Full text: Solidarität - Juli 1953, Heft 195 (195)

und nicht aus Menschen bestehen. Sie wählen solche Zeiten immer dazu, um den Versuch zu machen, Breschen in die sozialen Rechte der Arbeiter und Angestellten zu schlagen. Vom Lehrlingsschutz bis zum Ar¬ beitsgericht und vom Achtstunden¬ tag bis zur Urlaubsreise — wach¬ sam und umsichtig greifen die Ge¬ werkschaften in den Alltag aller Werktätigen ein. Trotzdem gibt es viele Arbeiter und Angestellte, die sonst nichts tun, als einmal in der Woche oder im Monat ihren Bei¬ trag hinzulegen, und zwar in einer Art, als hätten sie sich damit einer lästigen Verpflichtung zu entledi¬ gen — und es gibt leider noch immer eine stattliche Anzahl, die nicht einmal das tut. Wie können wir nun unsere Ver¬ bundenheit mit der Gewerkschaft zum Ausdruck bringen? überall dort, wo hämische Be¬ merkungen das Ansehen der Ge¬ werkschaften schmälern wollen, dürfen wir uns nicht schweigend abwenden, denn Schweigen heißt in solchen Fällen zustimmen. Wer seine Gewerkschaft widerspruchs¬ los herabwürdigen läßt, würdigt sich selbst herab. Wir müssen ferner Anteil nehmen an allem, was unsere Organisation betrifft. Jeder Angriff von Unternehmer¬ seite auf die Gewerkschaften ist ein Angriff auf unsere sozialen Rechte und auf unsere Lebenslage. Wir müssen werben für unsere Gewerkschaft, denn jedes neue Mitglied bedeutet einen Kämpfer mehr für unsere gemeinsamen Ziele. Und wir müssen uns schlie߬ lich bei jeder Gelegenheit offen zu unserer Gewerkschaft bekennen. Denn nur dadurch können wir den Gegnern der Gewerkschaften un¬ sere Stärke beweisen. Vom 29. August bis 6. Septem¬ ber 1953 findet in Wien das 3. Ge¬ samtösterreichische Gewerkschafts¬ treffen statt. Es wird durch die da¬ mit verbundene 60-Jahrfeier des Bestandes der österreichischen Ge¬ werkschaftskommission ein beson¬ ders festliches Gepräge erhalten. Kolleginnen und Kollegen aus allen Bundesländern, das ist nun so eine Gelegenheit, sich offen zu der Gewerkschaft zu bekennen. Beteiligt euch daher an dieser Manifestation aller österreichischen Arbeiter und Angestellten! ARBEITERBANK AKTIENGESELLSCHAFT WIEN Prompte and gediegene Durch tdhrung aller bankmäßigen Geschähe. — Entgegennahme von Spareinlagen. — Finanzielle ßeratung WIEN 1 SEITZERGASSE 2-4 TELEPHON: R 50-5-40 SERIE ZWEIGSTELLE WIENZEILE, WIEN, 1V.. R E C H 1 E W 1E N Z E I LE 37 TELEPHON: B 26-0-fcl Fl LIALEN: GRAZ, ANNENS TRASSE 24. KLAGENFURF. BAHNHOFSTR. 44. LINZ, WEINGARTSHOFSTRASSE 3 Eigentümei und Herausgeber: Oslerreichischer Gewerkschaftsbund Verleger: Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Chef¬ redakteur: Fritz Klenner Verantwortlicher Redakteur: Karl Franta Für die Bildbeilage verantwortlich: Fritz Konir Gestaltung der Bildbeilage: Ajugust Makart Alle Wien. I., Hohenstaufengässe 10—12. Druck: Waldheim- J Eberle. Wien VII.. Seidengasse 3—11. Produktivitätssteigerung nicht ohne Gewerkschaften Als in den Jahren 1950 und 1951, auf dem Höhepunkt der USA-Auslands- hilfe, amerikanische Politiker, Journa¬ listen, Gewerkschafter und auch Ge¬ schäftsleute Europatereisten, machten sie die Feststellung, daß, wie es Sena¬ tor Benton treffend ausdrückte, „die Reichen durch die Auslandshilfe immer reicher“, die anderen Schichten aber in den Staub getreten werden. Das Re¬ sultat dieser Untersuchungen und Berichte war eine Novelle zum Aus¬ landshilfsgesetz, die nach ihrem Schöpfer genannte Benton-Novelle, die der Verwaltung der Auslandshilfe die Förderung der Produktivität, der Konkurrenz, ' Hebung des Lebens¬ standards und die Unterstützung der Gewerkschaften zum Ziel setzte. Zu diesem Zweck wurden heuer 100 Millionen Dollar von den USA zur Verfügung geslelll, wovon Österreich 10 Millionen erhalten soll, das sind 260 Millionen Schil¬ ling. Die österreichische Bundes¬ regierung hat bekanntlich im ver¬ gangenen Monat diese 10 Mil¬ lionen Dollar angenommen und sich verpflichtet, sie im Sinne des US-Gesetzes, auf Grund dessen sie gegeben wurden, zu verwenden. Einige Scharfmacher wollen keine Zusammenarbeit Von allem Anfang an war man sich darüber klar, daß die Produktivitäts¬ steigerung und die Hebung des Lebensstandards der Arbeiter und Angestellten selbstverständlich nur im Wege der Mitarbeit der Ge¬ werkschaften erreicht werden könnte, ganz abgesehen davon, daß der amerikanische Gesetzgeber die Stärkung der Gewerkschaften als Ziel setzte. Der logische Weg zur Produk¬ tivitätssteigerung bei Erhöhung des Lebensstandards und der Sicherung der Beschäftigung wäre eine Zu¬ sammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern unter Mitwirkung der Gewerkschaften gewesen. Aber gerade das wollten einige Scharf¬ macher und Totengräber der Zu¬ sammenarbeit in den Unternehmer¬ verbänden verhindern. und somit kam es über die ent¬ scheidende Frage der Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Unter¬ nehmungsleitungen bei Verwendung der Hilfsgelder und der Steigerung der Produktivität zu keiner Einigung zwischen den Sozialpartnern. Bei der nun einmal bestehenden Rechtslage und den wirtschattlichen und politischen Verhältnissen kann eine Produktivitätssteigerung in Österreich nur in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften abgewickelt werden, soll sie nicht zu einer Über¬ vorteilung der Arbeitnehmer führen, zu einer rücksichtslosen Ausbeutung der Arbeitskraft oder zu, massiven Entlassungen, wie sie die Arbeit¬ nehmer noch in Erinnerung haben. Nur um die Gewerkschaften aus¬ zuschalten, deren rechtliche und sachliche Befähigung, die Inter¬ essen der Arbeiter und Angestellten bei der Durchführung der Pro¬ duktivitätskampagne zu wahren, nicht einmal diskutiert werden kann, sind die Unternehmer auf die aus¬ gefallensten Ideen hinsichtlich ihrer möglichen Partner für eine Durch¬ führung der Produktivitätskampagne auf Betriebsebene verfallen. Einmal will man jedem Gewerbe¬ treibenden ein paar tausend Schilling zukommen lassen, selbstverständlich nur nach Befürwortung der Landes¬ kammer der gewerblichen Wirtschaft dann will man ohne gesetzliche und rechtliche Grundlage Produktivitäts¬ ausschüsse in den Betrieben bilden, die überwachen sollen, ob die Ar¬ beiter und Angestellten, die an der Produktivitätskampagne teilnehmen,- auch als Gesamtheit materiell auf ihre Rechnung kommen und als ein¬ zelne gerecht an der Verteilung der Produktivitätsgewinne partizipieren. Soll der Betriebsrat schuldig werden? Schließlich sind die Unternehmer auf die Idee gekommen, zu ihrem Partner bei der Abwicklung der Pro¬ duktivitätskampagne an Stelle der Gewerkschaften die Betriebsräte aus¬ zuersehen. Ein Argument war dafür schnell gefunden. Die Betriebe dürfen nicht politisiert werden, war die Parole. Als ob eine Teilnahme der Gewerkschaften an den Verhandlun¬ gen über Produktivitätsprämien, Ver¬ änderungen im Betrieb, Arbeitsplatz¬ bewertung, Preissenkung usw. eine Politisierung des Betriebes .mit sich gebracht hätte. In Wirklichkeit war aber auf Seite der Unternehmer der Wunsch ma߬ gebend, sich unter den möglichen Partnern den rechtlich und sachlich schwächsten auszusuchen, da man hoift, mit ihm eher fertig zu werden als mit der Gewerkschaft, da man hofft, auf ihn alle Fehler und Mißerfolge bei der Produktivitäts¬ steigerung abladen zu können und ihn zum Prügelknaben für Unter¬ nehmer und Belegschaft zu machen. Die Unternehmer wissen selbst sehr genau, daß der Betriebrat nicht die rechtlichen Grundlagen hat, um seine Kollegen bei der ungeheuer schweren Abwicklung der Produktivitätsver¬ träge zu schützen und zu vertreten. Geht die Abwicklung der Produktivi¬ tätsverträge gut vor sich, dann war es ein Erfolg des Unternehmers, geht etwas schief, so müßte es der Be¬ triebsrat jeden einzelnen seiner Kol¬ legen, der bei der Produktivitäts¬ steigerung übervorteilt wird, von dem eine unzumutbare Mehrleistung verlangt wird oder der infolge einer schlechten Durchführung der Pro¬ duktivitätssteigerung seine Existenz, seinen Arbeitsplatz verliert, über- Dennoch beschloß der Nationalrat am 9. Juli 1953, mit Unterstützung der Gewerkschafter, ein Jugendein¬ stellungsgesetz. Der Grund hiefür ist der Umstand, daß bisher zur Be¬ kämpfung der Jugendarbeitslosigkeit so gut wie nichts geschehen ist, der erste starke Jahrgang von Jugend¬ lichen vor wenigen Tagen jedoch die Schule bereits verlassen hat und die dringende Frage nach einem Arbeits¬ platz an uns alle richtet. In dieser Situation, um Punkt 12 Uhr, hat die Diskussion über ein solches Gesetz der nackten Tat¬ sache, daß etwas geschehen muß, zu weichen. Festgehalten soll je¬ doch werden, daß dieses Gesetz weder einen Idealzustand schafft, noch auch ausreichen wird, um die Jugendarbeitslosigkeit auch tatsäch¬ lich wirksam beheben zu können. Das Gesetz ist ein erster beacht¬ licher Schritt, dem noch viele an¬ dere ergänzende nachfolgen müssen. Dieses Gesetz wurde ähnlich dem bereits beklebenden Invalideneinstel¬ lungsgesetz abgefaßt und verpflichtet die Betriebe nach einem bestimmten Schlüssel im Verhältnis zur Beleg¬ schaft zur Beschäftigung beziehungs¬ lassen, einen Weg zu finden, wie er zu seinem Recht kommt, wie er sich schützt. Freilich würde eine derartige Durchführung der Produkiivitäts- kampagne den scharfmacherischen Unternehmern, die in dieser Frage das große Wort führen, ganz in ihr Konzept passen. Die Gewerk¬ schaften werden ausgeschaftet, die Betriebsräte diskreditiert, die Han- deiskamarilla verteilt Kredite und Subventionen an ihre politischen Freunde — und das alles aus der Tasche des amerikanischen Steuerzahlers. Und wenn dann irgend welche Mißerfolge und Mißstände allzu sehr zum Himmel stinken, wenn die Rationalisierungs¬ arbeitslosigkeit steigt, dann wird die US-Auslandshilfe Verwaltung schuld sein und verantwortlich gemacht werden. Produktivitätssteigerung: la — Antigewerksriiaftspolitik: Nein Der österreichische Gewerkschafts¬ bund hat sich aus gesamtwirtschaft¬ lichem ' Verantwortungsbewußtsein immer wieder zur Notwendigkeit der Produktivitätssteigerung bekannt. Österreich muß sein Inlandpreis¬ niveau senken, es muß im Ausland billiger anbieten können, es muß wirtschaftlich stärker werden. Der österreichische Gewerkschaftsbund hat sich auch immer dazu bekannt, daß diese Produktivitätssteigerung im Wege einer aufgeschlossenen und fortschrittlichen Zusammenarbeit sehen Arbeitgebern und Arbeit¬ nehmern zustande, kommt. Was aber nicht geduldet werden darf, ist eine Politik der widmungs¬ widrigen Verwendung der Aus¬ landshilfe zu politischen Zwecken, zur Schwächung der Gewerkschaft^.. und Spaltung der Arbeiterschaft in den Betrieben. Die Parole war doch: Produktivität hilft allen. Soll sie auf einmal nur einigen Unter¬ nehmern helfen auf Kosten der Ar¬ beiter und Angestellten? k. weise Einstellung von Jugendlichen. Als Schlüssel wurde festgelegt, daß alle Betriebe auf 5 Arbeitnehmer min¬ destens einen Jugendlichen, und auf je weitere 15 Arbeitnehmer je einen weiteren- Jugendlichen zu beschaiti- gen haben. Sind in einem Betrieb mehr als 300 Arbeitnehmer beschäftigt, gilt für die ersten 300 Arbeitnehmer der vorhin erwähnte Schlüssel: ab 300 Arbeitnehmer ist jedoch auf je 25 Arbeitnehmer je ein werterer Jugendlicher zu beschäftigen. Den Jugendlichen werden die Absolventen von Fachschulen, mittleren Lehr¬ anstalten und Hochschulen gleich¬ gestellt. Die Gleichstellung dieser Ab¬ solventen erstreckt sich jedoch höch¬ stens auf zwei Jahre seit dem Termin der Abschlußprüfung beziehungsweise bis zur Erreichung der Anwartschaft für die Inanspruchnahme der Unter¬ stützungsleistung aus der Arbeits¬ losenversicherung. Die Einstellungspflicht kann durch die Beschäftigung der Jugendlichen sowohl als Lehrling wie auch als Arbeiter oder Angestellter erfüllt werden und hat möglichst der Auf¬ teilung der Belegschaft nach männ- Das Jugendeinstellungsgesetz Seit Jahren wurde von der Gewerkschaftsseite immer wieder auf das Problem der von Jahr zu Jahr anwachsenden Anzahl von Schulabgängern und den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten, Jugendliche in den Arheü's- prozeß einzugliedern, liingewiesen. In umfangreichen Forderungsprogrammen wurden Vorschläge zur Bekämpfung einer sich anbahnenden Jugendarbeits¬ losigkeit erstellt. Bet der Erstellung dieser Vorschläge wurde auch über die Frage der gesetzlichen Einstellungsverpflichtung von Jugendlichen diskutiert. In Anbetracht der sozialpolitischen Probleme, die sich aus der Zwangsein¬ stellung von Jugendlichen ergeben müssen, ist ein Jugendeinstellungsgesetz in das vor Jahren bereits ausgearbeitete Forderungsprogramm des ÖGB nicht aiifgenommen worden. Seile 2 Nr. 195 SOLIDARITÄT

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