Full text: Solidarität - Juli 1953, Heft 194 (194)

andere stöhnen jetzt noch schmerz¬ erfüllt in den Spitälern. In Blut und Tränen vergurgelte der Aufschrei, der eine ganze Welt erschüttern sollte, in Blut und Tränen erlosch zischend die Fackel der Freiheit, die von ost¬ deutschen Arbeitern entzündet worden war. Die Besatzungsmacht übernahm die Regierungsgewalt und verhängte das Standrecht. Tausende wurden verhaftet, einge¬ kerkert, deportiert, mindestens drei Dutzend starben unter den Händen des Henkers. Das war das Ende, das vorläufige Ende!... Die genaue Zahl der Todes¬ opfer, der Verletzten, der Ver¬ hafteten und der Hingerichteten ist nicht bekannt geworden, aber die Schande bleibt für die ost¬ deutschen Machthaber die glei¬ che, wieviele es auch immer sein mögen. Und gleich bleibt auch das unsagbare Leid der Betrof¬ fenen, die nie mehr versiegenden Tränen der Frauen, Mütter und Kinder über den Tod eines lieben Menschen, der ihnen alles be¬ deutet hat. Soviel sich jetzt auch gewisse Leute die Finger wundschreiben mögen, um uns einzureden, daß die Tausende und Abertausende, die sich da erhoben haben, gar keine Arbeiter waren, sondern nur Pezahlte Agenten, arbeitsscheue „Pülcher" und „Strizzis", nichts kann die Verantwortlichen von der Schmach reinwaschen, daß sie Hunderte bedenkenlos hinmorden ließen, um am Ruder zu bleiben. Erinnern wir uns an ein anderes Ereignis, nämlich an den kommuni¬ stischen Putschversuch vom Herbst 1950. Wie war es doch damals? Der Abschluß des vierten Preis¬ end Lohnabkommens wurde von der kommunistischen Minderheit — die erwiesenermaßen in keiner freien Wahl in unserem Lande über 5 Prozent der Stimmen je hinaus¬ gekommen ist — benützt, um einen Generalstreik auszurufen. Als den Arbeitern und Angestellten klar wurde, wer die Drahtzieher waren, brach der Streik zusammen. Es wurde in verstärktem Maße ein zweiter Versuch unternommen. Eine großspurige kommunistische „Be¬ triebsrätekonferenz" stellte an die Regierung ein Ultimatum. Sodann kam es — ausschließlich in der russischen Besatzungszone Wiens und im russisch besetzten Nieder¬ österreich — zu schweren Terror¬ akten gegen die Bevölkerung und gegen die überwiegende Mehrheit der Arbeiterschaft. Straßenpflaster wurde aufgerissen, Schotter wurde auf Straßenbahnschienen abge- faden, Betriebe wurden be- ietzt, Arbeiter wurden von den kommunistischen Putschisten blutig geschlagen und ebenso auch Straßenbahner. Diese „Helden- faten" beschränkten sich auf die russische Besatzungszone, weil man sich dort unter dem Schutz der Besatzungsmacht sicher wähnte. Die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft leistete diesen kom¬ munistischen Umtrieben und den frevelhaften Sabotageakten ent¬ schlossenen Widerstand. Die Ab¬ fuhr, die sie damals den Sendboten Ver Volksdemokratie erteilte, war gründhch! In den schicksalsschweren Ta¬ gen vom 25. September bis 6. Oktober 1950 war unser Land in höchster Gefahr. Aber es be¬ durfte nicht des gewaltsamen Eingreifens der Exekutive, es be¬ nötigte nicht die Panzerwagen und Maschinengewehre einer Besatzungsmacht und es rief nicht den Henker, auf daß er mit kalter Hand empörte Kehlen zum Schweigen bringe. Kein Demonstrant verblutete auf den Straßen von Wien, keiner wun¬ derte für viele Jahre seines Lebens in den Kerker oder in ein Konzen¬ trationslager. Wenn jemand ver¬ letzt wurde, so waren es die Straßenbahner, die damals ihre Pflicht erfüllten, so wie sie es auch sonst immer tun, um das tägliche Brot zu verdienen. Was immer die kommunistischen Führer für Lügenmärchen zusam¬ menbrauen: In Ostdeutschland hoben sich die Massen in ihrer Ver¬ zweiflung erhoben und es bedurfte der Panzer, Maschinengewehre und des Standrechtes, um sie blutig niederzuzwingen, in Österreich Der GEWERKSCHAFT DER ANGE¬ STELLTEN IN DER PRIVATWIRT¬ SCHAFT ist es unter anderem ge¬ lungen, bei Berücksichtigung der je¬ weiligen besonderen Bedingungen Entnivellierungsaktionen durchzu¬ führen, die als- bemerkenswerter Er¬ folg zu bezeichnen sind. Nach zähen Verhandlungen konnten verschiedene überaus günstige Kollektivvertrags¬ abschlüsse, die besonders der. großen Sektion der Handelsangestellten lohn- und sozialrechtliche Verbesserungen brachten, erzielt werden. Eine um¬ fangreiche Bildungs- und Fürsorge¬ tätigkeit gehört seit jeher zu den selbstverständlichen Aufgaben, dieser Gewerkschaft. GEWERKSCHAFT DER ÖFFENT¬ LICH BEDIENSTETEN: Das Kern¬ problem der Arbeit dieser Gewerk¬ schaft, im Verein mit den anderen drei Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, im Jahre 1952 .war die nun bereits durchgeführte Entnivellierung der Bezüge. Daneben ist es der Ge¬ werkschaft auch gelungen, in Kärn¬ ten eine günstige Dienst- und Pro¬ visionsordnung für die im privat¬ rechtlichen Verhältnis zum Land Kärnten stehenden vollbeschäftigten Arbeiter zu schaffen. Im Rahmen der ausgedehnten Fürsorgetätigkeit wurde eine Kindererholungsaktion durch¬ geführt', die bei den Mitgliedern leb¬ haften Anklang fand. GEWERKSCHAFT DER GEMEINDE¬ BEDIENSTETEN: In vielen, zum Teil erfolgreichen Verhandlungen ars beitete die Gewerkschaft auch 1952 darauf hin, für die Gemeindebedien¬ steten ein modernes, demokratisches Dienstrecht zu schaffen. Das Dienst¬ recht der Gemeindebediensteten in Oberösterreich wurde am 23. 1 April 1952 bereits beschlossen, und auch den Forderungen zur Verbesserung der Vorrückungsmöglichkeiten in den Schemas I und III wurde stattgegeben. Ein Dienstrecht, ein Besoldungsrecht, ein Sozialrecht allen Gemeinde¬ bediensteten — das ist die Parole dieser über 100.000 Mitglieder zähk enden Fachgewerkschaft. GEWERKSCHAFT DER ANGE¬ STELLTEN DER FREIEN BERUFE: Unter besonders schwierigen Um¬ ständen konnte diese Gewerkschaft, in der die Artisten, die Bühnen- und Filmangehörigen, die Journalisten, Musiker, Privat- und Sportlehrer und Dentisten vereint sind, für ihre Mit¬ glieder neue günstige Kollektivver- haben nur wenige Aufgepulschfe rebelliert, und die Arbeiter selbst haben sie — ohne Gewehre und Panzer — zur Räson gebracht. Weich ein gewaltiger Gegen¬ satz! Dieser Vergleich ist ein ver¬ nichtendes Urteil für die Schergen von dort und die Agenten von hier. Die österreichische Arbeiterschaft hat mit tiefer Erschütterung die Er¬ eignisse in Ostdeutschland, vor allem in Ost-Berlin, verfolgt. Ihre ganze Sympathie gilt den Kämpfern für Freiheit und Menschenrecht — auch wenn sie in diesem ungleichen Kampfe unterlegen sind. Das hat uns ja die Geschichte gelehrt, daß sich ein mutiges Volk auf die Dauer nicht unterjochen läßt! Wir können unseren Brüdern in Ostdeutschland keine Hilfe gewäh¬ ren, es sei denn eine: in unserem Lande selbst mit aller Kraft Demo¬ kratie und Freiheit zu verteidigen, bis alle Menschen dieser Welt ihrer teilhaft werden. träge abschließen, Arbeitsordnungen und Vereinbarungen treffen, die für einige Branchengruppen große sozial¬ rechtliche Vorteile brachten. Allein der Rechtsschutz der Gewerkschaft erkämpfte durch hunderte erfolgreich durchgeführte Schlichtungs- und ar¬ beitsgerichtliche Verhandlungen für die Betroffenen mehr als 300.000 Schil¬ ling vorenthaltene Löhne und Gagen. Die GEWERKSCHAFT DER BAU- UND HOLZARBEITER hat vom 20. bis 23. September 1952. ihren dritten Gewerkschaftstag abgehalten, an dem in Vertretung ihrer 175.000 Mitglieder 246 Delegierte teilnahmen. Auf dieser Konferenz wurden Beschlüsse ge¬ faßt, die für die kommende Tätig¬ keit dieser Gewerkschaft von aus¬ schlaggebender Bedeutung sind. In einer diszipliniert durchgeführten Protestkundgebung, an der sich allein in Wien mehr als 25.000 Menschen beteiligten, wurde gegen die ein¬ seitig verfügten Budgetkürzungen des Finanzministers Stellung genommen. Zwei Zahlen zeigen die intensive Arbeit der Gewerkschaft im Jahre 1952. Durch 12.156 Interventionen im Interesse ihrer Mitglieder konnten 3,416.140,59 Schilling ausständige Lohnsummen hereingebracht werden, und an Unterstützungen wurde der Betrag von fast 7,5 Millionen Schil¬ ling ausbezahlt. GEWERKSCHAFT DER ARBEITER DER CHEMISCHEN INDUSTRIE: Tiotz der Absatzschwierigkeiten in den verschiedenen Branchen *der chemischen Industrie — die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in der Ge¬ werkschaft stieg von 2500 im Jahre 1951 auf 6485 im Jahre 1952 an — konnte in der pharmazeutischen- und in der Mineralölindustvie ein Mit¬ gliederzuwachs verzeichnet werden. Ein neuer Kollektivvertrag, ein Lohnabkommen zu einem Kollektiv¬ vertrag und ein Zusatzabkommen brachten den Arbeitern in der Glas- hüttenindustrie, in der Industrie der chemischen Gase und in den Be¬ trieben und Unternehmungen der Sowjetischen Mineralöl Verwaltung sozialrechtliche Verbesserungen und Lohnerhöhungen bis zu 8,5 Prozent. Die GEWERKSCHAFT DER EISEN¬ BAHNER feierte am 8. Mai 1952 ihr 60jähriges Gründungsjubiläum in besonders festlicher Form, und das mit Recht, denn 60 Jahre Gewerk¬ schaft der Eisenbahner widerspiegelt den machtvollen Aufstieg einer sozial besonders unterdrückt gewesenen Ar¬ beitergruppe. Auch 1952 gelang es die¬ ser Fachgewerkschaft, im Verein mit den drei anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, für ihre Mit¬ glieder wesentliche dienstrechtliche Verbesserungen — Abschluß der Pen¬ sionsüberleitung, Fristnachsicbt bei Anrechnung von Vordienstzeiten — zu erkämpfen. Die GEWERKSCHAFT DER AR¬ BEITER DER GRAPHISCHEN UND PAPIERVERARBEITENDEN GEWERBE konnte im Jahre 1952 in hartnäckigen Auseinandersetzungen mit den Un¬ ternehmern für die graphischen Ar¬ beiter und Angestellten eine allge¬ meine fünf- und sechsprozentige Lohnerhöhung erreichen. Auch bei den anderen Berufsgruppen der Ge¬ werkschaft konnten Verbesserungen der Minimallöhne außerhalb der Preis- und Lohnabkommen erzielt werden. Die GEWERKSCHAFT DER BE¬ DIENSTETEN IM HANDEL, TRANS¬ PORT UND VERKEHR konnte die Erhöhung der Wochenlöhne der Speditionsarbeiter, nach einem lücken¬ los durchgeführten Streik dieser Be¬ rufsgruppe, um 32 Schilling pro Woche erkämpfen. Auch die Erhö¬ hung der Akkordsätze der Möbel¬ transportarbeiter wurde durch diesen von der Gewerkschaft unterstützten Streik erreicht. Viele erfolgreich durchgeführte In¬ terventionen, Abschlüsse von neuen Kollektivverträgen und wichtige lohn¬ rechtliche Verhandlungen kennzeich¬ nen die intensive Arbeit dieser Ge¬ werkschaft. Die GEWERKSCHAFT DER ARBEI¬ TER IM HOTEL- UND GAST¬ GEWERBE hielt am 5. und 6. Mai 1952 ihren dritten Gewerkschaftstaf) ""^h ab, auf dem eine Reihe von Anträgen beschlossen wurde, die weitgehende Reformen in sozial- und lohnrecht- licher Beziehung enthalten. Eine be¬ sonders erfolgreiche Tätigkeit ent¬ wickelte die Rechtsschutzabteihmg dieser zweitkleinsten der sechzehn Gewerkschaften. Sie kohnte ll'ii'Wl» . Mitglieder einen Betrag von mtnr als einer Million Sctiilling für wider¬ rechtlich vorenthaltene Löhne ein- treiben. Die GEWERKSCHAFT DER AR¬ BEITER IN DER LAND- UND FORST¬ WIRTSCHAFT konnte im vergan¬ genen Jahr eine alte, aus dem Jahre 1951 stammende Forderung auf Er¬ höhung der Zeitlöhne für die Forst¬ arbeiter um fünf Prozent, positiv er¬ ledigen. Die Einbeziehung der Land¬ arbeiter in die Arbeitslosenversiche¬ rung ist der Gewerkschaft zum Teil bereits gelungen. Dieser Kampf um eines der Grundrechte jedes Ar¬ beiters und Angestellten wurde vom österreichischen Gewerkschaftsbund tatkräftig unterstützt. Die GEWERKSCHAFT DER LEBENS¬ UND GENUSSMITTELARBEITER, die im März 1952 in festlicher Weise ihren 60jährigen Bestand feierte, hat im vergangenen Jahr mehrere Kol¬ lektivverträge abgeschlossen, die allein 1952 ihren Mitgliedern an Weihnachtsremunerationen, Urlaubs¬ zuschüssen und Krankengeldzuschüs¬ sen über 73 Millionen Schilling ein¬ brachten — ein überzeugendes Bei¬ spiel wirksamer Interessenvertretung. 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