Full text: Europäischer Pakt für sozialen Fortschritt

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Instrument der Integrationsdynamik zu nutzen.31 Es wurde erwartet, dass die 
Einigungsbereitschaft der Mitgliedstaaten auf Unionsebene zunehmen würde, um die 
verlorene mitgliedstaatliche Regulierung durch eine vergleichbare Regulierung auf 
Unionsebene wieder zu gewinnen. In Verbindung mit der Ablösung der einstimmigen 
Beschlussfassung im Rat durch Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit für den Bereich 
des Binnenmarktes mit der Vertragsänderung von 1987 (sog. Einheitlichen Europäischen 
Akte)32 ging diese Rechnung auch ein Stück weit auf. 
Für Gegenstände der Arbeits? und Sozialverfassung ist das Problem jedoch: Die Union hat in 
diesem Bereich nur eingeschränkte Kompetenz und selbst soweit sie besteht, wird sie kaum 
noch genutzt. Das bedeutet, dass anders als im wirtschaftsrechtlichen Bereich den 
Mitgliedstaaten auf Grundlage der Marktfreiheiten nur Regulierungen gestrichen werden 
und sie gerade keine realistische Möglichkeit haben, diese durch vergleichbare Regelungen 
auf Unionsebene zu ersetzen. Damit wird die für den modernen Sozialstaat charakteristische 
politische Vermittlung von Wirtschaftsverfassung einerseits und Arbeits? und 
Sozialverfassung andererseits ersetzt durch einen grundsätzlichen rechtlichen Vorrang der 
Wirtschaftsverfassung. 
2. Richtig: Autonomie mitgliedstaatlicher Arbeits? und Sozialverfassung 
Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, die Reichweite der Marktfreiheiten konzeptionell auf 
den wirtschaftsrechtlichen Bereich zu begrenzen.33 Die Gegenstände der Arbeits? und 
Sozialverfassung müssen aus dem Anwendungsbereich ausgenommen werden. Es wäre bei 
der Anwendung der Marktfreiheiten also stets zu qualifizieren, ob es sich bei der 
angegriffenen Regelung um eine Regelung aus dem Bereich der Arbeits? und 
Sozialverfassung handelt. Wäre dies zu bejahen, kann die Marktfreiheit keine Anwendung 
finden. 
Dabei ist zusätzlich zu gewärtigen, dass die Arbeits? und Sozialverfassung nicht durch den 
mitgliedstaatlichen Gesetzgeber, sondern in vielfacher Hinsicht durch Tarifvertragsparteien 
und in einigen Mitgliedstaaten auch durch Betriebsparteien ausgestaltet wird. Diese 
                                                            
31 Kingreen bezeichnet den EuGH in diesem Zusammenhang als Motor der Rechtsangleichung und die 
Grundfreiheiten als dessen Treibstoff, Thorsten Kingreen, Grundfreiheiten, in: Bogdandy / Bast (Hrsg.), 
Europäisches Verfassungsrecht, 2. Auflage, Berlin 2009, S. 705?748, 711 ff. 
32 Abl. EU, Nr. L 169/1 ff. vom 29. Juni 1987. 
33 In diesem Sinne schon Christian Joerges / Florian Rödl, Das soziale Defizit des Integrationsprojektes, Kritische 
Justiz 2008, S. 149?165, 157 ff. 
        

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