Full text: Solidarität - Juni 1953, Heft 193 (193)

Zwischen .Befreiung' und Freiheit ÖGB für ein selbständiges und unabhängiges Österreich Schlagbäume sind das Unglück unserer Zeit. Die zahllosen Grenzen, die es in Europa gibt, hemmen den wirtschaftlichen Fortschritt und erschweren die Verständigung zwischen den Völkern. Besonders schmerzvoll aber war für uns die Grenze, die sich mitten durch unser Land zog: die Demarka- t i o n s 1 i n i e. Kaum woanders kam einem die Unfreiheit deutlicher zum Bewußtsein als bei der demütigenden Zonenkontrolle. Es war ein wahrer Freudentag für das österreichische Volk, als kürzlich die russische Kontrolle an der Demar¬ kationslinie aufgehoben, als der un¬ selige Schlagbaum mitten in Öster¬ reich für immer hochgezogen wurde. Angesichts dessen, was wir fordern, nämlich die völlige Wiederherstellung der staatlichen Souveränität und Unabhängigkeit, war es zwar eine bescheidene Freude, aber sie entsprang der Hoffnung, daä es sich hier um einen ersten Schritt handle, dem weitere und schließlich der entscheidende Schritt folgen werden: der Abschluß eines österreichischen Staatsvertrages. In der Tat sind auch andere Erleich¬ terungen des Besatzungsregimes er¬ folgt, so vor allem auch die Ersetzung eines militärischen Hochkommissars Sowjetrußlands durch, einen zivilen Botschafter. Die so sehnsüchtig er¬ wartete Entspannung dürfte sich damit anbahnen, der Geist der Versöhnung ist dem Ungeist der Entfremdung ge¬ wichen. Wir wollen es zumindest hoffen! Die Einheit wahren, tfie Freiheit erringen! Der österreichische Gewerkschafts- bund hat seil seiner Gründung im Jahre 1945 keine Gelegenheit ver¬ säumt, um für Österreich die Freiheit zu fordern. Gerade die arbeitende Bevölkerung hat ja das allergrößte Interesse daran, daß unser Land wie¬ der frei und selbständig wird, damit in einer gesunden Wirtschaft alle Arbeit, Brot und eine Heimstätte fin¬ den können. Die Zonenkontrolle und die so¬ genannte Transportscheinpflichl er¬ schwerten nicht nur den Reisever¬ kehr und Gütertransport, sie waren gleichzeitig auch Symptom einer Zweiteilung Österreichs. Ihre Auf¬ hebung bedeutet also auch die Anerkennung der Einheit unseres Landes durch Sowjetru߬ land. Pie Einheit zu wahren und die Frei¬ heit zu erringen, galt stets als ein bedeutendes Ziel des österreichischen Gewerkschaftsbundes. Der Gewerk¬ schaftsbund wird nicht eher ruhen, bis dieses Ziel erreicht ist, hat er doch auch in den vergangenen Jahren in gleichem Sinne im Namen der gewerk¬ schaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten seine Stimme erhoben. Schon im Herbst 1945 trat der ÖGB dbm damals gegründeten Weltgewerk¬ schaftsbund bei, weil er sich davon unter anderem eine Hilfe bei der Wiederherslellung der Freiheit Öster¬ reichs erhoffte, eine Hoffnung aller¬ dings, die dann sehr enttäuscht wurde. Am 23. November 1946 überreichte der österreichische Gewerkschafts¬ bund dem Weltgewerkschaftsbund eine Denkschrift über die durch das Fehlen eines Staatsvertrages schwierig gewordene Lage in Österreich. Auf einer Generalratstagung des WGB im Juni 1947 in Prag legte Präsident. Böhm der Weltöffentlichkeit ein ähnliches Memorandum vor, gleich¬ zeitig hielt Präsident Böhm vor diesem internationalen gewerkschaf Lichen Forum eine aufrüttelnde Rede über das Unrecht, das an Österreich be¬ gangen wird. Als sich herausstellte, daß es dem immer stärker unter kommunistischen Einfluß gelangenden Weltgewerk¬ schaftsbund am- Willen fehlte, unse¬ rem Lande zu helfen, verließ der .ÖGB diese Internationale und beteiligte sich an der Gründung einer neuen, dem Internationalen Bund freier Gewerkschaften (IBFG). Der IBFG hat seither wiederholt die Frage des österreichischen Staats¬ vertrages als besonders vordringlich bezeichnet und entsprechende Schritte unternommen. Der IBFG hat mehrmals seine Sympathie mit dem Kamp! der österreichischen Arbeiterschaft um die Freiheit des Landes zum Ausdruck gebracht. Im Dezember 1950 weilte eine mehrköpfige Delegation des Inter- (Fortsetzung auf Seite 3) Es gibt Augenblicke, die über Menschenschicksale entscheiden. Steht in einem solchen Augenblick dein Leben auf dem Spiel, dann hängt alles davon ab, ob eine reffende Hand zur Stelle ist. In letzter Zeit sind mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Mul und Entschlußkraft Menschenleben gerettet haben. Und siehe da: es waren ganz junge Menschen, die den Bedrängten und in Not Gera¬ tenen ohne Rücksicht auf sich selbst die hilfreiche Hand geboten haben. Am 5. Juni rettet der vierzehn¬ jährige Franz Held aus Dornbirn zwei Brüder, einen Achtjährigen und einen Elfjährigen, aus der Dornbirner Ache. Nachdem er sie an Land gezogen hat, zeigt er noch den Erwachsenen, die inzwi¬ schen herangeeilt sind, wie man richtig Wiederbelebungsversuche ansfellt. Einen Tag später, am 6. Juni, fällt ein fünfjähriger Bub in den Donaukanal, die Strömung erfaßt ihn, sein Schicksal scheint be¬ siegelt. Da springt der vier¬ zehnjährige Realgymnasiast Heinz Dainko, Wien, II., Wolmuthstraße Nr. 21, kurz entschlossen nach und rettet den Kleinen. Kurz danach, am 10. Juni, rettet wieder ein Vierzehnjähriger einen Fünfjährigen vor dem Ertrinkungs¬ tod. Es ist Gerhard Seicht aus Gleisdorf in der Oststeiermark, der sich mutig in die Hochwasser füh¬ rende Raab stürzt. Auch er stellt erfolgreiche Wiederbelebungsver¬ suche an und entreißt damit ein junges Menschenleben den eisigen Klauen des Todes. Zur selben Zeit wird auch be¬ kannt, daß die vierzehnjährige Grete Scherry aus Lang-Enzersdorf, Kellergasse 167, das rasende Ge¬ spann zweier scheuender Pferde zum Stehen gebracht hat, indem sie sich mutig in die Zügel warf. Erwachsene, die Zeugen dieses Vorfalles wurden, waren wie ge¬ lähmt vor Schreck, das junge Mäd¬ chen hingegen war geistesgegen¬ wärtig und entschlossen und be¬ wahrte dadurch Kinder, die sich gerade auf dem Schulweg befan¬ den, vor großer Gefahr. In den Abendstunden des 4. Juni hört der achtzehnjährige Johann Geyer, Wien, XIV., Märzstraße 124, in der Nähe seines Wohnhauses eine junge Frau gellend um Hilfe schreien. Geyer eilt hin und schützt die Frau vor den Mißhandlungen eines gewalttätigen Mannes. Nun wendet sich die Wut des Rasenden gegen den Beschützer — mit sie-

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