Full text: Die COVID-19 Gesundheits- und Arbeitsmarktkrise und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung (211)

IHS Steiber I Die COVID-19 Gesundheits- und Arbeitsmarktkrise & ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung 80 5.6 Veränderte Arbeitsbedingungen: Zusammenfassung Die Studie zeigt, dass sich Arbeitsbedingungen in Bezug auf Arbeitsstunden, Verdienst, Zeit- und Erfolgsdruck, Arbeitsautonomie und -überwachung v.a. unter Arbeitnehmer- Innen mit Corona-Kurzarbeitserfahrung verändert haben. Rund 29% der unselbstständig Erwerbstätigen verzeichneten seit Beginn der Krise eine Verringerung ihrer Arbeitszeit während gleichzeitig rund 27% Verdiensteinbußen hinnehmen mussten. Zu Einbußen kam es dabei v.a. im Kontext der Kurzarbeit, während es wenig Hinweis auf weniger Lohn bei gleichbleibender Arbeitszeit gab. Wie in Abbildung 58 illustriert, verzeichneten rund drei Viertel der Personen, die sich im Juni 2020 in Kurzarbeit befanden, Einbußen in ihrem Verdienst, während dies für rund 14% der weiblichen und 18% der männlichen Vollzeiterwerbstätigen zutraf. Dabei gilt es zu bedenken, dass einige der im Juni 2020 wieder regulär Beschäftigten Kurzarbeitserfahrung zwischen März und Juni 2020 hatten. In der Gruppe der Beschäftigten, die nie zu Kurzarbeit angemeldet waren, lag der Anteil mit Lohneinbußen bei etwa 10%, während rund 6% Lohnzuwächse verzeichneten. Viele KurzarbeiterInnen waren einem erhöhten Arbeitsdruck ausgesetzt und verloren an Arbeitsautonomie. Zudem verspürten sie weniger gesellschaftliche Anerkennung für ihre Tätigkeit und führten in der Kurzarbeit teils weniger interessante oder weniger qualifizierte Tätigkeiten aus. Andere Teile der Kurzarbeiterschaft wiederum machten ganz andere Erfahrungen; hatten weniger Verdiensteinbußen; verspürten weniger Zeit- und Erfolgsdruck sowie mehr Arbeitsautonomie. Es kam also im Bereich der Kurzarbeit zu einer Polarisierung in der Entwicklung der Arbeitsbedingungen (Abbildung 58). Arbeitsdruck: seit Beginn der Krise erhöhte sich für rund 20% der Beschäftigten der Zeit- oder Erfolgsdruck, während er für rund 11% sank. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern bzw. Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätigen waren gering. Unter den KurzarbeiterInnen kam es zu einer Polarisierung: Für rund ein Drittel sank der Arbeitsdruck, während rund ein Viertel in der Kurzarbeit stärker unter Druck kamen. Arbeitsautonomie: Allgemein war ein hohes Maß an Stabilität zu beobachten, unter den KurzarbeiterInnen ein polarisierender Trend: Für 20% verringerte sich die Arbeitsautonomie; rund 15% verzeichneten einen Zuwachs an Autonomie. Überwachung der Arbeit: Rund 12% der unselbständig Beschäftigten gaben an, dass ihre Arbeit seit Beginn der Krise stärker überwacht wurde, für rund 12% traf das Gegenteil zu. Beide Anteile waren unter den KurzarbeiterInnen etwas höher. Anerkennung: Die wahrgenommene gesellschaftliche Anerkennung für die berufliche Tätigkeit sank seit Beginn der Krise für rund 12% der unselbständig Beschäftigten (verstärkt unter KurzarbeiterInnen), während sie rund 16% stieg (verstärkt unter teilzeiterwerbstätigen Frauen).

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