Full text: Solidarität - Februar 1954, Heft 210 (210)

. . . . ss ö I M t , - - ? ? — ?< . Wir haben gewarnt! Der Österreichische Gewerkschafisbund hat rechtzeitig und wiederholt energische Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gefordert Als der Gewerkschafisbund angesichts der überaus großen Arbeits¬ losigkeit der letzten Wochen seine Stimme erhob, war dies keines¬ wegs das erstemal, daß er auf die Notwendigkeit einer Arbeits¬ beschaffung, auf die Bekämpfung der Winterarbeitslosigkeit und auf « die Notwendigkeit einer planmäßigen Vollbeschäftigungspolitik hin¬ gewiesen hat. Wir haben nicht abgewartet, bis es Zu spät ist, sondern wir haben gewarnt, rechtzeitig und v/iederholt gewarnt! 31.Jänner 1950: 183.000 Arbeitslose Am 11. Februar 1950 richtet das Präsidium des österreichi¬ schen Gewerkschaftsbundes an den damaligen Bundeskanzler Inge¬ nieur Leopold Figl ein Schreiben mit dem dringenden Ersuchen um Ausarbeitung eines Krisenpro¬ grammes zur Bekämpfung der Ar¬ beitslosigkeit. Der Vorschlag für ein solches Krisenprogramm wird, genau detailliert, diesem Schrei¬ ben beigelegt. Es heißt dabei aus¬ drücklich, daß es der Zweck des Programmes sei, die Entstehung einer strukturellen Ar¬ beitslosigkeit größeren Aus¬ maßes zu verhindern. bauen; 3. Einheitliche finanzielle Regelung; 4. Beschränkung des Zuzuges von baufremden (insbe¬ sondere landwirtschaftlichen) Ar¬ beitern und 5. Zentrale Beschäfti¬ gungspolitik. Jeder einzelne Punkt wird genau erläutert. 30.Juni 1952: 119.000 Arbeitslose 31.August 1951: 69.000 Arbeitslose Am 18. Juli 1952 hält Präsident Böhm im Parlament eine Rede, in der er sich mit der Gefahr einer zunehmenden strukturellen Arbeitslosigkeit auseinandersetzt. Präsident Böhm führt mehrere besorgniserregende Arbeitslosen¬ zahlen an und erklärt: ,,Es muß alles getan werden, um zu ver¬ hindern, daß die Arbeitslosigkeit noch weitersteigt!" 31.Jänner 1953: 285.000 Arbeitslose Am 15. Jänner 1953 tagt eine gemeinsame Konferenz des Vor¬ standes des Gewerkschaftsbundes und der Präsidenten der Ar¬ beiterkammern. Generalsekretär Proksch hält auf dieser Kon¬ ferenz das Hauptreferat. Es kommt darin zum Ausdruck, daß die bis¬ herigen Warnungen des Gewerk¬ schaftsbundes größtenteils ver¬ gebens gewesen sind. Um die deflationistisch wirkende Entwick¬ lung der österreichischen Wirt¬ schaft, durch die jegliche Voll¬ beschäftigungspolitik gefährdet ist, zu verhindern, beschließt die Kon¬ ferenz ein aus fünf Punkten be¬ stehendes Sofortprogramm. und Forderungen des Gewerk¬ schaftsbundes zu verwirklichen! Je stärker wir sind, desto mehr werden wir erreichen!" 31. Dezember 1953: 244.000 Arbeitslose Anläßlich des Jahreswechsels kommt in den Neujahrsbotschaf¬ ten von Präsident Böhm, Vize¬ präsident Maisei, Vizepräsident Altenburger und General¬ sekretär Proksch die Forderung des Gewerkschaftsbundes nach wirksamer Vorsorge für die Siche¬ rung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze neuerdings unmißverständlich zum Ausdruck. 31. Jänner 1954: 300.000 Arbeitslose 31. August 1953: 129.000 Arbeitslose Der Vizepräsident des ÖGB, Bundesminister Karl M a i s e 1, macht sich zum Fürsprecher von Maßnahmen gegen die Winter¬ arbeitslosigkeit. Ausgehend von der guten Beschäftigungslage des Jahres 1951 erklärt Minister Mai¬ sei, es müsse alles getan werden, um einen Rückschlag, wie ihn die Wirtschaft, insbesondere die Bau¬ wirtschaft, im Winter 1950/51 er¬ litten habe, für den kommenden Winter zu vermeiden, und fügt mahnend hinzu: ,,Immer wieder habe ich darauf verwiesen, nicht erst an die Ar¬ beitslosigkeit zu denken, wenn sie schon hereingebrochen ist, son¬ dern den Kampf dagegen schon in der guten Konjunktur zu führen!" 31. August 1952: 116.000 Arbeitslose 29. Februar 1952: 215.000 Arbeitslose Bereits am 14. Jänner 1952 macht der Gewerkschaftsbund neuerlich geeignete Vorschläge. Es werden fünf Maßnahmen ange¬ regt, und zwar: 1. Verteilung der Bauvorhaben über das ganze Jahr; 2. Senkung der Mehrkosten beim Winter- Am 9. September 1952 findet in Wien eine Enquete statt, die von den Landesexekutiven Nieder¬ österreich und Burgenland des ÖGB und von den beiden Arbeiter¬ kammern einberufen wird und sich mit der Schaffung von Dauer¬ arbeitsplätzen befaßt. Der General¬ sekretär des ÖGB, Nationalrat Anton Proksch, hält auf dieser Enquete ein Referat, in welchem er' darauf hinweist, daß eine um¬ fassende Aktion zur Verstärkung der Investitionstätigkeit und damit zur Schaffung von wirtschaftlich sinnvollen Dauerarbeitsplätzen in Industrie und Gewerbe in Nieder¬ österreich und Burgenland not¬ wendig sei. Generalsekretär Proksch appelliert bei dieser Ge¬ legenheit auch an die amerikani¬ sche Wirtschaftsmission, an die Wirtschaftskammern, an die zu¬ ständigen Ministerien und an die Banken, die Bestrebungen des Gewerkschaftsbundes und der Ar¬ beiterkammern zur Schaffung von Dauerarbeitsplätzen in den Not¬ standsgebieten dieser beiden Bun¬ desländer zu unterstützen. Präsident Böhm erläutert am 27. September 1953 in einer Rede in Klagenfurt die Vorschläge des Gewerkschaftsbundes zu großzügi¬ ger Arbeitsbeschaffung und sagt unter anderem : „Die Sorge um die Wiedererlangung der Vollbeschäf¬ tigung soll nicht nur den ÖGB, sondern das ganze Land beschäf¬ tigen!" 30. September 1953: 129.000 Arbeitslose Am 15. Oktober 1953 befaßt sich der Vorstand des Gewerkschafts-- bundes in einer Sitzung neuerlich mit dem Problem der strukturellen Arbeitslosigkeit und mit. Ma߬ nahmen gegen die Winterarbeits¬ losigkeit. Eine Reihe zweckmäßi¬ ger Maßnahmen wird bei dieser Gelegenheit wieder vorgeschlagen. Unter dem Titel „Arbeit und Brot für alle!” veröffentlicht die „Solidarität" am 9. November 1953 eine Gegenüberstellung der bis¬ herigen Forderungen und Ergeb¬ nisse. Sie wendet sich dabei an jeden einzelnen Arbeiter und An¬ gestellten, indem sie ausspricht: „Der Gewerkschaftsbund kämpft für die Sicherung deines Arbeits¬ platzes. Auch die jetzt noch Arbeitslosen sollen wieder Arbeit finden! Es gilt auch, entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung der Winterarbeitslosigkeit zu treffen. Hilf auch du mit, die Anregungen Der Vorstand des ÖGB fordert in Anbetracht der Wirtschaftslage und der unerträglich hohen Ar¬ beitslosenzahl die rasche Durch¬ führung eines aus zehn Punkten bestehenden Programms, das vor allem die Heranziehung aller ver¬ fügbaren Geldmittel zur Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten vorsieht. Die ersten Erfolge! Die in der Entschließung des Bundesvorstandes des Gewerk¬ schaftsbundes vom 4. Februar er¬ hobenen Forderungen nach Ma߬ nahmen gegen die wachsende Arbeitslosigkeit haben bereits ein offizielles Echo gefunden. Der am 9. Februar tagende Ministerrat hat einen Appell an die Wirtschaft beschlossen, alle Vor¬ kehrungen zu treffen, um sofort nach Einsetzen günstiger Witte¬ rung mit den für das heurige Jahr geplanten Bauten zu beginnen. Die Bundesregierung appellierte weiter an die Wirtschaft, mög¬ lichst keine Entlassungen mehr vorzunehmen und die Leistung von Überstunden zu vermeiden, um auch dadurch zusätzliche Arbeits¬ plätze zu schaffen. Ferner hat der Minister für Ver¬ kehr und verstaatlichte Betriebe, Ing. W a 1 d b r u n n e r, an alle Dienststellen des Ministeriums so¬ wie an die ihm unterstehenden staatlichen und verstaatlichten Be¬ triebe die Aufforderung gerichtet, den Richtlinien des Gewerkschafts¬ bundes stärkste Beachtung zu schenken.

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