Full text: Solidarität - Jänner 1953, Heft 181 (181)

5, M.1953 ZENTRALORGAN OES ÖSTERREICHISCHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES 5. JÄNNER 1953 — NR. 181 PREIS 25 GROSCHEN 19 53 Von Generalsekretär Anton P r o k s c h Vieles, was sich Österreichs Ar¬ beiter und Angestellte vom Jahr 1952 erhofft haben, ist nicht Wirk¬ lichkeit geworden. Noch immer fehlt eine Reihe von sozialpoliti¬ schen Gesetzen, und noch immer ist eine Änderung des Antiterror¬ gesetzes, die die Diskriminierung des österreichischen Gewerk¬ schaftsbundes und seiner Mitglie¬ der beseitigt, nicht erfolgt. Das zu Ende gehende Jahr wa.r erfüllt von wirtschaftlichen Sorgen sonder Zahl. Die bereits im Jahre 1951 angebahnte Festigung des Geldwertes und die Normalisie¬ rung der Wirtschaft machten gute Fortschritte, aber die Entwicklung des Arbeitsmarktes im letzten Vierteljahr gibt zu großen Be¬ sorgnissen Anlaß. Immer stärker werdend ist die Steigerung der Arbeitslosenzahl, sie hat derzeit einen Stand er¬ reicht, wie wir ihn noch kein Jahr seit 1945 um dieselbe Zeit ver¬ zeichnen mußten. Die Bekämpfung der Arbeits¬ losigkeit, besonders der Winter¬ arbeitslosigkeit, ist das wich¬ tigste Problem, das zu lösen alle Verantwortlichen des Staa¬ tes sich befleißigen müßten. Im innigsten Zusammenhang da¬ mit steht die Lösung des Kredit¬ problems, und es wird der An¬ strengungen aller bedürfen, Öster¬ reichs Wirtschaft im kommenden Jahr so zu gestalten, daß die nun¬ mehr steigend auftretende Ar¬ beitslosigkeit wieder auf das Aus¬ maß der vergangenen Jahre zu¬ rückgeführt werde. Dieses Ziel wollen wir vordringlich anstreben. Es sind uns also für das Jahr 1953 große Aufgaben gestellt. Ebenso wird das neue Parlament große und wichtige Entscheidun¬ gen zu treffen haben, und wir haben daher an das neue Jahr noch den besonderen Wunsch, daß das Parlament so zusammen¬ gesetzt sein möge, daß die be¬ rechtigten Forderungen der Arbei¬ ter und Angestellten von ihm auch voll anerkannt und verwirklicht werden. Dies wünschen wir zum Wohls der arbeitenden Menschen dieses Landes, aber auch im Interesse des Landes selbst. Zum Jahreswechsel Von Präsident Johann Böhm Wir wollen frei sein! Im Rahmen dieser Ausführun¬ gen sei nur auf das Menschen¬ unwürdige der Tatsache der Be¬ setzung verwiesen. Mitten in Europa wird ein kulturell hochent- wiekeitps kleines Volk ganz ohne sein eigenes Verschulden in eine Abhängigkeit versetzt, die man heute nicht einmal mehr den soge¬ nannten Kolonialvölkern zumuten kann. Gewiß, wir können diesen Umstand nicht ändern — wir sind in der Sache der Besetzung unseres Landes auf Gedeih und Verderb den Besatzungsmächten ausgeliefert —, aber eben, weil es so ist, so ist deren Verant¬ wortung um so größer. Es sei den Besatzungsmächten immer wieder gesagt, abfinden wird sich das österreichische Volk mit diesem Zustand niemals! Man wird auch uns endlich die Freiheit geben müssen, wenn all die schönen Worte von Menschen¬ rechten, von Völkerverbrüderung und vom Frieden in der Welt nicht ihren Sinn verlieren sollen! Die wirtschaftlichen Schwietigkeifer!, mit denen wir uns noch immer ab¬ zumühen haben, sind — wie be¬ reits angedeutet wurde — zum guten Teil eine Folge der Be- Nun ist auch das Jahr 1952 in die Ewigkeit hinabgesunken, ohne daß es dem österreichischen Volk die Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches gebracht hätte. In weni¬ gen Monaten wird es acht Jahre her sein, daß der Krieg auf öster¬ reichischem Territorium zu Ende ging, und noch immer stehen fremde Truppen im Lande und immer noch sch'eiben die Be¬ satzungsmächte dem österreichi- sriien Volk vor, was es zu tun und Es ist im Rahmen dieses Artikels nicht Raum genug, um alle die wirtschaftlichen und politischen Schädigungen darzustellen, die dem österreichische,! Volk aus dieser Tatsache schon erwachsen sind und dauernd noch immer verursacht werden. Aber das ist an verschiedenen anderen Stellen schon so oft geschehen, daß sich sowohl die österreichische Bevöl¬ kerung als auch die Weltöffent¬ lichkeit darüber im klaren sein können. Setzung unseres Landes. Könnten wir die Beträge, die wir für direkte und indirekte Besatzungskosten ausgeben müssen, dazu verwen¬ den, um die Kriegszerstörungen zu beseitigen, unsere Wasserkräfte in beschleunigtem Tempo auszu¬ bauen, die Elektrifizierung unserer Bundesbahnen vorwärtszutreiben und unseren Wohnungsbau zu för¬ dern, mit einem Wort, könnten wir diese Summen für nutzbrin¬ gende Investitionen verwenden, so hätten wir praktisch noch heute die Vollbeschäftigung in unserem Lande. Es sei in diesem Zusammen¬ hang nur darauf hingewiesen. spart worden wären — um die¬ sen Betrag sechzigtausend Woh¬ nungen errichten hätten können. Sechzigtausend derzeit woh¬ nungslose Familien hätten ein anständiges Dach über dem Kopf und viele Zehntausende von Arbeitern und Angestellten des Baugewerbes und der Bau¬ nebengewerbe hätten Beschäfti¬ gung gefunden. Berücksichtigt man, daß die in¬ direkten Besatzungskosten ein Vielfaches der direkten betragen, so kann man wenigstens ahnen, welche ungeheure Schädigungen dem österreichischen Volk aus der so lange hinausgezogenen Be- 3)

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.