Full text: Solidarität - Jänner 1954, Heft 207 (207)

Kritik und Lob In der Redaktion der „Solidarität" lauien täglich viele Briefe ein, in denen manchmal scharfe Kritik an einzelnen Artikeln geübt wird. Wir haben solche Leserbriefe schon sehr oft veröffentlicht, weil wir von dem Grundsatz ausgehen, daß in einem demokratischen Land jeder Mensch das Recht hat, in einer gebührenden Form seine Meinung zu äußern. Natürlich freut es uns, wenn wir auch anerkennende Schreiben bekom¬ men. Gerade die Weihnachten haben viele Kolleginnen und Kollegen aus allen Bundesländern veranlaßt, uns ihre Grüße zu übermitteln. So schreibt Kollege Paul E. aus Wien, XV., kurz und bündig „Frohe Weihnachten! Ich lese die .Solidarität' sehr gerne.“ Und Kollege Felix M. aus Rechenberg in Kärnten wünscht in ungelenker Schrift, der man ein arbeitsreiches Leben anmerkt, allen Gewerkschafts¬ mitgliedern Gesundheit und Glück im neuen Jahr. Der Schluß seines Briefes lautet: „Ich bekomme nach 45 Jahren Arbeit eine Rente und kann als Mensch leben. Nicht so wie früher, wo der alte Arbeiter zerrissen und hungrig von einem Bauern zum andern ge¬ schoben wurde." Kritik und Lob — die Redaktion der „Solidarität" wird für beide immer ein offenes Ohr haben. Das Ergebnis unseres Weihnachtspreisausschreibens Uber 25.000 Einsendungen Das Weihnachtspreisausschreiben hat bei unseren Lesern wieder großen Anklang gefunden. Insgesamt haben sich 25.710 Kolleginnen und Kollegen daran beteiligt, von denen nur 70 die Bedingungen nicht erfüllt haben. Die Namen der 500 Gewinner der Anerkennungspreise können wir aus Raummangel leider nicht veröffent¬ lichen. Die Gewinner erhalten ihre Preise, je ein wertvolles Buch (Roman- oder Unterhaltüngsliteratur aus dem Europa-Verlag, Volksbuch¬ verlag beziehungsweise der Bücher¬ gilde Gutenberg), in Hen nächsten Tagen mit der Post zugesandt. Am 2. Jänner 1954 hat eine junge Kollegin 501mal in den gut durchein¬ andergeschüttelten Berg von Einsen¬ dungen gegriffen. Ihr erster Griff hat den Kollegen Max Oitzl, Kapfenberg, Steiermark, Anton-Mühlbacher-Straße Nr. 104, den 1. Preis, einen Motor¬ roller, Marke Löhner, in Luxusausfüh¬ rung, im Wert von 8650 Schilling oder Wohnungseinrichtungsgegenstände im gleichen Wert, gebracht. Alle Kolleginnen und Kollegen, die diesmal leer ausgegangen sind, mö¬ gen sich trösten, bald wird wieder in der „Solidarität" ein neues Preisaus¬ schreiben angekündigt, und dann wer¬ den hoffentlich der eine oder der an¬ dere von ihnen unter den Gewinnern sein. Viele Einsender haben ihre Lösun¬ gen besonders schön und künstlerisch ausgestattet. Wenn sich auch die Glücksgöttin dadurch nicht beeinflus¬ sen ließ, wir danken ihnen dafür. Das ist die richtige Lösung! Rückblick und Vorschau Von Generalsekretär Anton Proksch Die Jahreswende bietet uns Anlaß, zunächst einmal Rückblick auf das vergangene Jahr zu halten. Die Sorge des Gewerkschafts¬ bundes galt in diesem Zeitraum in erster Linie der Arbeitsbeschaf¬ fung, der wesentlichen Hebung des Beschäftigtenstandes. Im Jän¬ ner 1953 berieten der Vorstand des österreichischen Gewerk¬ schaftsbundes und die Präsidenten der Arbeiterkammern über die Lage, und in einer Entschließung forderten sie von der Regierung die Bereitstellung öffentlicher Mittel für die Fortführung der großen Investitionen, wie Wasserkraftanlagen, Elektrifizierung der Bundesbahnen und sozialer Wohnungsbau. Der Vorschlag, für diese Zwecke 250 Millionen Schilling durch den Staat als Bank¬ kredit aufzunehmen, wurde zuerst von der Unternehmerseite als inflatorisch bezeichnet, doch kurze Zeit später bekannte sich auch der Finanzminister zu einem Programm, welches die Finanzierung der großen öffentlichen Investitionen durch Kredite vorsieht. Zur Sicherung der Renten für die Alten und Invaliden galt es im abgelaufenen Jahr zunächst, die provisorische Regelung der Renten und der Investitionen für die Zeit bis zur Regierungsbil¬ dung in eine solche für das ganze Jahr 1953 umzuwandeln. Bei den Beratungen des Staatshaushaltes für das Jahr 1954 wurden die Renten für dieses Jahr wieder in ihrer vollen Höhe gesichert. Leider war es im abgelaufenen Jahr wieder nicht möglich, eine Reihe sozialpolitischer Gesetze zu schaffen, welche die arbeiten¬ den Menschen dringend brauchen und deren Vorhandensein eigentlich selbstverständlich wäre. Es fehlt vor allem noch immer das Arbeitszeitgesetz, ferner das Heimarbeitsgesetz und auch die gesetzlichen Regelungen für die Hausgehilfinnen und Hausbesor¬ ger. Am letzten Sitzungstag des Parlaments konnte wieder eine Gruppe von Arbeitnehmern in die Arbeitslosenversicherung ein¬ bezogen werden, nämlich die Grenzgänger, die in der Fremde arbeiten und während der Arbeitslosigkeit in ihrer Heimat leben. Besonders bedauerlich muß es für jeden sozial denkenden Men¬ schen sein, daß sich im Parlament keine Mehrheit gefunden hat, die auch den Saison-Landarbeitern die Arbeitslosenunterstützung zu den gleichen Bedingungen wie den Grenzgängern zugestanden hätte, so daß die arbeitslosen Landarbeiter im heurigen Winter das Arbeitslosengeld nicht bekommen können, obwohl auch die christlichen Gewerkschafter dafür eingetreten sind. Die Durch¬ führung dieser ausständigen gesetzlichen Regelung entspräche nicht nur der sozialen Gerechtigkeit, sondern würde auch viel zur Eindämmung der Landflucht beitragen. Zum Jahreswechsel schauen wir aber nicht nur zurück, sondern richten unsere Gedanken auch auf das kommende Jahr. Was er¬ hoffen sich die arbeitenden Menschen von ihm? Es sind vor allem drei Dinge, die uns beschäftigen. Vor allem wünschen wir die Wiedererlangung unserer staat¬ lichen Freiheit, also den Staatsvertrag und damit die Wiederher¬ stellung der vollen Souveränität Österreichs. Österreich soll wie¬ der den Österreichern gehören. Dann wollen wir wieder einen Zustand der Wirtschaft errei¬ chen, von dem wir sagen können, daß die Vollbeschäftigung wiederhergestellt ist. Die Arbeitslosigkeit tausender Menschen bedeutet nicht nur harte Zeiten für die Betroffenen, sie ist auch für jede Volkswirtschaft ein Luxus, den sich unser armes Land durchaus nicht leisten kann! Es muß alles darangesetzt werden, 1954 die katastrophalen Arbeitslosenzahlen des Jahres 1953 zu verhindern. Ein weiterer großer Wunsch aller arbeitenden Menschen ist die Verbesserung der Alters- und Invalidenversorgung der Arbeiter und Angestellten der privaten Wirtschaft im kommenden Jahr. Daß im Jahr 1954 die sozialpolitische Gesetzgebung durch die Schaffung der noch ausstehenden Gesetze vervollständigt werde, das wollen wir mit allem Nachdruck anstreben. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir unsere wirtschaft¬ lichen Organisationen, die Gewerkschaften, immer größer und stärker machen, müssen wieder fest anpacken, um die gerechten Ansprüche der Arbeitenden in Stadt und Land durchzusetzen und den weiteren sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg der Arbeiter und Angestellten zu ermöglichen. Karl Komenda - 75 Jahre Am 27. Jänner 1954 wird Karl Komenda, der Vorsitzende der Ge¬ werkschaft der Arbeiter im Hotel- und Gastgewerbe, 75 Jahre alt. Er hat sein langes, arbeitsreiches Leben dem gewerkschaftlichen Kampf um die soziale Befreiung und Gleichstel¬ lung der gastgewerblichen Arbeitneh¬ mer gewidmet. Von Beruf Kellner, gehört er zu den wenigen gastgewerblichen Ar¬ beitnehmern, die schon frühzeitig er¬ kannten, daß auch sie nur durch ge¬ werkschaftlichen Kampf und Schulter an Schulter mit den Arbeitern aller anderen Berufe ihre trostlose Lage bessern und menschenwürdige Lohn- und Arbeitsbedingungen erreichen können. Kollege Komenda war Mitbegrün¬ der der im Jahre 1906 ins Leben gerufenen Gewerkschaft der gast¬ gewerblichen Arbeiter, und er blieb seither in guten und schlechten Tagen ihr treuer Funktionär. Allen Rückschlägen zum Trotz kämpfte er unentwegt gegen die schier unüber¬ windlichen Hindernisse, die sich ge¬ rade im Hotel- und Gastgewerbe der gewerkschaftlichen Arbeit entgegen- slellten. Nie ließ er den Mut sinken. Nicht als während des ersten Weltkrieges die Organisation auf ein kleines Häufchen Unentwegter zusammen¬ schrumpfte, nicht als im Februar 1934 sein Lebenswerk zerstört wurde. Die elf Jahre Krieg und Faschismus haben ihm viele bittere Stunden und zweimalige Kerkerhaft gebracht. Als im Jahre 1945 mit der Befrei¬ ung Österreichs auch die öster¬ reichische Gewerkschaftsbewegung wieder frei wurde, da war auch Kol¬ lege Komenda zur Stelle und hat mit neuer Kraft die Gewerkschaft der gastgewerblichen Arbeiter aufzubauen geholfen. Er ist heute, trotz sei¬ ner 75 Jahre, auch Mitglied des Vor¬ standes des ÖGB. Seine Erfahrung und sein Rat haben wesentlich zum Ansehen der österreichischen Ge¬ werkschaftsbewegung beigetragen. Die österreichischen Arbeiter und Angestellten wünschen Karl Ko¬ menda zu seinem 75. Geburtstag wei¬ terhin Gesundheit und Erfolg. Qute d&üchei* unsere besten Freunde für die langen Winterabende! Sie wissen es noch nicht? Die Büchergilde Gutenberg ist die Gemeinschaft für das gute und billige Buch. Prospekte: Bücher¬ gilde Gutenberg, Zentrale, Wien, HL, Rennweg 1, Tel.: M 11-0-50. VERANSTALTUNGSKALENDER der 23. Jänner 15.30 Uh; Volkstheater Wien, VII., Neustiftgasse 1 Frohes Wochenende Karten zum Preis von S 3,— bis S 10,— 31. Jänner 16.30 Uhr Auf dem Platz des Wiener Eislaufvereins Wien, III., Johannesgasse 18 5. Sondervorstellung der Wiener Eisrevue ,Wünsch dir was" Ermäßigte Eintrittspreise: Stehplätze S 5,— Sitzplätze S 10,— bis S 22,— Kartenvorverkauf für alle Veranstaltungen im Verlag des österreichischen Gewerkschafls- bundes, Wien, III., Rennweg 1, Gassenlokol, Telephon M 11-0-50, KI. 61, sowie ln allen Gewerkschaftssekretariaten SOLIDARITÄT Nr. 207 Seile C

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.