Full text: Arbeitssituation von LSBTI-Personen in Österreich

Endbericht zur Arbeitssituation von LSBTI-Personen in Österreich Seite 107 SORA – Institute for Social Research and Consulting rungen umzugehen, ist der Versuch, sie zu ignorieren: Jeweils mehr als die Hälfte aller betroffenen Personen gibt an, dass sie diese Herabwürdigungen zwar als negativ empfunden haben, aber dennoch versucht haben, diese so gut wie möglich zu ignorieren. Fast jede*r Dritte gibt darüber hinaus an, dass sie/ihn diese Dinge „kalt lassen“ und sie/er „über diesen Dingen“ stehe. Die beiden häufigsten Formen des Umgangs mit innerbetrieblicher Diskriminierung bestehen also in einer Nicht-Reaktion, bei der die Betroffenen die Ungleich- behandlungen und Herabwürdigungen mehr oder weniger über sich ergehen lassen. Nur rund jede*r Dritte gibt an, in die Offensive gegangen und sich ge- wehrt zu haben, wobei offen bleibt, in welcher Form das passiert ist. Über das Thema mit den betroffenen Personen zu reden, war für rund jede*n Vierte*n ein Weg, um mit der erfahrenen Ungleichbehandlung umzugehen, sich an die Kolleg*innen zu wenden, ebenfalls für im Schnitt rund ein Viertel. Ca. genauso viele aber sagen auch, dass sie überhaupt nicht wussten, wie sie reagieren sollten oder könnten. Sich an Vertrauenspersonen oder Vorgesetzte im Unternehmen zu wenden, ist nur für wenige eine Option gewesen: Nur jede*r sechste bis siebte LSBTI- Beschäftigte hat sich an Vorgesetzte gewandt, nur rund jede*r zehnte an die Betriebsrätin/den Betriebsrat. Der Wert erhöht sich nicht wesentlich, wenn man nur jene Beschäftigten hernimmt, die auch tatsächlich einen Betriebsrat im Unternehmen haben. Noch seltener werden externe Organisationen oder Beratungsstellen kontak- tiert, nicht einmal wenn es zu härteren Formen der Diskriminierung wie z.B. Mobbing gekommen ist: An Beratungsstellen, wie z.B. die Gleichbehand- lungsanwaltschaft, haben sich etwas weniger als 10% der Betroffenen gewandt, an Interessensvertretungen wie z.B. die Arbeiterkammer im Schnitt nur 3%. Bei Opfern von härteren Formen der Diskriminierung waren es 7%. Noch seltener wurden tatsächlich juristische Schritte eingeleitet (2%). Andere Formen des Umgangs reichten von individuellen Maßnahmen, wie z.B. Super- vision oder Therapie, bis hin zu Kündigungen. Die unterschiedlichen LSBTI-Gruppen gehen zum Teil sehr unterschiedlich mit erfahrener Diskriminierung um. Gleich bleibt aber, dass in allen Gruppen mehr als die Hälfte „den Weg nach innen“ antritt, also versucht, alleine mit den ne- gativen Erfahrungen umzugehen. Mit Versuchen, es zu ignorieren bzw. „darüber zu stehen“, reagieren schwule Männer häufiger auf erlebte Ungleich- behandlung, gerade letzteres ist auch für Männer mit bisexueller oder anderer Orientierung die Hauptreaktion. Auch betroffene Trans*-Personen geben zu 55% an, es zunächst zu ignorieren, mit 37% geben diese aber auch am häu- figsten an, in die Offensive zu gehen und sich zu wehren. Nicht zu wissen, wie man sich wehren soll oder kann, geben vor allem jene Befragte an, die sich keiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität zuordnen wollten. Mit

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