Full text: Solidarität - Jänner 1953, Heft 181 (181)

Mit festem Willen ins neue Jahr! Von Vizepräsident Erwin Altenburger Die Eröffnungsbilanz für das kommende Jahr zeigt schon bei einem flüchtigen Blick, daß es aller Anstrengung bedürfen wird, zu einer aktiven Gebarung zu kom¬ men. Leider müssen wir aus dem vergangenen Jahr manche Hypo¬ thek übernehmen, die mehr als eine drückende Last darstellt. Durch die vorzeitige Auflösung des Parlaments blieb manche Re¬ gierungsvorlage und mancher Initiativantrag unerledigt im zu¬ ständigen Ausschuß liegen, die vermehrte Arbeitslosigkeit ist weder ein Zeichen wirtschaftlicher Konsolidierung noch eine Ver¬ wirklichung sozialer Sicherheit, die Besetzung wirkt sich nach wie vor lähmend auf Staat und Ver¬ waltung aus. Die wirtschaftliche Fundierung in der . Sozialversicherung, die Frage eines entsprechenden Real¬ einkommens, die Sicherung des Arbeitsrechtes sind untrennbar mit der Erhaltung der Existenz der Ar¬ beiter, Angestellten und Beamten verbunden und stehen in leben¬ diger Wechselwirkung mit dem gesamtwirtschaftlichen Leben un¬ seres Volkes. Unsere Zukunft ist abhängig vom Ergebnis der gesamten Volkswirtschaft, und hier wer¬ den wir den offenen Fragen der Produktion, der Produktivität und der gerechten Verteilung aus dem Ergebnis gemeinsamer Arbeit nähertreten müssen. Man wird sich damit abfinden müssen, daß der Wohlstand eines Volkes nicht einseitig auf partei¬ politischer Ebene aufgebaut wer¬ den kann, sondern seine Grund¬ lage auf wirtschaftlicher Ebene beruht. Wir werden daher alles daranzusetzen haben, die überpar¬ teiliche Haltung des ÖGB sicher¬ zustellen, denn nur dann ist die Gewähr gegeben, daß der Staat- . liehe Einfluß auf wirtschaftliches Geschehen zurückgedrängt und in sachlicher Weise jene Probleme gelöst werden, welche in erster Linie zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auszutragen sind. Die Frage der wirtschaftlichen Gesundung ist nur zu lösen, wenn sich die Wirtschaft ihrer sozialen Verpflichtung bewußt ist. Eine Steigerung der Produk¬ tivität mit dem Ergebnis einer ARBEITERBANK AKTIENGESELLSCHAFT WIEN Prompte und gediegene Durch* lührung aller bankmäßigen Ge¬ schäfte. — Entgegennahme von Spareinlagen gegen Verzinsung Finanzielle Beratung WIEN I SEITZERGASSE 2-4 TELEPHON: R 50*5-40 SERIE ZWEIGSTELLE WIENZEILE, WIEN. IV., RECHTE WIENZEILE 37 TELEPHON, B 26*0*91 FILIALE GRAZ: GRAZ, ANNENSTRASSE 24, Feit 33-63. 75-59 Eigentümer und Herausgeber: Österreichischer Gewerkschaftsbund. Verleger: Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Chef¬ redakteur Fritz Klenner. Verantwortlicher Redakteur: Karl Franta. Für die Bildbeilage verantwortlich: Fritz Konir. Gestaltung der Bildbeilage: August Makart. Alle Wien, I., Hohenstaufengasse -10—12. Druck: Waldheim Eberle, Wien, VII., Seidengasse 3—11. Seite 2 Nr. 181 SOLIDARITÄT entsprechend höheren Produk¬ tion ist ohne Mitarbeit und Mit¬ verantwortung der Gewerk¬ schaften nicht möglich. Also: Hebung des Realeinkommens durch Senkung der Preise, durch gerechte Verteilung der Steuerlasten und Einsparung auf allen Gebieten der Verwaltung. Das Realeinkommen ist neben der Bedeutung, das es für den Ar¬ beiter und Angestellten an sich hat, in seiner Auswirkung für die gesamte Volkswirtschaft entschei¬ dend. Nur Unbelehrbare können der Ansicht sein, daß ein niederes Einkommen der Lohn- und Ge¬ haltsempfänger einen „Sieg" der Arbeitgeber bedeutet. Anderseits ist ein hohes Entgelt ohne ent¬ sprechende Kaufkraft ebenfalls eine Selbsttäuschung. Die Arbeiter, Angestellten und Beamten haben ein Recht zu fragen, warum in Österreich die nicht unbedeutenden technischen Verbesserungen, die Inbetrieb¬ nahme modernster Maschinen und dergleichen mehr keine Senkung der Preise bedingen. Im kommenden Jahr werden wir das wirtschaftliche Ge¬ schehen stärker durchleuchten müssen, weil wir als Gewerk¬ schafter nicht nur jede ein¬ seitige Kapitalbildung ableh¬ nen, sondern weil wir auch ver¬ pflichtet sind, fesizustellen, in welcher Weise die einzelnen Teile der Bevölkerung Opfer für den Wiederaufbau des Staates erbringen. Wir werden aber auch ein wach¬ sames Auge der Sozialversiche¬ rung zu wenden, die nicht ein Tummelfeld für parteipolitische Kämpfe sein kann, sondern die nach wie vor als sittliche Ver¬ pflichtung des Volksganzen zu werten ist. Sozialpolitik kann nie auf dem Boden einseitiger Klas¬ seninteressen oder Gegensätze ge¬ deihen. Es wird hier eine nicht unbe¬ deutende Aufgabe für den ÖGB im kommenden Jahr erstehen, in sachlichen und überparteilichen Erwägungen jene Mitarbeit zu leisten, die zu einer Sozial¬ reform führt, daß ihre Leistun¬ gen sich als lebensfähig erweisen und in einer klaren gesetzlichen Sprache Rechte und Pflichten ein¬ wandfrei festgelegt werden. Letz¬ ten Endes wurde die Sozialver¬ sicherung nicht für die Sozialver¬ sicherungsträger geschaffen, son¬ dern sie hat den Versicherten zu dienen, und man wird ernst¬ gemeinte Vorschläge, wenn sie im Interesse der Versicherten liegen, prüfen und in Erwägung ziehen müssen. Das Arbeitsrecht weist noch Was wird uns das neue Jahr bringen? Von Bundeuninister Karl Maisei Immer, wenn ein Jahr zur Neige geht, fragen sich die Menschen: Was wird das kommende Jahr bringen? Für das Jahr 1953 haben sich schon im abgelaufenen Jahre drohende Schatten abgezeichnet: Absatzschwierigkeiten auf dem Weltmarkt, Kürzungen der staat¬ lichen Investitionen, Einschränkung des staatlichen Aufwandes zum sozialen Wohnhausbau, Kürzung des Bundeszuschusses für den Rentenaufwand, Arbeitslosigkeit... Gerade der Gewerkschafter wird sich also besonders ernsthaft mit der Frage der weiteren wirtschaftlichen und sozialen Entwick¬ lung befassen. Es ist leider nicht anzunehmen, daß die gegen¬ wärtigen Schwierigkeiten in nächster Zeit beseitigt werden können. Die amerikanische Europahilie wird, wenn nicht ganz, so doch stark eingeschränkt werden. Hier wird ein Ausgleich geschaffen werden müssen. Zu diesem Zweck muß die Produk¬ tivität erhöht werden und es müssen die Preise unbedingt gesenkt werden. Durch solche Preissenkungen könnte man eine Belebung auch des Innenmarktes erreichen, damit würden neue Aufträge an Industrie, Handel und Gewerbe erfolgen und vielen Menschen der Arbeitsplatz gesichert werden. * Gerade in einer so ernsten Situation wie der gegenwärtigen kommen den Gewerkschaften ganz besonders wichtige Aufgaben zu. Es wird dabei für die Gewerkschaften nicht immer leicht sein, die Interessen ihrer Mitglieder zu wahren, nützen doch gewisse Unternehmer jegliche Schwierigkeit stets dazu aus, die wirlschaft- liche Belastung der arbeitenden Menschen möglichst noch zu verstärken. Es ist daher die Pflicht jedes einzelnen Gewerkschafters, noch mehr als bisher zu seiner gewerkschaftlichen Organisation zu stehen und allen derartigen Versuchen zu trotzen. Und jene, die bisher noch nicht den Weg in unsere Organisation gefunden haben, müssen nun endlich erkennen, daß auch ihr eigenes Schicksal auf dem Spiele steht und von ihnen selbst mitbestimmt wird. Unsere bewährten gewerkschaftlichen Vertrauensleute und Funktionäre werden dem kommenden Jahr, was immer es bringen mag, ruhig und im vollen Bewußtsein unserer gemeinsamen Kraft entgegenblicken. Und so wollen wir denn mit den besten Wün¬ schen für ein gutes neues Jahr vom alten Abschied nehmen! Glück auf! manche Lücke auf. Verhandlungen bei Arbeitsgericht und Einigungs¬ ämtern bis zu den höchsten Ge¬ richten beweisen, daß auf diesem Gebiet nicht nur ein wachsames Auge notwendig ist, sondern auch gesetzliche Regelungen durchge¬ führt werden müssen. Große Aufgaben — hohe Verantwortung Das kommende Jahr wird aber auch benützt werden, um Erschei¬ nungen, die klar darauf abzielen, den ÖGB zu schwächen oder vom Gesetzgeber Hemmnisse zu setzen, wie zum Beispiel die Frage, in welcher Form das Gewerkschafts¬ mitglied seine Beiträge leisten will, endgültig zu beseitigen. Wir kennen die Größe der Ver¬ antwortung und der Aufgaben, die dem Österreichischen Gewerk¬ schaftsbund im kommenden Jahr erwachsen. Wir wissen, daß nahe¬ zu alle Mitglieder der Gewerk¬ schaften und alle Funktionäre im vergangenen Jahr nicht nur rest¬ los ihre Pflichten erfüllten, son¬ dern daß es nur die gemeinsame Zusammenarbeit ermöglichte, er¬ folgreiche Gewerkschaftsarbeit zu leisten. Manche Erwartung konnte in diesem Bemühen nicht erfüllt werden, in manchen Fragen waren die Verhältnisse stärker als unser gemeinsames Wollen. Im wesent¬ lichen aber können wir an der Jahreswende mit ruhigem Blick zurücksehen und allen Mitarbei¬ tern danken, die unentwegt ihr Bestes eirisetzten und dadurch bei-_ trugen, daß trotz aller Mißgunst das Jahr 1952 erfolgreich abge¬ schlossen werden konnte. Mit festem Willen gehen wir in das neue Jahr und wollen Vorsorge treffen, daß alles Tren¬ nende vermieden wird und die geeinte Kraft des Gewerkschafts¬ bundes allen Mitgliedern dient und darüber hinaus einen Schutzwall für alle Arbeiter und Angestellten darstellt In diesem Sinne möge es dem österreichischen Gewerkschafts¬ bund gelingen, im kommenden Jahr den Weg fortzusetzen zu weiteren Erfolgen. Möge uns die¬ ses Jahr endlich auch jene Freiheit bringen, die es ermöglicht, das eigene und unseres Vaterlandes Schicksal zu schmieden, damit wir dem Frieden dienen und in sozia¬ ler Sicherheit leben können. Sie ist $?ücß~ UM Denn er hat ihr einen Gewerkschaftskalender geschenkt Tato..'» •• '•&?*.

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