Full text: Solidarität - Juli 1953, Heft 195 (195)

Die Gewerkschaftsinternationale ha! getagt Die Gewerkschaft bist du Konferenz des IBFG in Stockholm Meilensteine des IBFG Im Stockholmer Konzerthaus fand vom 4. bis 11. Juli 1953, in Anwesenheit von 250 Delegierten aus 73 Ländern aller fünf Kontinente, die 54 Millionen Arbeiter aus 97 Gewerkschaftsverbänden vertraten, der Kongreli des Inter¬ nationalen Bundes freier Gewerkschaften (IBFG) statt. Die österreichischen Delegierten bei diesem Kongreß waren Generalsekretär des ÖGB, Nationalrat Anton Proksch, Zentralsekretär der Gewerkschaft der Metall- und Bergarbeiter, Leo Geiger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Eisenbahner, Nationalrat Richard Freund, Zentralsekrelär der Gewerkschaft der Privatangestellten, Anton Skoda, Vorsitzender der Gewerkschaft der Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter, Nationalrat Michael Frühwirth und die Leiterin des Frauenreferates des ÖGB, Nationalrätin Wilhelmine Moik. Bei dieser alle zwei Jahre stattfin¬ denden Konferenz wurde der Tätig¬ keitsbericht seit dem letzten Welt¬ kongreß in Mailand abgegeben und die vielfältige Tätigkeit, die der IBFG in den letzten zwei Jahren entfaltet hat, zur Diskussion gestellt. Die wei¬ teren Aufgaben des Kongresses be¬ standen darin, die großen Linien der #Qlitik , der internationalen Gewerk- schaftsbewegung festzulegen und Aktionsprogramme für die kommende Zeit auszuarbeiten. Drei Daten kennzeichnen die noch kurze aber für die demokratischen Gewerkschaften bedeutsame Ge¬ schichte des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften. Dezember 1949: Der IBFG wird in London gegründet und übergibt der Welt seine Grundsätze und sein Aktionsprogramm, die in dem Mani¬ fest „Brot — Frieden — Freiheit" auskiingen. deutschlands brauche mehr als nur die moralische Unterstützung durch Resolutionen. Man müsse den Ar¬ beitern Ostdeutschlands auch Hilfe¬ leistungen in Form von Nahrungs¬ mitteln und von wichtigen Gebrauchs¬ gütern zur Verfügung stellen und die Witwen und Waisen derjenigen unter¬ stützen, die bei den Unruhen ihr Leben Jessen mußten. In einer Schlußsitzung berichtete eine nach Berlin entsandte Delegation des IBFG dem Kongreß von den gewaltsamen Maßnahmen der Ost- Berliner Regierung gegen die um ihre Rechte und um ihre Freiheit kämpfende Arbeiterschaft. Oslerreuhs Hauptproblem Der Generalsekretär des IBFG, Öldenbroek, wies in seinem Bericht auf die Bemühungen des IBFG hin, den Gewerkschaftsbewegungen in den wirtschaftlich unterentwickelten Län¬ dern Asiens, Afrikas und Latein- amerikäs durch weitgehende finan¬ zielle Unterstützungen einen neuen Auftrieb zu geben. Im Zusammenhang mit der Frage, warum Jugoslawien nicht als Mit¬ glied des IBFG aufgenommen wurde, erklärte Öldenbroek, daß der Inter¬ nationale Bund freier Gewerkschaften für eine freie Gewerkschaft eintrete und nicht für kontrollierte Gewerk¬ schaften-, wie sie in Jugoslawien existieren. Der Führer der österreichischen Delegation, Anton Proksch, sprach in Stockholm über das Problem der Produktivitätssteigerung. Er be¬ tonte, daß die Gewerkschatten an einer Produktivitätssteigerung in¬ teressiert seien, aber eine gleich¬ berechtigte Mitarbeit verlangen. Der Belgier Smets trat auf dem Kongreß für die Unabhängigkeit und Freiheit Österreichs ein. Der bri¬ tische Delegierte Sir Lincoln Evans erklärte dazu, daß der Kongreß den Standpunkt der westlichen Länder zur Frage des österreichischen (Fortsetzung auf Sehe 3) Juli 195t: In Mailand tritt der zweite ordentliche Weltkongreß des IBFG zusammen. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Nach¬ kriegsjahre haben mit vielen Illusionen aufgeräumt. Kräfte sind am Werk, die sich über die elementarsten Men¬ schenrechte der Werktätigen hinweg¬ setzen. Der Krieg in Korea bricht aus. Der großen Bedrohung durch den sowjetischen Osten gesellt sich im Westen die Haltung gewisser wirt¬ schaftlicher und politischer Gruppen hinzu, die eine gegen jeden sozialen Fortschritt gerichtete Politik entfalten. Die Delegierten des Mailänder Kon¬ gresses des IBFG im Jahre 1951 ar¬ beiten ein Programm aus, welches den Erfolg des Doppelangriffes geg¬ nerischer Kräfte auf den IBFG ver¬ hindern soll. Juli 1953: Der IBFG ist nun zu seinem dritten ordentlichen Welt¬ kongreß zusammengetreten, auf dem unter anderem drei wichtige Punkte auf der Tagesordnung standen: Menschenrechte, Arbeiterrechte und der Kampf gegen die Diktaturen. Der letzte Punkt bekam durch die Ereignisse in Ost-Berlin und in Ost- Deutschland eine besondere Aktu¬ alität. Der Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes CIO, Reu- ther, erklärte zu der gewaltsamen Un¬ terdrückung der ostdeutschen Ar¬ beiterschaft: die Bevölkerung Ost- Der dritte Weltkongreß des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften in Stockholm. Der erste Arbeitstag am 6. Juli 1953 im schwedischen Parlament. „Glaubst du,daß die Arbeiterund Angestellten sonst nichts anderes zu tun haben, als sich mit ihrer Gewerkschaft zu befassen? Haupt¬ sache ist doch, sie zahlen ihren Beitrag, denn ohne Geld haben die Gewerkschaften ohnehin keinen Wert." Diese Sätze hat vor einiger Zeit ein Werkmeister einer niederöster¬ reichischen Textilfabrik zum Be¬ triebsrat gesprochen, der ihm eine Einladung zum 3. Gesamtöster¬ reichischen Gewerkschaftstreffen brachte. Was man dazu sagen soll? Gewiß, das Geld ist ein wich¬ tiges Kampfmittel jeder Gewerk¬ schaft. Ohne Geld kann kein Streik geführt werden, und ohne Streik würde manche soziale Errungen¬ schaft noch als unerfüllte Forde¬ rung bestehen. In dem Bewußtsein, mittellosen Gewerkschaften gegen¬ über zu stehen, hätten die Unter¬ nehmer bei den Verhandlungen gar oft mit der Faust auf den Tisch geschlagen, anstatt einen Kollek¬ tivvertrag zu unterschreiben. Der Mitgliedsbeitrag ist nun zwar ein wichtiger Stein in dem großen Mosaik einer Gewerkschaft, aber er ist allein nicht alles! Zehn¬ tausende Beiträge ergeben noch lange keine wirksame, schlag¬ kräftige Gewerkschaft. Und selbst 1,300.000 Mitgliedsbeiträge würden nicht den einflußreichen öster¬ reichischen Gewerkschaftsbund er¬ geben, stünden nicht hinter jedem einzelnen Beitrag die Persönlichkeit und der freie Wille eines Arbeiters und Angestellten, die dem toten Geld erst eine lebendige Macht verleihen. Nicht eine hohe Anzahl von Bei¬ trägen bringt daher den Erfolg einer Gewerkschaft, sondern eine möglichst hohe Anzahl von Men¬ schen, die sich offen zu ihrer Ge¬ werkschaft bekennen. Die Gewerk¬ schaft bist also du ebenso wie ich und alle unsere Arbeitskollegen. Die Geschichte der österreichi¬ schen Gewerkschaftsbewegung lehrt uns, daß es immer dann mit den Gewerkschaften bergab ging, wenn die Mitglieder ihre Be¬ ziehung zur Gewerkschaft verloren hatten. Die Gegner der Gewerk¬ schaften haben ein sehr feines Ge¬ fühl dafür, zu welchen Ze'ten die Gewerkschaften nur aus Beiträgen

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