Full text: Solidarität - Juni 1953, Heft 192 (192)

PSCfc. Was nun die arbei-ende Jugend betriffi, soilre sich ihrer jeder ein¬ zelne Gewerkschaffer in besonde¬ rem Maße annehmen. Jeder wirk¬ lich fortschrittliche Mensch ist stets ein Freund der Jugend, denn Ju¬ gend bedeutet ja das Kommende, das Werdende, bedeutet Fortschritt. Es gibt im Betrieb so viele Ge¬ legenheiten, den jungen Menschen zu helfen und ihnen den Weg ins Berufsleben zu erleichtern. Darüber hinaus sollen wir immer versuchen, die Jugend zu ver¬ stehen. Das häßliche Gezeter über die „heutige Jugend" bleibt ein typisches Merkmal reaktionärer Verstocktheit. Jeder wirkliche Ge¬ werkschafter. ist aufgeschlossen für die Sorgen und Freuden der jun¬ gen Generation. Nur wenn eine solche Einstellung sich immer mehr verbreitet, werden Verzweiflungs¬ taten wie die eingangs geschil¬ derten immer seltener werden. stellen. Schafft politische und wirt¬ schaftliche Verhältnisse, so rief Generalsekretär Proksch aus, die in Zukunft Kriege unmöglich ma¬ chen und die in aller Welt Demo¬ kratie und Freiheit sichern! Die jungen Arbeiter und Angestellten mögen vor allen anderen erken¬ nen, daß sie in den Reihen der freien Gewerkschaften mitkämpfen müssen, geht es doch um ihre eigene Zukunft! Wir haben noch einen weiten Weg von der politischen Gleich¬ berechtigung zur wirtschaftlichen Demokratie, zur Anerkennung der Lohn- und Gehaltsempfänger als gleichberechtigte Wirtschaftsbürger, erklärte Nationalrat Proksch. Den arbeitenden Menschen ihren ge¬ bührenden Platz nicht nur im Staate, sondern auch in der Wirt¬ schaft zu erringen, das ist das Ziel des Kampfes der freien Gewerk¬ schaftsbewegung der Welt, und dieses Ziel muß alle jungen Men¬ schen begeistern! Solche Worte in feierlicher Stunde gesprochen, werden von aufgeschlossenen Jugendlichen als ernste Verpflichtung empfunden. Auf der einen Seite Schutz vor Aus¬ beutung und Arbeitslosigkeit, auf der anderen Seite eine innere Zielsetzung und lebendige Anteil¬ nahme, das ist es, was wir unserer Jugend zu geben haben. Das Un¬ heil Verzweifelter soll uns hiezu Mahnung, das freudige Strahlen in den Augen junger Menschen Ansporn sein, damit es unter der Jugend immer weniger Verzweif¬ lung und immer mehr Lebensfreude gibt. Der österreichische Gewerk¬ schaftsbund ist stolz auf seine starke Jugendorganisation, auf un¬ sere Gewerkschaftsjugend. Er kämpft nicht nur für die soziale Besserstellung der arbeitenden Ju¬ gend, sondern schafft aus eigener Kraft Lehrwerkstätten und Jugend¬ erholungsheime. Erst kürzlich wurde in Moosham ein neues, schönes Jugenderholungsheim eröffnet, das siebente, das der Gewerkschafts¬ bund den Jugendlichen zur Ver¬ fügung stellt. Um junge Menschen in den Jah¬ ren höchster Aufnahmebereitschaft und Empfindsamkeit vor unheil¬ vollen Abwegen zu bewahren, ge¬ nügt es nicht, Arbeitsplätze und Jugendheime zu schaffen — wenn¬ gleich etwa der Arbeitsplatz und die Berufsausbildung die elemen¬ tarsten Voraussetzungen darstellen —, es ist auch notwendig, dem Leben der jungen Menschen einen Inhalt zu geben. Mehr zu wissen, kann immer nützlich sein! Erzieht diese jungen Menschen zu guten Gewerkschaftern! Sie werden an der Kraft der ge¬ werkschaftlichen Idee einen star¬ ken inneren Halt gewinnen. Er¬ zieht sie zu selbstbewußten Men¬ schen, die sich ihres Wertes im staatlichen und wirtschaftlichen Leben voll bewußt sind und für die Wahrung und Erweiterung ihrer sozialen Rechte entschlossen eintreten. Seit- 2 Nr. 192 SOLIDARITÄT „Ich weiß net, ich weiß net“, sagt der Metalldreher Huber kopfschüt¬ telnd, während er die Ziffern auf seinem Lohnsackerl studiert, „ich glaub immer, mir wird zu viel Steuer abgezogen. Schließlich hab ich doch jetzt die Möbel abzahlt, die mir im Krieg zsammghaut wordn san, aber in der Steuer wirkt sich das gar net aus.“ Lechner, sein Arbeits¬ kollege, steht dabei und möchte ebenso gern darauf kommen, ob dem Huber nicht zu viel Lohnsteuer abge¬ zogen wird. Freilich, man könnte noch einmal den Lohnbuchhalter fra¬ gen, aber wer weiß, ob sich der nicht wieder irrt. „Weißt was“, sagt Lechner, und es erscheint ihm plötzlich wie eine Er¬ leuchtung, „wir fragen den Betriebs¬ rat!“ — „Ja, du hast recht", meint Huber und fügt hinzu: „Zu was haben mir denn einen Betriebsrat!" Na, und wie die Geschichte weiter¬ geht? Natürlich haben sie den Be¬ triebrat gefragt, und dieser konnte ihnen ganz genau Auskunft geben. Zur größten Zufriedenheit von Huber hat sich sogar herausgestellt, daß bei der Errechnung der Lohnsteuer ein kleiner Fehler unterlaufen war. Aller¬ dings war der Betrag nicht sehr hoch, aber „schenken werden mir's ihnen net! ..." Das internationale Treffen junger Gewerkschafter, das zu Pfingsten in Salzburg stattgefunden hat, war ein besonders eindrucksvoller Be¬ weis für das Verständnis, das der Gewerkschaftsbund für diese Seite des Jugendproblems aufbringt. Die unbeschwerten, sonnigen Pfingst- tage in Salzburg haben so man¬ ches junge Herz aufgeschlossen. Als dann bei der großartigen Kundgebung am Abend des Pfingstsonntags führende Gewerk¬ schaftsfunktionäre zur Jugend spra¬ chen, wird wohl von manchen der Sinn der Worte viel tiefer erfaßt worden sein, als es sonst im ar¬ beitsreichen Alltag der Fall sein Betiiebsrat oder Hellseher?. Betriebsräte sind aber keine Hell¬ seher! Sie - wissen nur mehr, oder besser gesagt, sie müssen mehr v/issen, um ihre Funktion- richtig aus¬ üben zu können. Wer aber kümmert sich darum, daß der Betriebsrat das nötige geistige Rüstzeug bekommt, das er braucht, um heute dem Huber, morgen dem Lechner und über¬ morgen vielleicht dir und mir Aus¬ kunft geben zu können? Der in Kürze erscheinende „OGB- Tätigkeitsbericht 1952“ gibt auf diese Frage eine überzeugende Antwort. Man braucht sich nur die Kapitel „Bildungsbericht“ oder „Presse und Verlag" durchzulesen. Laßt Zahlen sprechen! mag. Der Generalsekretär des öster¬ reichischen Gewerkschaftsbundes, Nationalrat Anton Proksch, der als einer der besten Freunde der arbeitenden Jugend bekannt ist, richtete auf dem Salzburger Resi¬ denzplatz einen aufrüttelnden Ap¬ pell an die Jugend, sich in den Dienst der Völkerverständigung und der internationalen gewerk¬ schaftlichen Zusammenarbeit zu Sollte man glauben, daß nicht weniger als 1,8 Millionen Bücher von den Betriebsbüchereien verliehen wurden? Ja, so viel wird gelesen, ab¬ gesehen natürlich von den Büchern, die aus anderen Bibliotheken entliehen oder auch gekauft werden! Vom Bildungsreferat wurden übrigens auch 96 künstlerische und literarische Rundfunksendungenzusammengestellt. Nicht übersehen soll werden, daß auch 618 Tages- und Wochenend¬ kurse und 215 eintägige Vertrauens¬ männerkurse im vergangenen Jahr abgehalten wurden. Diese ganze, großartige Bildungsarbeit wurde natürlich nicht allein vom zentralen Biidungsreferal des ÖGB geleistet, sondern von vielen Bildungsrefe¬ renten in Gewerkschaften und Be¬ trieben. Jahrelang wurde daran gearbeitet, diese Bildungsarbeit der österreichi¬ schen Gewerkschaften auszubauen. Gestützt ' auf viele freiwillige' und ehrenamtliche Mitarbeiter, ist dies nunmehr voll und ganz gelungen. Das geht aus dem erwähnten „Tätigkeits¬ bericht des ÖGB" eindeutig hervor. Daß heute viele tausende Betriebs¬ räte und auch Gewerkschaftsmit¬ glieder -über ein gut fundiertes Wissen verfügen, das ihnen im. Betrieb und Alltag zustatten kommt, das ver¬ danken wir der hier geleisteten mühe¬ vollen Aufbauarbeit. Wie wir dem „OGB-Tätigkeits- bericht 1952“ entnehmen können, um¬ faßt die Gewerkschaftspresse gegen¬ wärtig sechs zentrale Organe, sech¬ zehn Gewerkschaftsblätter, sieben Funktionärezeitschriften, drei Jugend¬ zeitschriften und fünf Fachzeit¬ schriften. Das sind also zusammen vierzig Organe — alles Sprachrohre der organisierten Arbeiterschaft unseres Landes! Wer soll das alles lesen? „Wenn i a Büchel seh, hab i schon gfiessen!“ Im Bildungsbericht finden wir interessante Aufstellungen über die im vergangenen Jahr geleistete Arbeit des Bildungsreferats. Da hat es 177 Internatskurse gegeben, in denen Betriebsräte und Funktionäre gründlich geschult wurden, daneben 3411 Vorträge und 6600 Film-, Licht¬ bild- und Magnetophonvorführungen. Alles, um Wissen zu verbreiten, denn mehr zu wissen, kann immer nützlich sein! Der beruflichen Weiterbildung von Gewerkschaftsmitgliedern dienten 1962 Berufsweiterbildungskurse, während viele einen erweiterten Gesichtskreis den Exkursionen und Fahrten ver¬ danken, deren es 1952 713 gab. Aber auch die künstlerischen Veranstaltun¬ gen, es waren 1015, haben dazu bei¬ getragen, das Bildungsniveau zum Nutzen der Allgemeinheit weiter zu heben. Nicht nur Vorträge und Schulungen dienen der Verbreitung gewerkschaft¬ lichen Wissens, sondern ebenso die zahlreichen Publikationen des Presse¬ referats und des Verlages des Ge¬ werkschaftsbundes. Der Ausspruch eines reaktionären Parlamentsabge¬ ordneten der Vergangenheit, „Wenn i a Büchel seh, hab i schon gfres- sen!", war einst typisch für die Ein¬ stellung jener Kreise, die — selbst höchst ungebildet — es einfach nicht vertragen konnten, wenn die Arbeiter¬ schaft nach höherem Wissen strebte. Inzwischen aber hat sich die Arbeiterschaft aus eigener Kraft den Weg gebahnt, der zu Bildung und Kultur führt. Dieser Weg muß nur noch immer weiter beschritten werden. Was aber ist diesem Be¬ streben dienlicher als das gedruckte Wort? Wenn man im Tätigkeitsbericht das Kapitel „Presse und Verlag" weiter¬ liest, so ist man fast geneigt, zu fragen: Ja, wer soll- das alles lesen? Irn vergangenen Jahr sind beispiels¬ weise zusammen mehr als 31 Millionen Exemplare gewerkschaftlicher Presse¬ organe dedruckt und verschickt wor¬ den, das sind 1300 Tonnen Papier! Wer das liest? Ganz einfach: Jeder, der nicht blind durchs Leben gehen will, sondern sich dafür interessiert, was um ihn herum alles geschieht, ob seine Rechte, wie es die anderen wollen, geschmälert oder ob sie er¬ weitert werden, wie es der Zweck des gewerkschaftlichen Zusammen¬ schlusses ist. Der Verlag des österreichi¬ schen Gewerkschaftsbundes gibt aber nicht nur Gewerkschaftszeitun¬ gen heraus, sondern auch eine stattliche Reihe wertvoller Bücher und Broschüren. Wer kennt nicht die „Schriftenreihe des ÖGB" mit ihren zahlreichen kleinen sozialrechtlichen Heften — kleine, aber wertvolle Waffen im All¬ tagskampf der Betriebsräte und Ge¬ werkschafter! Auch die übersichtliche Sammlung „Das österreichische Sozial¬ recht" ist für viele Funktionäre un¬ entbehrlich geworden, damit sie dem Huber und dem Lechner und allen anderen, die kommen, richtige Aus¬ kunft geben können! Neben diesen rein gewerkschaft¬ lichen und sozialpolitischen Publi¬ kationen gibt der Verlag des ÖGB auch eine Buchreihe heraus, die der Unterhaltung oder der Verbreitung von Allgemeinwissen dient. Im Vor- jahr erschien übrigens auch das prächtige Bildwerk. „Österreich schöpferisch, schaffend, feiernd“. Auch Kalender, Taschenbücher und Kinder¬ bücher fehlen in diesem Verlag nicht, besonders erwähnt aber sollen die be¬ rufsbildenden Zeitschriften werden, die da monatlich im Verlag des ÖGB erscheinen. Es sind dies die Zeitschriften „Werkstatt und BetiGb", „Bau und Holz", „Kraftfahrzeugtechnik", „Büro und Verwaltung" und „Der öster¬ reichische Stenograph“. Alles zu-sammengenommen hat der Verlag des ÖGB im Jahre 1952 nicht weniger als 272.148 Publikationen ver¬ schiedenster Art — ausgenommen natürlich die bereits erwähnten Ge¬ werkschaftsorgane — herausgebracht. Damit zählt der Verlag des Gewerk¬ schaftsbundes neben der Büchergilde Gutenberg zu den bedeutendsten Verlagsanslalten unseres Landes. ln Wort und Schrift wird solcherart Wissen verbreitet, Wissen, das uns allen nützt. Die beiden Kapitel „Bildungsbericht" und „Presse und Verlag“ im „ÖGB-Tätigkeitsbericht 1952" sind stolze Zeugnisse gewerk¬ schaftlicher Tätigkeit auf Gebieten, in denen für den Alltag ebenso ge¬ arbeitet wird wie für die Zukunft. Es liegt eine große Macht und ein ungeheurer Zauber im gedruckten Wort, denn es gelangt zu allen, wo immer sie auch wohnen mögen. Und wo es ein aufgeschlossenes Herz findet, da kann es Wunder wirken! Besonders verbreitet ist unsere Gewerkschaftspresse. Jedes Mitglied kann mit Recht darauf stolz sein, daß die österreichischen Ge¬ werkschaften ein so gut ausgebautes Pressewesen besitzen, Diese Zeitungen und Zeitschriften dienen in immer steigendem Maße der Information und Fortbildung auf gewerkschaft¬ lichem Gebiet. ARBEITERBANK AKTIENG ESELL S.C HAFT WIEN Prompte und gediegene Durchführung aller bankmäßigen Geschäfte. — Entgegennahme von Spareinlagen. — Finanzielle Be atung WIEN I SEllZHRGASSH 2-4 TELEPHON, R 50-5-40 SERIE ZWEIGSTELLE WIEN ZEILE. WIEN, IV., RECHTE WIENZEILE 37 TELEPHON, B 26-0-91 FILIALEN, GRAZ, ANNENSTRASSE 24. KLAGENfURf, BAHNHOFSTR. 44. LINZ, WEINGARTSHOFSTRASSE 3

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