Full text: Solidarität - Juni 1953, Heft 193 (193)

Zwei Drittel der Bevölkerung der Erde, hauptsächlich im Fernen Osten, Mittelasien und Afrika, haben einen erschreckend niederen Lebensstan¬ dard, und zwar dort, wo es keine oder nur schwache Gewerkschaften gibt. Trotz aller Bemühungen aber können auch die Gewerkschaften in diesen Gegenden keinen richtigen Wohlstand für die arbeitenden Men¬ schen erreichen, da es überall an technischen Hilfsmitteln und an dem nötigen Kapital für die Steigerung'der Produktion fehlt, Die Bevölkerung dieser Gebiete wächst aber jedes Jahr um 23 bis 25 Millionen, und die Ver¬ suche, dieses Elendsproblem auf charitativer Grundlage zu lösen, sind längst gescheitert. Man wird, anstatt das Geld in sinn¬ losen Prestigekriegen zu verpulvern, Kapital und Maschinen in diese Län¬ der stecken müssen, um der dortigen Bevölkerung und der ganzen Welt die brachliegenden Werte dieser frucht¬ baren Gebiete zu erschließen. SIraßenbau zum Haupthafen von Malta. Auf der Landkarte nimmt sich die Insel Malta als ein winziger Fleck aus, aber sie ist ein wichtiger strategischer Stützpunkt und dadurch eine Stätte emsiger Arbeit. Malta, das am dichtesten bevölkerte Land der Frde, hat praktisch keine andere Existenzgrundlage als die Arbeitskraft seiner Bevölkerung. Auf einel1 Bodenfläche von nur 315 Quadratkilometer wohnen über 300.000 Menschen. Bei dieser Bevölke¬ rungsdichte würde Amerika 11,5 Milliarden Einwohner haben. Der Wert der Einfuhrgüter auf dieser arbeiterreichen Insel ist zehnmal größer als der Wert des Exports. Die Folge sind schlechte Arbeitsbedingungen und-miedrige Löhne. Der „Arbeiterverband“, der 70 Prozent der Malteser Arbeitnehmer vertritt, hat daher alle Hände voll zu tun, um die ständigen Angriffe der Unternehmer aut die sozialen Rechte der Arbeiter abzuwehren. f. n. Dieser indianische Bauer bearbeitet seinen spärlichen Boden mit urwelllichen Werkzeugen. Der Ertrag ist dementsprechend gering. Von Techn!k und Gewerk¬ schaft, ha! er keine Ahnung, weil er und seine Familie Analphabeten sind. Seite \r. 103 SOLIDARITÄT Oh sie in Texas nach Ol bohren oder in Hamburg Schiffe laden, ob sie in Südilorida Gurken ziehen oder in den Stahlwerken von Pennsylvania Bleche walzen — ihrer Hände und ihres Geistes Arbeit sind der Pulsschlag der Welt. Hunderte Millionen Arbeiter und Angestellte, die sich des Wertes ihrer Arbeit bereits bewußt sind, haben daher durch die Gewerkschaften ihre berechtigten Ansprüche an den Erträgnissen ihres Fleißes längst geltend gemacht. Der Erfolg ist in vielen Ländern der Welt aber noch unbefriedigend. Es fehlt neben dem guten Willen einzelner Unternehmer auch an einer auf liberalen Grundsätzen aufgebauten internationalen Wirt¬ schaftspolitik und einer großzügigen Anwendung aller technischen Behelfe, um auch den kulturell weniger entwickelten Völkern ihren Anteil an den Bedarrsgütern zu sichern. Gewisse Lander haben hunderttausende Arbeitslose, weil es an Land fehlt. Andere verfügen über Millionen Hektar unkultivierten Bodens, weit es an Arbeitskräften fehlt. Indische Plan¬ tagenarbeiter gehen in Lumpen gekleidet mit ihren primitiven Ackergeräten kilometerweit zu ihren Arbeitsstätten, und in vielen europäischen Ländern werden Texlil- und Maschinenfabriken zugesperrt, weil man für ihre Erzeugnisse keine Käufer findet. Um der sozialen Gerechtigkeit und des wirlschaftlichen Aufstieges willen werden die verantwortlichen Männer in den maßgebenden Ländern nicht umhin können, den Pulsschlag der Welt — die Arbeit — auf das notwendige, normale Maß zu bringen. Die freien Gewerkschaiten der ganzen Welt werden sie dabei unterstützen. Aus seinen Augen leuchtet der Stolz des selbstbewußten organisierten Arbeiters. Auf den riesigen brasilianischen Plantagen konnten die Gewerkschaiten bereits festen Fuß fassen. Die drei Millionen zählenden Gewerkschaits- gruppen Brasiliens haben aus Lohnsklaven freie Arbeiter gemacht

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