Volltext: Solidarität - Juli 1954, Heft 221 (221)

r bibüo IheK Vbb Ebendorf erst;. .Vien, b, ZENTRALORGAN DES ÖSTERREICHISCHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES 26. JULI 1954 / NR. 221 PREIS 25 GROSCHEN 100 OtyatäsaliaMumlBfQ Durch den Beitritt weiterer zwei Gewerkschafts¬ verbände, und zwar chilenischer, ist die Zahl der dem Internationalen Bund freier Gewerkschaften (IBFG) angeschlossenen Landesorganisalionen auf genau 100 gestiegen. Die 100 Organisationen, denen auch der ÖGB angehört, verteilen sich auf alle fünf Erdteile, und zwar auf 74 Länder, Territorien und Kolonien. Sie zählen 55 Millionen Einzelmitglieder * Für Arbeit, Wohnung und gesichertes Atter! Forderungen 1. Jänner 1954: In seiner Neujahrsbotschaft stellt Präsident Böhm fest: „Es ist oberste Pflicht der Gemeinschaft, daß sie dafür sorgt, daß Hände, die arbeiten wollen, nicht feiern.“ Präsident Böhm erklärt auch, daß auf sozialpolitischem Gebiet das Jahr 1954 einen Fortschritt bringen müsse; auch die Novellierung des Antiterror¬ gesetzes sei dringend. Die Verwirklichung eines neuen Sozialwerkes, das gerechte Lö¬ sungen auf dem Gebiet der Renten und der Sicherung des Lebens¬ unterhaltes im Alter zum Inhalt haben muß, fordert eine Neujahrs¬ botschaft von Vizepräsident Altenburger. Generalsekretär Proksch fordert in seiner Neujahrsbotschaft die Reform der österreichischen Sozialversicherung, die Verabschiedung des Heimarbeitsgesetzes und die Bereitstellung öffentlicher Mittel für die Fortführung und Planung von großen Investitionen, wie Wasser- kraftanlagen, Elektrifizierung der Bundesbahnen und sozialer Woh¬ nungsbau. 4. Februar 1954: Der Bundesvorstand des ÖGB fordert in einem Zehnpunkteprogramm unter anderem: Bereitstellung öffentlicher Mittel durch Bund, Länder und Gemein¬ den für Investitionen. Durchführung einer Aktion zur Verbilligung der Politik des billigen Geldes; Senkung des Kreditzinsfußes einschlie߬ lich der Kreditspesen der Banken. Wirtschaftsbelebende Kreditpolitik der Banken durch Bereit¬ stellung langfristiger Investitionsdarlehen. Einstellung weiterer Abbaumaßnahmen in der gesamten Wirt¬ schatt, Ausarbeitung eines Programms zur Schaffung von Dauer- arbeitspiätzen und Kampf gegen die Winlerarbeitsiosigkeit. 8. Februar 1954: Die „Solidarität" nimmt unter dem Titel „Mehr Arbeiterwohnungen" zum Wohnungsproblem Stellung. Sie schreibt, daß dieses Problem ohne Hilfe der Allgemeinheit nicht ge¬ löst werden könne. Deshalb wird gefordert, alle verfügbaren Gelder flüssigzumachen und in erster Linie Wohnungen für die Arbeiter und Angestellten zu bauen, insbesondere für die junge Generation. 8. März 1954 : Der Verhandlungsausschuß der vier Gewerk¬ schaften des öffentlichen Dienstes erhebt die Forderung nach Vor- verlegung der 2. Etappe der Bezugsregulierung. 17. März 1954: Aussprache von Vertretern des ÖGB mit Bun¬ deskanzler Raab. Es wird Übereinstimmung darüber erzielt, alle Anstrengungen auf die rascheste Verminderung der Arbeitslosigkeit und die fortschreitende Stabilisierung der Wirtschaft zu richten. 12 Juni 1954: Auf der fünften Landeskonferenz der Landes¬ organisation Oberösterreich des ÖGB stellt Generalsekretär Proksch in einem grundlegenden Referat über wirtschaftspolitische Fragen folgende Forderungen: Aktive Konjunkturpolitik zur Hebung des Lebensstandards der österreichischen Arbeiter und Angestellten durch Schaffung neuer Arbeitsplätze, Hirieinpumpen der Spargelder in die Volkswirtschaft. Julil954:Der Gewerkschaftsbund fordert neuerdings die Ver¬ längerung des Jugendeinstellungsgesetzes. Außerdem soll der Ein- steilschlüssel für Großbetriebe verschärft, die Ausgleichsgebühr für die Nichteinstellung erhöht werden. Ergebnisse Februar 1954: Der Ministerrat richtet einen Appell an die Wirtschaft, sofort nach Einsetzen günstiger Witterung mit dem Bauen zu beginnen und keine Entlassungen vorzunehmen. Eine 600-Millionen-Schilling-Anleihe für die Bundesbahnen sichert die Fortsetzung der Elektrifizierung und der Wiederaufbauarbeiten an den Bahnhöfen. Handelsminister Dr. Illig gibt das Bundesstraßenbauprogramm für 1954 bekannt: 480 Millionen Schilling gegenüber 355 Millionen des Vorjahres. März 1954: Das Heimarbeitsgesetz wird im Nationalrat ver¬ abschiedet. Es schafft für die Heimarbeiter annähernd die gleichen | sozialpolitischen Rechte wie für die Betriebsarbeiter. Mai 1954: Die Gemeinde Wien und das Land Niederösterreich künden die Durchführung einer Elektrogeräteaktion an. Juni 1954: Die Bankrale wird auf Beschluß des Generalrates der österreichischen Nationalbank von 4 auf 3'/i Prozent ermäßigt. Der Ministerrat beschließt eine Veiordnung, die die 2. Etappe der Bezugsregulierung der öffentlich Bediensteten vom ). Jänner 1955 auf den 1. Oktober 1954 vorverlegt. Ende des Monats ist die Arbeitslosenzahl auf 120.555 gesunken (Februar 1954: 305.071), der Beschäftigtenstand auf 2,008.240 (Februar 1954: 1,808.400) gestiegen. Juli 1954: Der Nationalrat beschließt eine Reihe von beson¬ ders für die Arbeitnehmer wichtigen Gesetzen: Sechs Rentengesetze bringen vor allem eine Aufwertung der Sozial¬ versicherungsrenten und die Auszahlung einer 13. Monatsrenle in allen Zweigen der Sozialversicherung im heurigen Jahr. Die Änderung des Antiterrorgesetzes ermöglicht in Zukunft, dall Beiträge für kollektivvertragsfähige Berufsvereinigungen bei Aus¬ zahlung des Entgelts vom Lohn abgezogen werden können, wenn dies zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart wird. Die neuen Wohnbaugesetze sehen die Förderung des so¬ zialen, genossenschaftlichen und Eigenheimwohnbaues in gleicher Weise vor. Bis Ende 1956 werden 5 Milliarden Schilling für den Wohnbau freigestellt. Der Mieterschutz wird weiter ausgedehnt: alle Mieter, die in nach 1917 erbauten Häusern wohnen, sind nunmehr davor ge¬ sichert, daß ihre Mietzinse ungerechtfertigt erhöht werden. Ein Investitionsprogramm, das für die Dauer von 10 Jahren vorgesehen ist, umfaßt Investitionen bei den Bundesbahnen in der Höhe von 5549 Millionen Schilling, bei Post und Telegraph 1560 Mil¬ lionen Schilling und zum Ausbau der Autobahn 3000 Millionen Schilling, insgesamt 10.109 Millionen Schilling. Die Schlechtwetterentschädigung im Baugewerbe wird gesetzlich geregelt. Dieses Gesetz, das eine alte Forderung der Bau¬ arbeiter erfüllt, strebt vor allem eine Verlängerung der Bausaison bis in den Winter hinein an. Eine Wohnungswiederaufbau-Anieihe von 800 Mil¬ lionen Schilling wird aufgenommen. Die Verlängerung des Jugendeinstellungsgesetzes bis Ende 1955 wird vom Ministerrat genehmigt und Abänderungen des Gesetzes im Sinne der Forderungen des ÖGB vorgenommen. Der Gewerkschcutsbund kämpft um die Sicherung der Existenzgrundlagen der arbeitenden Bevölkerung. Seine drei Hauptziele sind derzeit: Die Erreichung der Vollbeschäftigung, die gesteigerte Fortführung der Wohnbautätigkeit und ein gesichertes Dasein für unsere Rentner. Die Halbjahrsbilanz, die wir hier gezogen haben, zeigt, daß sich der Gewerkschaftsbund nicht nur damit begnügte, Forderungen zu stellen, sondern sich auch erfolgreich für ihre Erfüllung einsetzte! ? a

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.