpifg.de/people/mh/paper/Hopener2017GrundfreiheitenalsLiberalisierungsangebote.pdf  
        

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