Full text: Solidarität - Juni 1953, Heft 193 (193)

ben Stichen in den Unterleib stürzt Geyer blutüberströmt zu Boden. Lebensgefährlich verletzt bringt man ihn dann in ein Spital. In allen diesen Fällen, die sich innerhalb kurzer Zeit ereignet ha¬ ben, waren es also junge Men¬ schen, die sich im edelsten und höchsten Sinne als Menschen be¬ währt haben. Dieses Vorbild, das da die Jugend bietet, muß uns zu denken geben. Ist es nicht ermuti¬ gend, zu sehen, daß es in der heranwachsenden Generation so viele wertvolle junge Menschen gißt? Lebensretter werden in nor¬ malen Zeiten immer vereinzelt blei¬ ben, weil es glücklicherweise nur vereinzelt vorkommt, daß jemand gerettet werden muß. Entscheidend ist nur, daß gerade im richtigen Augenblick der Retter zur Stelle ist. Die Beispiele, die wir angeführt haben, zeigen, daß das der Fall ist, und so ist die Schlußfolgerung gewiß nicht unbegründet, daß es unter unserer Jugend noch sehr viele gibt, die im entscheidenden Augenblick ebenso gehandelt hät¬ ten. Was wir einer solchen Jugend schulden, haben wir bereits in der vorigen Nummer der „Solidarität", an gleicher Stelle, zum Ausdruck gebracht. Es gilt ja vor allem, die guten Anlagen, die so viele junge Menschen besitzen, zu fördern und zur vollen Entfaltung zu bringen. Dies aber ist nur möglich, wenn wir der Jugend Berufsziel und damit Lebensinhalt zu geben vermögen. Aus dem Vorbild an Selbstlosig¬ keit, das die Jugend uns gibt, können auch wir Erwachsene ler¬ nen. Nur der Dumme und Unreife hält sich für vollkommen. Seien wir ganz ehrlich: Gibt es nicht unter den Erwachsenen viel zu viel Egois¬ mus, denken nicht sehr viele aus¬ schließlich an sich selbst, haben nicht allzu viele nur ihre eigenen, engherzigen Interessen im Auge? Gewiß mag man darauf entgeg¬ nen können, dies sei in der heuti¬ gen Welt notwendig, es sei einfach der Selbsterhaltungstrieb in einer Welt des Egoismus, der zu einer solchen Einstellung zwingt. Wir sind alles nur nicht welt¬ fremd und verstehen solche Ein¬ wände sehr gut; dennoch können wir sie nicht gelten lassen, denn die zwangsläufige Folge eines sich immer mehr steigernden Egoismus wäre das völlige Chaos, in wel¬ chem einer den andern erschlägt, um die eigenen Interessen zu wah¬ ren. Nein, wir Arbeiter und An¬ gestellte haben eine bessere Mög¬ lichkeit, unsere Interessen zu wah¬ ren :unsereGewerkschaft! Die Gewerkschaft ist die Gemein¬ schaft aller jener unselbständig Er¬ werbstätigen, die sich selbstbewußt zum sozialen, das heißt mensch- licheji Fortschritt bekennen, und die auf ihre eigene Arbeitsleistung stolz sind. Wie jede Gemeinschaft aber bedarf auch die Gewerk¬ schaft der Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit vieler, ja mehr noch als jede andere Gemeinschaft be¬ darf sie der Solidarität. Wer in der Gewerkschaft nur einen Lohnautomaten erblickt, wer immer nur die eine Frage hat „Was krieg' ich?", der hat das Wesen einer Gewerkschaft ebenso wenig verstanden wie die Voraus¬ setzungen zum menschlichen Fort¬ schritt. Nur wenn jeder sein Bestes gibt, nur wenn jeder sich auch im AHtag bewährt, so wie es uns das Beispiel der Jugend lehrt, dann wird auch für jeden der höchste Nutzen erreicht. Export und Preise Exportförderung Die Steigerung der Exportleistungen unserer Wirtschaft sind von zwei Ge¬ sichtspunkten aus von größter Bedeu¬ tung: Erstens werden wir mit dem all¬ mählichen Zurückgehen und endlichen Aufhören der Auslandshilfe nur dann in der Lage sein, die notwendigen Im¬ porte auch weiterhin zu bezahlen, wenn uns aus den Exporten genügend Devisen erlöse zur Verfügung stehen, zweitens aber könnten wir in den besonders lohnintensiven Export¬ industrien durch eine Ausfuhrsteige¬ rung den Beschäftigtenstand heben und dadurch der Arbeitslosigkeit ent¬ gegenwirken. Es ist daher zu begrüßen, wenn sich die Regierung mit der Ausar¬ beitung von Maßnahme« befaßt, durch die die Exporttätigkeit der österreichischen Industrie gefördert werden soll. Zu solchen Maßnahmen gehört als wichtigste eine Erhöhung der Umsatz¬ steuerrückvergütung für besonders lohnintensive Fertigwarenexporte, durch die die bisher noch auf den Ex¬ portgütern lastenden und sie verteu¬ ernden Umsatzsteuern vom Staat an den Exporteur rückvergütet werden sollen. Leider werden aber die meisten Ex- portförderungsmaßnahmen der öffent¬ lichen Hand zum Teil dadurch in ihrer vollen Wirksamkeit gehindert, daß die meisten anderen europäischen Staaten der Einfuhr ausländischer Waren nur schwer übersteigbare handelspolitische Barrieren aufrichten. Man setzt sich zwar in Ministerreden und Leitartikeln für die freizügige Gestaltung des Außenhandels, also für eine „Liberali¬ sierung“, ein, ersetzt dann aber die Auflassung der Devisenbewirtschaf¬ tung und der Einfuhrkontingente durch oft enorme Erhöhungen der Zollsätze, um die importierten Güter zu verteuern und daher unanbringlich zu machen. Es ist daher zu befürchte«, daß die Erhöhung der Umsatzsteuerrück¬ vergütung für Exporte zum großen Teil darauf hinauslaufen wird, daß die in anderen Ländern erhöhten Zölle durch die österreichische Exportvergütung — zumindest teil¬ weise — kompensiert werden. In einem derartigen restriktiven handelspolitischen Klima kann sich natürlich der intereuropäische Waren¬ austausch nur sehr zögernd entwickeln. Dadurch sind aber auch den Export- förderungsmaßnahmen — so notwen¬ dig sie im Einzelfalt auch sind — in ihrer Auswirkung ziemlich enge Gren¬ zen gesetzt. Es scheint, als ob sich Westeuropa auf handelspolitischem Gebiet immer mehr von dem erstreb¬ ten Ziel der Integration der euro¬ päischen Wirtschaft entfernt. Preisauszeuhnung Tfi einer geordneten und funktionie¬ renden Wirtschaft sollen durch wohl¬ überlegte Einkäufe der Konsumenten jene Impulse ausgestrahlt werden, die Handel und Industrie veranlassen, nur qualitativ einwandfreie und billige Waren auf den Markt zu bringen. Wohlüberlegte und ökonomische Ein¬ käufe kann der Konsument aber nur dann tätigen, wenn er v o r dem Ein¬ kauf weitgehende Vergleichsmöglich¬ keiten zwischen gleichartigen Ar¬ tikeln verschiedener Herkunft hat, um dann die ihm am besten zusagende Ware wählen zu können. Deshalb muß es dem Konsumenten ermöglicht wer¬ den, eine Marktübersicht zu gewinnen. Eine wichtige Voraussetzung der Marktübersicht ist es nun, daß sich der Konsument bereits vor dem Ein- kaui über die Preise der in Aus¬ lagen und Geschäften angebotenen Waren informieren kann und daß der Geschäftsmann verpflichtet ist, die angeschriebenen Preise auch ein¬ zuhalten. Seit dem Kriege ist nun bei uns das ehemalige Teichsdeutsche „Preisaus¬ zeichnungsgesetz“ in Gültigkeit, das die Geschäftsleute verpflichtet, die Preise der zum Verkauf ausgestellten Waren öffentlich auszuzeichnen und sich an diese zu halten. Das deutsche Gesetz, dessen Gültigkeit vorläufig Ende September 1953 abläuft, ist sehr zweckmäßig abgefaßt und hat seine Aufgabe bisher zufriedenstellend er¬ füllt. Nun wunde von Unternehmerseite ein Entwurf zu einem österreichischen „Preisausschreibungsges’etz" vorgelegt, das das deutsche Gesetz ersetzen soll. Dieser Entwurf zeichnet sich je¬ doch leider dadurch aus, daß er die klaren Bestimmungen des bisher in Gültigkeit gestandenen Gesetzes stark vorwässer und den Geschäfts¬ leuten bei der Verpflichtung zur Preisausschreibung und der Einhal¬ tung der Preise eine Reihe von Hin¬ tertürchen offen läßt, wodurch aber der eigentliche Sinn dieser gesetz¬ lichen Regelung — den Konsumen¬ ten eine Marktübersicht und sichere Preisvergleiche zu ermöglichen — verloren geht. Die Konsumenten haben daher grö߬ tes Interesse daran, daß das bisher an¬ gewendete Gesetz, das seine Aufgaben zweckentsprechend erfüllt hat, in sei¬ ner Geltungsdauer verlängert und nicht durch ein neues, jedoch un¬ zweckmäßiges Gesetz ersetzt wird. ERSPARNISSE OBER DIE MAN IMMER VERFÜGEN KANN UND DIE SICHER ANGELEGT SIND, ERWIRBT MAN DURCH ZEICHNUNG DER WERTGESICHERTEN ENERGIE-ANLEIHE 1953 SIE IST DIE BESTE GELDANLAGE, BRINGT HOHE ZINSEN, STEUERBEGÜNSTIGUNG, HOHE GE¬ WINSTCHANCEN UND SICHERT DIE ZUKUNFT Kein „gutes Geschäft”! Am 1. Juni wurde in der Tschecho¬ slowakei die Währung abgewertet. 300 Kronen mußten im Verhältnis 5 : 1 umgetauscht werden, der Rest im Verhältnis 50 : 1. Bei Spareinlagen schwankt die Abwertung zwischen diesen beiden Relationen. Alle seit 1945 ausgegebenen Wertpapiere wur¬ den zur Gänze entwertet. Gleichzeitig wurden die Löhne im Verhältnis 5 ; 1 reduziert, also um 80 Prozent gesenkt, und die regulären Preise den Schwarzmarktpreisen an¬ geglichen. Bei Lebensmittel betragen die Preiserhöhungen 31 Prozent, bei Industrieartikel 37 Prozent. Diese skrupellose Ausplünderung bezeich- nete die kommunistische „Volks¬ stimme" am 3. Juni mit nicht mehr zu überbietender Unverfrorenheit als ein „gutes Geschäft für die Ar¬ beiter!“ Der offene Widerstand in zahl¬ reichen tschechischen Betrieben und die Unruhen in der CSR zeigen, wie sehr sich die Bevölkerung gegen die Abwertung der Währung zur Wehr setzt, denn sie bedeutet nichts ande¬ res, als eine Abwertung der Arbeits¬ kraft. Die Arbeitskraft ist aber für viele Menschen der einzige Besitz und die Grundlage ihrer Existenz. Was wäre wohl, wenn bei uns in Österreich, acht Jahre nach Kriegs¬ ende, eine derartige einschneidende Maßnahme durchgeführt würde? Mit Recht hält man das bei uns für un¬ möglich. Wir wollen daiür Sorge tragen, daß das bei uns auch weiter¬ hin als unmöglich angesehen wird Österreichs Arbeiter und Angestellte wollen von den „Segnungen" der Volksdemokratie v^ßcnonf memeftr- denn für sie wäre die Volksdemokra¬ tie ganz gewiß kein „gutes Geschäft"! Von der Wiege bis zur Bahre . .. Die kommunistische MiltagszeiJung „Der Abend" veröffentlichte am 3. Juni das Bild eines alten chinesi¬ schen Waldarbeiters und schrieb zu diesem Bild: „Fu Tsai ist 124 Jahre alt, aber er ist noch immer als Waldarbeiter im Dorf Hsinshan im Yunyki-Distrikt in der Provinz Kirin im Nordosten Chinas tätig. Heute, da mehr aufge¬ forstet als geschlägert wird, ist er mit doppelter Freude bei der Arbeit." Daß man mit 124 Jahren noch im Wald arbeitet, das glauben einem in Österreich nur die Chineser. öffenbar handelt es sich hier um eine der typischen Propagandameldungen, durch die man in den Volksdemokra¬ tien zu verstärkter Arbeitsleistung angetrieben wird. Bisher haben sich solche Propa¬ gandameldungen nur auf Produktions¬ erfolge von Stoßarbeitern und Stacha- nowisten beschränkt. Welchen Zweck mag nun diese Meldung haben, die dem volksdemokratischen Arbeiter zeigt, daß man schließlich auch noch mit 124 Jahren „mit doppelter Freude" arbeiten kann? ARBEITERBANK AKTIENGESELLSCHAFT WIEN Prompte und gediegene Dur<&taiming aller bankmäßigen Geschäfte. — Entgegennahme von Spareinlagen. — Finanzielle ße'etung WIEN I SEITZERGAS'SE 2-4 TELEPHON, R 50-5-40 SERIE ZWEIGSTELLE WIENZEILE, WIEN. IV.. RECHTE WIENZEILE 37 TELEPHON, B 26-0-91 FILIALEN, GRAZ, ANNENSTRASSE 24. KLAGENFURT. BAHNHOFSTR. 44, LINZ. WEINGARTSHOFSTRASSE 3 Seile 2 Nr. 193 SOLIDARITÄT

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.