Full text: Europäischer Pakt für sozialen Fortschritt

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an. Er spricht einer Tariftreueregelung aber die Eignung ab. Geeignet wäre der Schutz nur, 
wenn die Tarifverträge allgemeinverbindlich wären. Tariftreue im Bereich öffentlicher 
Auftragsvergabe bliebe also unabhängig von der Entsenderichtlinie unionsrechtswidrig 
wegen Verstoßes gegen die Dienstleistungsfreiheit.  
b. Laval 
Der Fall Laval165 betraf den Boykott einer Baustelle durch eine schwedische 
Bauarbeitergewerkschaft sowie die Solidaritätsmaßnahmen einer Schwestergewerkschaft in 
der Auseinandersetzung um den Abschluss eines Tarifvertrags mit einem lettischen 
Bauunternehmen. Auch hier war zunächst einmal die Entsenderichtlinie einschlägig. Nach 
der Lesart des Gerichtshofes führte deren Charakter als Vollharmonisierung zu einer 
Begrenzung des nach schwedischem Recht verliehenen Streikrechts. Dieser Vorwurf würde 
entfallen, wenn die Richtlinie lediglich eine Mindestharmonisierung bewirkte.  
In einer Hinsicht kam die Dienstleistungsfreiheit auch unmittelbar zum Tragen. Es ging um 
die gesetzliche Regelung der Reichweite der Friedenspflicht eines Tarifvertrags. Nach 
schwedischem Arbeitskampfrecht entfaltet ein Tarifvertrag eine Friedenspflicht auch für 
andere Gewerkschaften. Eine Ausnahme gilt für Tarifverträge, die nicht dem schwedischen 
Recht unterliegen. Gegen Unternehmen, die einen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft aus 
einem anderen Mitgliedstaat geschlossen haben, sind also Arbeitskämpfe möglich. 
Was vielleicht auf den ersten Blick irritierend wirkt, die unterschiedliche Behandlung 
inländischer und ausländischer Tarifverträge, ist tatsächlich eine Regelung, die das Prinzip 
territorialer Arbeitskostengleichheit verwirklicht in einem Kontext tarifautonomer 
Normsetzung, in dem – wie in Schweden und etwa anders als in Deutschland –Tarifverträge 
Friedenspflichten auch für andere Gewerkschaften auslösen. Die Regelung klingt nur 
deswegen irritierend, weil sie im schwedischen Recht naheliegender Weise nur einseitig aus 
schwedischer Perspektive formuliert ist. Ihr verallgemeinerter Gehalt ist aber der, dass für 
die Tarifierung von Inlandsarbeit nur inländische Gewerkschaften zuständig sein dürfen, weil 
nur diese die Tarifierung für ein Leben im Rahmen der inländischen Volkswirtschaft 
bestimmen.166 Wenn denn also Tarifverträge Friedenspflichten auch für andere 
Gewerkschaften auslösen können, muss es sich natürlich um Tarifverträge inländischer 
                                                            
165 EuGH, Urteil vom 18. Dezember 2007, Laval, C?341/05, EU:C:2007:809. 
166 Vgl. die kollisionsrechtliche Lesart der Zuständigkeitsregelung der ITF oben in Fn. 128. 
        

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