Full text: Solidarität - August 1953, Heft 198 (198)

?' ’-"Tv V*- *3 Seite 4 Nr. 198 SOLIDARITÄT Wir flauen eine Brücke Öslerreichische Indusirieerzeugnisse in aller Welt Der Spezialmonteur Stefan D., der im Aufträge seiner Wiener Firma schon mehrere Male monatelang in der Türkei war, um den dortigen Arbeitern die Montage und Bedienung öster¬ reichischer Heizungsunlagen für Eisen- bahr.waggons beizubringen, berichtet uns von seinen Eindrücken im Aus¬ land: „Österreichische Waren haben in der Türkei einen guten Namen", sagt Kollege D., „besonders Maschi¬ nen und Elektroatflagen. Aber, auch die Fachkenntnisse der'österreichischen Ingenieure und Monteure werden von den türkischen Firmen immer wieder hervorgehoben.“ Und voll Stolz be¬ richtet uns Kollege Stefan D., wie seine Ankunft und Abreise in der Türkei jedesmal ganz feierliche For¬ men angenommen haben. Der Orient ist ein guter Handels¬ partner für Österreich. Obwohl die Türkei nur sehr zögernd Import¬ lizenzen erteilt, ist Österreich auch im Handel mit der Türkei aktiv. Eine Brücke über den Tigris Die Firma Waagner-Birö-AG hat einen scharfen internationalen Konkur¬ renzkampf gewonnen, der dem öster¬ reichischen Staat einen Deviseneingang von 300.000 Pfund Sterling, das sind ungefähr zwanzig Millionen Schilling, einbringt. Das Grazer Werk der Firma stellt e'ine insgesamt 300 Meter lange Brücke her, die im Zentrum der iraki¬ schen Hauptstadt, Bagdad, den Tigris in sieben Bögen überspannen wird. Eine besondere Schwierigkeit bei die¬ sem Bauvorhaben ist die Anlage der. Fundamente. 25 Meter unter der Flu߬ sohle müssen mit Hilfe von Stahl- Eln Großtransformator von der Firma Elin wird verladen. Exportaufträge aus Neuseeland, aus der Türkei, aus Schweden, aus Australien und aus den Vereinigten Staaten zeugen von der Qualität österreichischer Industrie¬ erzeugnisse. Ein dreiteiliger, dieselhydraulischer Triebwagenzug, der eine Stunden¬ geschwindigkeit von 120 Kilometer entwickelt, bei einer Probefahrt auf dem Semmering. Die Simmering-Graz-Pauker-Werke haben sieben solcher Züge nach Uruguay geliefert. Caissons, die gleichfalls bei der öster¬ reichischen Firma bestellt wurden, die mächtigen Pfeiler aufgebaut werden. Das Gesamtgewicht der Stahlkonstruk¬ tion der Brücke beträgt mehr als 3000 Tonnen. Dieser Exportauftrag der Waagner- Birö-AG ist ein bedeutender Erfolg österreichischer Schaffenskraft. Er bringt unserem Lande Arbeit und De¬ visen. Export in alle Kontinente Ebenfalls hervorragende Auslands¬ lieferungen führen die verstaatlichten Betriebe Elin und Simmering-Graz- Pauker durch. Die Firma Elin, bei der ein Drittel der Belegschaft für den Ex¬ port arbeitet, hat unter anderem von Neuseeland einen Großauftrag für acht 3330 - Kilo -Volt-Ampere-Transformato- ren und zwei 10.000-Kilo-Volt-Ampere- Durchgangsregel-Transformatoren er¬ halten, der bis zum Juni 1954 durchzu¬ führen ist. „Dazu kommen noch Elektrolokomo¬ tiven für Australien, Generatoren für Norwegen und ein Großtransformator, mit einer Gesamtleistung von 450.000 KVA, nach den USA." Man merkt der Kollegin aus dem Werbe¬ büro der Firma Elin, die uns das alles berichtet, an, daß sie sehr stolz ist auf die Leistung „ihres“ Betriebes. Die Erzeugnisse der Firma Simme¬ ring-Graz-Pauker tragen ebenfalls dazu bei, österreichische Qualitätsarbeiten aller Welt populär zu machen. Kesspl- anlagen nach Schweden, Krananlagen nach Indonesien und Waggons in dje Türkei sind nur einige der aktuellsten Auslandsaufträge. Die von den Simine- ring-Graz-Pauker-Werken nach Uru¬ guay gelieferten sieben Triebwagen¬ züge, mit ihrer komfortablen Innen¬ ausstattung, können als eine der Höchstleistungen der österreichischen Industrie bezeichnet werden. Aber außer den hier genannten Be¬ trieben können fast alle Branchen: in der österreichischen Produktion dank der Qualität ihrer Erzeugnisse eine Steigerung der Exportgeschäfte ver¬ zeichnen. Einwandfreie Werkarbeit, neue technische Ideen und gute kauf¬ männische Beziehungen, diese drei Grundvoraussetzungen jedes Export¬ geschäftes, haben Österreich wieder konkurrenzfähig gemacht. Exporte in alle Weltteile — Trans¬ formatoren für Australien, Eisenbahn¬ züge für Uruguay und eine Brücke über den Tigris, Österreichs Industrie hat sich mit diesen Leistungen, die der Tüchtigkeit und dem Fleiß der öster¬ reichischen Ingenieure und Arbeiter zu verdanken sind, im wahrsten Sinne des Wortes wieder Brücken ge¬ schlagen zu den Märkten in allen Teilen der Welt. f. n. Der Fahrgast, der in Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, den schnittigen, dieselhydrau¬ lischen Triebwagenzug besteigt, kennt von Austria vielleicht nur den Donauwalzer und die Salz¬ burger Festspiele. Daß der vornehme Luxuswaggon, in dem er im Hundertkilometertempo sicher und bequem seinem Ziele entgegenrast, österreichische Werkmannsarbeit ist, liest er zufällig auf einem bescheidenen Firmenschild über der Einstiegtür. Und der Elektriker, der in Seattle, im Staate Washington, mithilft, einen der 60 Tonnen schweren, aus unserem Lande stammenden Großtransformatoren zu montieren, erfährt dadurch zum ersten¬ mal, daß Österreich nicht nur eine international anerkannte Fußballmannschaft auf die Beine stel¬ len, sondern auch Maschinen bauen kann. Der rumänische Baggerführer, der einen der 500 bei der Waagner-Birö-AG erzeugten Bagger dirigiert, wird, von der Qualität des Kolosses begeistert, nun sicher zugeben, daß es in Österreich wirtschaftlich zumindest ebenso aufwärts geht wie in seinem Land. Der Plantagenbesitzer aber auf der Insel Curagao in den niederländischen Antillen, der zum erstenmal in seinem Leben seine eigene Stimme aus dem langersehnten Magnetophon — Made in Austria — hört, hat bisher wahrscheinlich nicht einmal gewußt, wo Österreich liegt. österreichische Industrieerzeugnisse sind heute wieder in aller W'elt anzutrefien, sie haben sich gegen eine starke internationale Konkurrenz durchgesetzt, die unter weitaus besseren Voraus¬ setzungen produzieren kann als Österreich. Alle unsere exportierten Waren, vom Kleiderknopf bis zum Großtransiormator und von der Zigarette bis zur Luxuslederhandtasche, tragen österreichisches Können und österreichischen Ge¬ schmack in alle Kontinente. Um aber der immer schärferen internationalen Konkurrenz standhalten zu können, wird es notwendig sein, unter Mitsprache des österreichischen Gewerkschafts¬ bundes, die Arbeitsmethoden zu rationalisieren und dadurch die Produktion zu steigern. Diese Steigerung der Produktion und die unter anderem damit verbundene Konkurrenzfähigkeit des Exports muß jedoch auch alten arbeitenden Menschen zugute kommen. Das Gehäuse eines Generators wird geschweißt. In dem verstaatlichten Betrieb Elin arbeitet ein Drittel der Belegschaft für den Export.

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