Full text: Solidarität - September 1954, Heft 224 (224)

: W nen und -kollegen wird auch für das Gewerkschaftsmitglied im Groß- oder Mittelbetrieb von Vor¬ teil sein, denn es wird finden, um wieviel besser es meistens, dank der wirtschaftlichen Kraft, um seine Ar¬ beitsbedingungen bestellt ist. So¬ ziale Errungenschaften sind keine Selbstverständlichkeit, und sozial¬ politische Gesetze verbürgen noch nicht ihre Einhaltung, es muß die Organisation dahinter stehen, so¬ wohl um die Durchsetzung als auch um die Einhaltung sicherzustellen. Diese Erkenntnis zwingt dazu, in allen Betrieben der Unorgani¬ sierten nicht zu vergessen. Die Ab¬ seitsstehenden müssen immer wie¬ der in kameradschaftlicher Form auf die Notwendigkeit der gewerk¬ schaftlichen Zugehörigkeit auf¬ merksam gemacht werden — in ihrem und im Interesse der Allge¬ meinheit. Es sind auch in die Groß- und Mittelbetriebe durch die zu¬ nehmende Beschäftigung in den letzten Monaten neue Arbeitskräfte gekommen, die vielleicht zum Teil noch nicht gewerkschaftlich erfaßt wurden. Dieser Arbeitskollegen müssen sich die Gewerkschaftsmit¬ glieder ebenfalls annehmen, ihnen muß klargemacht werden, daß die Gewerkschaften durch ihr Vollbe¬ schäftigungsprogramm erreicht ha¬ ben, daß sie Arbeit erhielten und daß ihr Arbeitsplatz nur durch die Kraft der Gewerkschaften erhalten bleiben wird. Persönlicher Unmut ist oft die Ur¬ sache, daß einzelne Gewerk¬ schaftsmitglieder an der Tätigkeit des Gewerkschaftsbundes Kritik üben. In den meisten Fällen hat es sich aber bei gewissenhafter Prüfung erwiesen, daß diese An¬ griffe unberechtigt waren, über jeden persönlichen Unmut muß je¬ doch die gemeinsame Aufgabe stehen, den Gewerkschaftsbund noch größer und damit noch stär¬ ker und einflußreicher zu machen. Jeder Arbeiter und Angestellte muß sich vor Augen halten, daß Ge¬ schlossenheit und Disziplin die wichtigsten gewerkschaftlichenWaf¬ fen sind, und daß jeder einzelne zum Erfolg beitragen muß, dessen er teilhaftig wird. Gewerkschaftsschule Das Büdungsreferat des österreichischen Gewerkschaftsbundes schreibt einen neuen Lehrgang der Wiener Gewerkschaftsschule aus, der am 26. Oktober 1954 beginnt. Un¬ terricht ist zweimal wöchentlich, Dienstag und Freitag, von 18,30 bis 21 Uhr. Die Teilnehmer müssen sich für einen dreijährigen Besuch verpflichten. Die Be¬ dingungen zur Teilnahme an der Wiener Gewerkschaftsschule sind: Die Bewerber müssen in der Gewerkschaftsbewegung als Funktionäre oder Angestellte tätig sein oder die Funktion eines Betriebsrates (Vertrauensmannes, Personalvertreters) ausüben. Jüngere Bewerber werden bevor¬ zugt. Es ist ein schriftliches Ansuchen um Aufnahme an das Bildungsreferat des österreichischen Gewerkschaftsbundes, Wien, I., Hohenstaufengasse 10, zu rich¬ ten, das folgendes enthalten muß: Name, Adresse, Geburtsdaten, Beruf, Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung und Ver¬ pflichtungserklärung über die Teilnahme an allen drei Jahrgängen. Das Ansuchen ist bei dem Bildungsreferenten der eigenen Gewerkschaft abzugeben, von dem es nach erfolgter Befürwortung durch die Gewerkschaft dem Bildungsreferat des ÖGB eingesendet wird. Anmeldeschluß: 2. Oktober 1954. Kollektivverträge Ohne Gewerkschaften gäbe es keine Kollektivverträge, ohne Kol- stehen kommen und damit für die lektivverträge gäbe es keine Sicherheit bei der Entlohnung und bei den f1r3®"^sierten zu Lohndrückern Arbeitsbedingungen, ebenso auch keine ständigen Verbesserungen auf diesen Gebieten. Auf die Frage: „Wozu brauche ich eine Gewerkschaft?", müßte es also eigentlich genügen, mit der Gegenfrage zu antworten: „Wer würde für dich einen Kollektivvertrag abschließen, wenn es keine Gewerkschaft gäbe?“ Gewiß wären auch dann die Lohn- vollen Verhandlungen zustande und Arbeitsbedingungen „geregelt“, kamen, sagt noch nichts über die Ver /\rut;iikut:uuiy uycii ,>y^t L ^l v.i * aber ausschließlich im Sinne des Ar- besserungen und Erleichterungen, die beitgebers. Man kann sich leicht aus- durch Kollektivverträge erreicht wer- den konnten. Jeder einzelne Kollektiv¬ vertrag bedeutet nämlich einen weite¬ ren sozialen Fortschritt. Je stärker die Gewerkschaft, desto besser der Kol¬ lektivvertrag! malen, wie solche „Verträge“ aus- sehen würden, die einzig und allein vom Wohlwollen des Unternehmers abhängen. Muß denn nicht selbst die Einhaltung der bestehenden gesetz¬ lich verankerten Kollektivverträge oftmals von Gewerkschaften erzwun- lUr 0116 giCICn gen werden? — übrigens auch eine Die Vortei)e eines Kollektivvertrages wichtige Aufgabe der Gewerkschal . genießt ein Arbeitnehmer der betref- Die gesetzliche Grundlage unserer [encjen Berufs- und Industriegruppe Kollektivverträge ist das K o 1J ek- ohne Rücksicht darauf, ob er gewerk- tivvertragsgesetz vom 26. Fe¬ bruar 1947. Kollektivverträge im Sinne dieses wichtigen Gesetzes sind Vereinbarungen zwischen kollektiv¬ vertragsfähigen Körperschaften der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, durch die alle Rechte und Pflichten, die mit einem Dienstverhältnis Zu¬ sammenhängen, geregelt werden. Kollektivvertragsfähig sind in Österreich auf Seite der Arbeit¬ nehmer praktisch nur die G e- werkschaften, die zusammen den österreichischen Gewerk¬ schaftsbund bilden, und natürlich auch der Gewerkschaftsbund selbst. Der Gesetzgeber hat damit die Be¬ deutung der gewerkschaftlichen Or¬ ganisationen voll und ganz gewürdigt. schaftlich organisiert ist oder nicht. Eigentlich ist es ja widersinnig, daß auch ein Unorganisierter Vorteile ge¬ nießt, zu deren Zustandekommen er nichts, aber schon gar nichts beigetra¬ gen hat. Aber die Gewerkschaften mußten selbst darauf bestehen, damit nicht die Unorganisierten dem Unter¬ nehmer als Arbeitskräfte billiger zu werden. Die gewerkschaftlich organisier¬ ten Arbeiter und Angestellten kön¬ nen es aber auf die Dauer nicht verstehen, daß sie durch ihre Ge¬ werkschaftsbeiträge für den Ab¬ schluß von Kollektivverträgen und für den sozialrechtlichen Schutz der Gewerkschaften aufkommen, wäh¬ rend die Unorganisierten nur mit¬ genießen und überdies dadurch, daß sie außerhalb der gewerkschaft¬ lichen Organisation stehen, eine weitere Stärkung der Gewerkschaf¬ ten und damit noch bessere Ver¬ träge und noch wirksameren Schutz verhindern. Viele Unorganisierte ziehen daraus die einzig richtige Konsequenz. Sie sagen sich, die Gewerkschaft tritt für mich ein, indem sie auch für mich einen Kollektivvertrag abschließt und indem sie auch für mich seine Durch¬ führung gewährleistet, also trete auch ich für die Gewerkschaft ein, das heißt, ich trete ihr als Mitglied bei, denn ich will nicht länger als unbe¬ rechtigter Nutznießer angesehen Ärbeiterkammerwahlen Am 24. und 25. Oktober finden in ganz Österreich die Arbeiterkammer¬ wahlen statt. Die Arbeiter und Angestellten werden mit ihrem Stimmzettel entscheiden, wie die Vollversammlung jeder einzelnen Arbeiterkammer zu¬ sammengesetzt sein wird. Wie wichtig die Arbeiterkammern als die öffent¬ lich-rechtlichen Interessenvertretungen der Arbeiter und Angestellten für Jeder Vertrag ein SOliaier Fortschritt die arbeitenden Menschen unseres Landes sind, wurde an anderer Stelle Welche Bedeutung die Kollektiv- ,jargeiegt. Hier soll lediglich einiges über die Durchführung der Wahlen Vertragstätigkeit der Gewerkschaften ( werden. für jeden einzelnen Arbeiter und An- 9 9 gestellten hat, geht schon allein aus Das Gesetz bestimmt die Anzahl dienen, Seilbahnen, Lille, Schiffahrt, der Zahl der abgeschlossenen Kollek- der Kammerräte, die in die Vollver- Lufttahrt, Post, Telegraph, Telepüon, tivverträge hervor. Im Jahre 1951 sammlung jeder Arbeiterkammer (in Rundtunk usw. beschaitigt smü. _4-za? Vpt- r>r->rt ßinoj Hnrrh flllnp- ßej wahlberechtigten Personen, die am Tage der Wahlausschreibung (23. Juli 1954) arbeitslos waren, be¬ stimmt sich ihre Zugehörigkeit zu einem der Wahlkörper nach ihrem letzten Dienstverhältnis. ti ilay ntri ui. i ^^ - ädliliui uy jcmci z-n uw.*., v-* «.«*•***» ~~ v--- wurden insgesamt 547 solcher er- jedem Bundesland ei e) durc allge- i ”_-.u1 BR RllTT- _^,1 ^.1-.r-i mo nnH HirpktP träge abgeschlossen, davon 188 Bun¬ deskollektivverträge, 335 Länderkol¬ lektivverträge und 51 Betriebskollek¬ tivverträge. 1952 wurden insgesamt 216 Kollektivverträge abgeschlossen, von denen 78 Bundeskollektivver- träge, 87 Länderkollektivverträge, 33 Betriebskollektivverträge und 18 Mindestlohntarife waren. Im Jahre 1953 wurden insgesamt 288 Kollektiv¬ verträge abgeschlossen, und zwar 91 Bundeskollektivverträge, 148 Län¬ derkollektivverträge, 43 Betriebskol¬ lektivverträge und 6 Mindestlohn¬ tarife. Vom 1. Jänner bis 31. Juli 19o4 wurden weitere 127 Verträge abge¬ schlossen, nämlich 70 Bundeskol meine, gleiche, gehei e und direkte Wahl, nach den Grundsätzen des Ver¬ hältniswahlrechtes für die Dauer von fünf Jahren gewählt werden. Es be¬ stimmt auch, daß die Wahlen getrennt in drei Wahlkörper, und zwar je einen für Arbeiter, Angestellte und Verkehrsbedienstete, durchzuführen sind. Die drei Wahlkörper Der Wahlkörper der Arbeiter um¬ faßt alle wahlberechtigten Personen, die nach den Sozialversicherungsvor fichlung auf die Wählerliste! Jede wahlberechtigte Person“"W} männlich oder weiblich, muß in der amtlichen Wählerliste verzeichnet sein. Wer dort nicht eingetragen ist, kann nicht wählen. Das Gesetz und die Wahlordnung sorgen daher da¬ für, daß möglichst lückenlos alle Schriften der ^Invalidenversicherung Wahlberechtigten erfaßt werden. Zu ^erUeqen oder nach den Merk- diesem Zweck verpflichtet das Gesetz malen Ihrer Berufstätigkeit unter- die Krankenkassen, ber welchen ja maien inivi _^ inHpr Rprntstät ae aemeldet sein muß, sc l sse , ä lic 70 es l- l lhrer e™S®^lkö der j.-de Be ui ig g lektivverträge, 48 Länderkollektiv- hegen «^den. Der WaMko per rier Zuhilfenahme ihres Vor¬ verträge und 9 Betriebskollektiv- Angestellten umfaßt alle wanioerecn --Wäblerverzeich- verträge und 9 Üöten Personen, die nach den Sozial- sichertenkatasters vertrage. Dam.t erg.bt sich daß (jsvc;rsctlrlftelr der Auge- nisse anzulegen. loM. a,sSTnr defvergangenen drei- stelltenversicherung unterliegen oder —- einhalb Jahren, 1178 Kollektivver- nach den Merkmalen ihrer Berufs träge abgeschlossen wurden. 427 tätigkeit unterliegen wurden Zum dieser Verträge (36 Prozent) waren Wahlkorper der Verkehrsbedienstete Bundeskollektivverträge, das heißt, gehören alle Arbeiter u n d Angestel- sie gelten einheitlich im gesamten ten, die in den dem öffentlichen ver Bundesgebiet Österreich. kehr dienenden Betrieben, also oei- Die sehr beachtliche Zahl von Ver- spielsweise bei trägen, die da von den Gewerkschaf- bahnen, Autobus- und 0^5116^6^^^ ten oft nach langwierigen und mühe- sofern sie dem Wählerverzeieh- Wahlberechtigte, die wegen Ab¬ wesenheit — Krankheit, Urlaub usw. — nicht in das Verzeichnis aalgenommen wurden oder nicht rechtzeitig das Wähleranlageblatt ablieferten, können zwischen dem 10. und 24. September 1954 schrilt- lich, in den Bundesländern bei der Zweigwahlkommission, in Wien bei der Einspruchskommission, die Eigentümer. Herausgeber und Verleger: Oster- •rcichischer Gewerkschaftsbund. Redaktion: Fritz Klenner und Franz Nekula Verantwort¬ licher Redakteur: Karl Franta. Für die Bild¬ beilage verantwortlich: Fritz Konir Gestaltung der Bildbeilage: August Makart. Alle Wien, 1. Hohenstautengasse 10—12 Verwaltung und Expedition: Wien, III.. Rennweg 1 Druck: Waldheim-Eberle, Wien, VII., Seidengasse 3—11. Die Vol.beschäitigung ir ufl erkämpft werden AAehr als 5 Milliarden Schilling werden in den kommenden Monaten in die Wirtschaft einströmen Die Beschäftigung kann in allen Zweigen der Wirtschaft zunehmen Die höhere Lohnsumme wird die Nach¬ trage nach allen Waren und Dienst¬ leistungen erhöhen »5J / Seite 2 Nr. 224 SOLIDARITÄT

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