Full text: Digitale Transformation im Steuerrecht (190)

38 
 
• Ausnutzung von „Netzwerkeffekten“, die dadurch auftreten, dass Konsumenten umso höheren 
Nutzen aus einem Produkt beziehen, je mehr Teilnehmer dieses nutzen. Dies wird vor allem bei zwei- 
oder mehrseitigen Geschäftsmodellen deutlich, bei denen zwei Gruppen (zB Anbieter und 
Nachfrager) interagieren und der Nutzen für die eine Gruppe mit der Größe der anderen Gruppe steigt 
(zB bei Online-Marktplätzen und sozialen Netzwerken). Dies führt auch zur Tendenz zu Monopol- 
oder Oligopolbildung, die oft wesentlich mit der starken Abhängigkeit von Netzwerkeffekten 
einhergeht, und gleichzeitig aber auch Volatilität aufgrund niedriger Einstiegsbarrieren für neue 
Betreiber und rascher Weiterentwicklung von Technologien. 
Angesichts dieser Charakteristika lassen sich – aus einer steuerlichen Perspektive – auch drei 
grundlegende Geschäftsmodelle der facettenreichen digitalen Wirtschaft identifizieren:188 
• Physische E-Commerce-Modelle betreffen die Produktion eines physischen Gutes in einem Staat, 
das über das Internet an Konsumenten in einem anderen Staat verkauft wird; der Ort des Verkaufs, 
Vertriebs und Kundenunterstützung ist daher typischerweise im Marktstaat, unabhängig davon, wo 
das Produkt hergestellt wurde. 
• Bei digitalem E-Commerce und Cloud-Modellen ist das Produkt nicht physisch, sondern digital und 
wird entweder über das Internet vertrieben oder in einem zentralen Datencenter „abgelegt“ und ist 
als Dienstleistung abrufbar (zB Downloads oder Streams); die Lokalisierung von Vertrieb, 
Kundenunterstützung oder Datencenter ist dabei weitgehend unabhängig vom Ort des Konsumenten. 
• Bei zwei- oder multidimensionalen Modellen, wie zB Suchmaschinen und sozialen Netzwerken, 
wird Wert etwa durch die Datensammlung und Nutzung für gezielte Werbung geschaffen, wobei die 
physische Lokalisierung der Nutzer, des Anbieters und auch dritter Profiteure (zB Werbetreibender) 
vollständig auseinanderfallen können. 
Die digitale Wirtschaft führt vor diesem Hintergrund zu weitreichenden steuerlichen 
Herausforderungen. Dies liegt unter anderem darin begründet, dass es vielfach zu einem 
Auseinanderfallen des klassischen Konnexes zwischen physischer Präsenz und dem Absatz- bzw 
Konsumentenmarkt kommt, da die digitalen Geschäftsmodelle keine lokale Niederlassung des 
Unternehmens im Absatzstaat erfordern. Hinzu tritt, dass die Vertragsverhältnisse ohne 
Personaleinbindung und Wertschöpfung (zB durch Werbung) auf Basis „kostenloser“ Nutzerbeiträge 
(insb bei „mehrseitigen“ Geschäftsmodellen) erfolgen können. Aus steuertechnischer Sicht treten 
Probleme der Charakterisierung von Einnahmen (Lizenzgebühren, Dienstleistungsentgelte, gewerbliche 
Einkünfte), aber auch administrative Herausforderungen hinzu, etwa die Identifikation der 
Steuerpflichtigen (Registrierung), Feststellung des Tätigkeitsumfangs, Sammlung und Verifikation von 
Daten von „Steuerausländern“ oder Identifikation der Konsumenten (zB über IP-Adressen). 
Der Abschlussbericht zu Aktionspunkt 1 des BEPS-Projekts versucht, vor diesem Hintergrund auch jene 
Gestaltungsmöglichkeiten in der digitalen Wirtschaft zu identifizieren, die eine Steuerverkürzung oder 
Gewinnverlagerung fördern können. Diese Gestaltungsmöglichkeiten laufen darauf hinaus, im 
Quellenstaat eine steuerliche Präsenz zu vermeiden, Gewinne in Niedrigsteuerländer zu verlagern, dort 
spezielle Steuerregime zu nutzen und schließlich eine Erfassung im Staat der Muttergesellschaft zu 
vermeiden.189 Schon dieser Bericht weist aber darauf hin, dass derartige Gestaltungen zwar für stark 
digitalisierte Geschäftsmodelle wegen der ihnen eigenen Mobilität oftmals besonders zugänglich sind 
(oder an solchen Beispielen augenfällig geworden sind), es sich dabei aber keineswegs um 
Besonderheiten dieses Sektors oder der Digitalisierung an sich handelt. Konsequent wurden 
Gegenmaßnahmen auch schwerpunktmäßig in anderen BEPS-Aktionspunkten angesiedelt.190 Die 
                                                          
188 S Commission Expert Group on Taxation of the Digital Economy, Report 21 f; und auch die ausführliche Darstellung in OECD, 
BEPS Action 1 – 2015 Final Report, Rz 109 ff; OECD, Digitalisation – Interim Report 2018, Rz 162 ff. 
189 S OECD, BEPS Action 1 – 2015 Final Report, Rz 183 ff; s auch Mitterlehner, SWI 2016, 58 ff. 
190 S zusammenfassend OECD, BEPS Action 1 – 2015 Final Report, Rz 241 f.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.