Full text: Solidarität - August 1953, Heft 198 (198)

Ein Denkmal im Herzen der Arbeiterschaft Rede von Präsident Böhm anläßlich der Enthüllung des Anton-Hueber-Denkmales Am 29. August wurde im Anton- eine unüberwindliche Kraft steckt, Hnetrer-Hof Wien-Favoriten ein Denk- wenn sje 6i(-h nur dieser Kraft ««*} für den Nestor der Österreich!- ganisator bei Gründungen von Gewerkschaften, bei Verhand¬ lungen, bei Streiks und bei an¬ deren gewerkschaftlichen Ak¬ tionen im Verlaufe seines Lebens und Wirkens geleistet hat, ist für uns größer und bedeutender, als es durch ein Denkmal veranschau- acben Gewerkschaftsbewegung, An- bewußt wird und zu gewerk- licht werden könnte. ?®n H u e b e r, enthüllt. Damit wurde schaftlichen Organisationen zu¬ gleichzeitig das 3. Gesamtösterreichi- gammenschließf. »che Gewerkschaftstreffen festlich er- ,, Hueber schloß sich frühzeitig der Arbeiterbewegung an und ging als Arbeiterfunktionär den Weg öffnet. Wir veröffentlichen nach¬ stehend einen Auszug aus der Rede, die der Präsident des österreichi¬ schen Gewerkschaftsböisdes, Natio- _ ;1 r nalrat Johann Böhm, anläßlich der vom Schriftführer eines Gehllfen- ausschusses bis zum Vorsitzenden des Bundes der Freien Gewerk- Denkmalenthüllung hielt, Die österreichische Gewerk- Seine einzigartige Pionier¬ leistung ist für sich ein Denk¬ mal in den Herzen aller selbst¬ bewußten, gewerkschaftlich or¬ ganisierten Arbeiter unseres Landes. Dennoch, oder gerade deshalb, ist es dem Gewerkschaftsbund Schaftsbewegung feiert in diesen schäften, vom Vertrauensmann und den österreichischen Arbeiter- Tagen die sechzigste Wiederkehr ™ Fachverein zum Nationalrat kämmern ein inniges Bedürfnis, eines für die gesamte Arbeiter- der ersten Republik und hervor- dem Manne, der seine großen or- schaft unseres Landes denkwürdi- ragenden Sprecher der Österreich!- ganisatorischen Fähigkeiten, sein gen Ereignisses, nämlich die sehen Werktätigen. Lebensglück und seine Lebens- Gründung der Gewerkschafts- Am Ersten österreichischen Ge- kraft so erfolgreich dem Dienste kommission Österreichs. Diese werkschaftskongreß, einberufen der österreichischen Gewerk- Gewerkschaftskommission war der von der vor sechzig Jahren ge- Schaftsbewegung widmete, auch erste zentrale Zusammenschluß gründeten Gewerkschaftskommis- ein sichtbares Denkmal zu setzen, der verschiedenen Freien Gewerk- sion, nahm Anton Hueber bereits das der Nachwelt Symbol sein Schaftsorganisationen, die damals als Delegierter und Schriftführer möge für die Kraft einer Idee, die schon bestanden. Es war der Be- teil. Am 3. Jänner 1895 wurde er immer siegreich bleiben wird, so ginn einer neuen Epoche der ge- Sekretär dieser Gewerkschafts- lange sich die arbeitenden Men- werkschaftlichen Entwicklung, kommission und blieb es bis zur sehen ihrer eigenen Würde und einer Epoche, die gekennzeichnet Bildung des Bundes der Freien ihres eigenen Wertes bewußt sind, ist durch einen gewaltigen Auf- Gewerkschaften im Juni 1928. Ich danke dem Künstler und stieg der Gewerkschaftsbewegung, Nun wurde er geschäftsführender den Arbeitern, die diese Anlage wie auch durch den großartigen Vorsitzender und von 1931 an geschaffen haben. Professor Mario Ehrenvorsitzender dieses Gewerk- P'etrucci schaftsbundes. Es war eine tragische Bestim In dieser stolzen, Schicksals- mung, daß Anton Hueber erst Gewerkschaften haben den Ar- schweren, kämpfereichen und sein Lebenswerk vernichtet sehen beiter aus einem Proletarier¬ leider auch sehr wechselvollen mußte, ehe er für immer die dasein in Not und Elend her- Geschichte des gewerkschaft- Augen schloß. Er starb am 9. Juli ausgeführt — die fortschrittliche liehen Aufstieges leuchtet der 1935, mehr als ein Jahr nach der Politik der Gemeinde Wien hat Name eines großen Mannes Zerstörung der österreichischen ihm schöne und gesunde Woh- vom Anbeginn an bis in die Gewerkschaften durch das im nungen gegeben. Es gibt jedoch Gegenwart als Inbegriff all des Jahre 1934 errichtete autoritäre sowohl für die Gewerkschaften in Strebens, all des Kämpfens und Regime. Aber vielleicht bot in bezug auf die Hebung der Lebens¬ all des Leidens, die jener Ge- der Sterbestunde die Zuversicht haltung als auch für die Gemein- neration gewerkschaftlicher Pio- ihm Trost, daß die Gewerkschafts- den und den Staat in bezug auf niere eigen war — Anton bewegung eines Tages neu und die Wohnbautätigkeit noch viel Hueber. kraftvoller denn je Wiedererstehen zu tun. Anton Hueber war ein Arbeiter- werde, wie es ja auch tatsächlich kind. Als vierzehntes Kind in dann der Fall gewesen ist. sozialen, materiellen und kulturel len Aufstieg der arbeitenden Men sehen in Österreich. hat die Gedenkstätte sinnvoll dem Wohnhausbau der Gemeinde Wien eingefügt. Die einer armen Arbeiterfamilie wurde er im Jahre 1861 in Pilsen geboren. Trotz seinem Bildungshunger konnte er nicht einmal die er¬ sehnte Bürgerschule absolvieren, sondern mußte schon als Kind schwer arbeiten, mußte Ziegel schleppen, um zum Unterhalt der Familie beizutragen, war doch auch die Mutter lange Jahre krank. ln Wien erlernte er dann das Drechslerhandwerk und wurde ein tüchtiger Arbeiter. Er lernte aber auch noch etwas anderes, was später zum Inhalt seines Lebens werden sollte, daß näm Zum Schluß seiner Rede ersuchte Präsident Böhm den Herrn Bundespräsi¬ denten die Enthüllung des Denkmales Was Anton Hueber als Or- vorzunehmen. Gewerkschaft und Kultur Von Generalsekretär Nationalrat Anton Pro ksch Mit einer Aufführung von William nicht außer Funktion. Aber auch Shakespeares „König Lear" im Wiener die soziale Gesellschaftsordnung, Volkstheater wurde die Arbeiterkultur- . _ . . , ?, deren Zeitalter sich abzuzeichnen beginnt, ist erst teilweise in woche 1953 eingeleitet. Der General¬ sekretär des österreichischen Gewerk¬ schaftsbundes, Nationalrat P r o k s c h, eröffnete die Arbeiter- kulturwoche mit folgenden Worten: Die Feier der vor 60 Jahren er¬ folgten organisatorischen und ideellen Zusammenfassung der be¬ stehenden schwachen gewerk- Anton Funktion. Da aber die Kultur lieh in der Arbeiterschaft selbst ®ch1afDtli^he" r Organisationen ist Anlaß, den Weg und che Erfolge der österreichischen Gewerkschaftsbe- wegung auf den verschiedenen Gebieten zu betrachten. Die an- ARBEITERBANK AKTIENGESELLSCHAFT WIEN Prompte und gediegene Durchführung aller bankmäßigen Geschäfte. — Entgegennahme vo» Spareinlagen. — Finanzielle Beratung WIEN 1 ' SE1TZERGASSE 2-4 TELEPHON: R 50-5-40 SERIE ZWEIGSTELLE WIENZEILE, W;EN, IV., RECHTE WIENZEILE 37 TELEPHON, B 26-0-91 FILIALEN, GRAZ, ANNENSTRASSE 24 KLAGENFURT, BAHNHOFSTR. 44, LINZ, WEINGARTSHOFSTRASSE 3 Ausdruck einer bestimmten Lebensform ist, befinden wir uns auch in einem Zwischenstadium der Kultur. Die Kultur von heute isl keine blühende bürgerliche Kultur mehr, sie ist aber auch noch keine Kultur des Volkes. Die organisierte Arbeiter- und Angestelltenschaft, die ihre Kultur Eigentümer und Herausgeber: österreichischer Gewerkschattsbund Verleger: Verlag des österreichischen Gewerkschaftsbundes. Chef¬ redakteur: Fritz Klenner Verantwortlicher Redakteur: Karl Franta Für die Bildbeilage verantwortlich: Fritz Konir Gestaltung der Bildbeilage. Augivst Makart Alle Wien, I., H*>henstaufengasse 10—12 Druck: Waldheim- Ehrerle. Wien. VfT., Scidengasse 3—11. läßlich dieser Feier veranstaltete erst auf dem Boden der sozialen Arbeiterkulturwoche soll Gesellschaft voll entwickeln kann, der sinnfällige Ausdruck des so- bemüht sich aber, unter den ge- zialen Aufstieges der arbeitenden gebenen Voraussetzungen Mit- Klasse sein. träger des Kulturlebens zu sein, Der Umwandlungsprozeß zum soweit sie nicht bewußt oder un¬ sozialen Zeitalter bringt Perioden bewußt von den Kultureinrich- des Gleichgewichtes der Klassen- tungen ausgeschlossen wird. Um kräfte. Wir leben in einer solchen ihre Kulturidee verwirklichen zu Zeit. Die bürgerlich-kapitalistische können, braucht sie feste Stützen, Gesellschaftsorganisation funktio- einen Boden für ihre eigene Ent- niert nicht mehr, aber sie ist noch faltung. WIENER INTERNATIONALE MESSE 6. BIS 13. SEPTEMBER 1953 Eine solche feste Stütze der Volkskultur ist das Volks¬ theater.. Das Volkstheater ist nicht ein vom Gewerkschaftsbund geführtes Theater, sondern in der Geschäftsführung wirken Gewerk¬ schafter mit. Gewerkschaftsbünd und Arbeiterkammer leisten Zu¬ schüsse. Die Geschäftsführung, in der ein ausgezeichneter künst¬ lerischer Theaterleiter, ein Kultur¬ referent des Gewerkschaftsbundes und ein Finanzmann sitzen und Zusammenarbeiten, hat aus diesem Theater eine künstlerisch an¬ erkannte und wirtschaftlich gut geführte Kultureinrichtung Wiens gemacht. Damit erscheint wohl hinreichend bewiesen, daß sich große Sozialorganisationen mit Erfolg zu Mitträgern des künst¬ lerischen Lebens machen können, wenn ihre sachverständigen Ber auftragten aus eigener Überzeu¬ gung und eigenem Gewissen die Grenzen ihrer Funktionen erken¬ nen, der Kunst freie Bahn lassen und ihre Helfer sind. Ehe persönliche Initiative wird durch das Leistungskollektiv dieses Hauses nicht im geringsten gestört. Im Gegenteil. Wir wissen aus dem Munde des künstleri¬ schen Leiters dieses Hauses, daß ihm in der Erreichung seiner Ziele durch diese gemeinschaft¬ liche Leitung mehr Hilfe und mehr Ermutigung zuteil wurde, als er sich je erhoffte. Niemals erfuhr er die geringste Hemmung. So ist das Volkstheater ein weiterer Beweis, daß ein Kol¬ lektiv die persönliche Initiative und die persönliche Freiheit keineswegs einengen oder gar auslöschen, und daß die kluge Zusammenfassung aller Kräfte die Gememscha^^uLeismngeir befähigt und ihr Wirkungs¬ grundlagen gibt, welche die rein private Kulturstätte nicht mehr zu erfüllen imstande ist. Diese Feststellungen kann ich am ersten Tage der Arbeiter¬ kulturwoche mit Freude und Ge¬ nugtuung im Müsentempel der Arbeiterschaft machen. 22.000 Mitglieder umfaßt die Volks¬ theatergemeinde und ist eine ebenso feste Stütze dieses Hauses, wie das Interesse der Arbeiter¬ organisationen an ihr. Die Künstler des Volkstheaters, von unseren Kolleginnen und Kollegen liebevoll geachtet, mögen Freude für ihr Schaffen und das Gefühl engster Zuge¬ hörigkeit zu diesem Theater aus der Tatsache schöpfen, daß sie ihre Kunst weiten Kreisen des arbeitenden Volkes von Wien schenken. Damit nehme die erste Auf¬ führung der Arbeiterkulturwoche 1953 ihren Anfang. Arbeiter und Angestellte versichern bei der Städtischen Versicherungsanstalt Wien, I., Tuchlauben 8 Tel,: U 28-5-90 Geschäftsstellen im ganzen Bundesgebiet Seite 2 Nr. 198 SOLIDARITÄT

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