Full text: Solidarität - Oktober 1954, Heft 226 (226)

Vielleicht lohnt es sich, die un¬ organisierten Kolleginnen und Kol¬ legen, die sich so vor der Politik fürchten, einmal zu fragen, was sie für eine Antwort gegeben haben, als man sie gegen ihren Willen in „unpolitische" Zwangsorganisatio¬ nen wie die DAF „eingegliedert hat. Bleiben dann noch die Unorgani¬ sierten, die immer besorgt sind, was mit den Gewerkschaftsbeiträgen geschieht — sie selbst haben bis¬ her allerdings noch keinen geleistet. Ihnen kann man sagen, daß der Gewerkschaftsbund jährlich allein für Streik-, Sterbefall-, Altersrent¬ ner-, Arbeitslosen-, Gemaßregelten- und Rechtsschutzunterstützungen 30 bis 35 Millionen Schilling aus- gibt. An sie kann man die Frage stellen: Wer hilft jedes Jahr, daß der Landaufenthalt für fast 10.000 Kinder und Jugendliche in den Heimen des GGB durchgeführt werden kann, und von wo kommen die Mittel für die Kurse, Bibliothe¬ ken und kulturellen Veranstaltun¬ gen, die hunderttausenden Ge¬ werkschaftsmitgliedern Bildung, Freude und Entspannung bringen? Und dann schließlich noch eines: 1180 Kollektivverträge haben die Gewerkschaften unter anderem in den letzten drei Jahren abgeschlos¬ sen und viele Millionen Schilling an rückständigen Löhnen für ihre AAitglieder erkämpft. Fragen wir einmal einen Unorganisierten, ob er glaubt, daß solche Erfolge er¬ rungen werden können, wenn der Gewerkschaftsbund nicht den star¬ ken Rückhalt eines Streikfonds hätte. Eigentlich müßte es heute schon müßig sein, immer wieder darauf hinzuweisen, daß es die Gewerk¬ schaften waren, die den sozialen Aufstieg der Arbeiterschaft er¬ kämpften, und daß ebenfalls sie es sind, die diese Errungenschaften schützen und ausbauen. Wenn in Österreich mehr als 1,300.000 Ar¬ beiter und Angestellte den Wert einer starken Organisation längst erkannt haben, so müßte es daher auch möglich sein, allmählich jene mit dem Gewerkschaftsgedanken vertraut zu machen, die noch im¬ mer grundlos abseits stehen. Kann es also genügen, daß wir nur Mitglieder der Gewerkschaft sind und ihr die Treue halten? Nein! Es wird notwendig sein, auch die Unorganisierten aufzuklären und sie, in unser aller Interesse, für unsere große Organisation zu ge¬ winnen! Die Arbeiterkösnstierwöhlesi als Willesis- kundgebuag der arbeitenden Bevölkerung Am 24. und 25. Oktober wählen die Arbeiter, Privatangestellten und öiient- lich Bediensteten eines jeden Bundeslandes i h r Parlament. Die Bedeutung dieser Wahlen darf aus vielen Gründen nicht unterschätzt werden. Rund 1 1 Millionen arbeitender Menschen in Österreich haben die Möglichkeit, Zusammensetzung und Tendenz ihrer gesetzlichen Interessenvertretung zu gestalten. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, daß eine große Beteiligung an den Kammerwahlen jedem Arbeitnehmer zugute kommt. Fünf Jahre hindurch wird der Einfluß der Arbeiterkammern nicht zuletzt davon abhäugen welches Gewicht ihnen die Kammerangehörigen bei der Wahl ver¬ leihen. Aber nicht nur daß, sondern auch wer gewählt wird, ist von ent¬ scheidender Bedeutung. Eigentümer, Herausgeber und Verleger: öster¬ reichischer Gewerkschaftsbund. Redaktion: Fritz Klenner und Franz Nekgla. Verantwort¬ licher Redakteur: Karl Franta. Für die Bild¬ beilage verantwortlich: Fritz Konir. Gestaltung der Bildbeilage: August Makart. Alle Wien, E, Hohenstaufengasse 10—12. Verwaltung und Evoedition: Wien. III., Rennweg 1. Druck: A'aldhcim-Eberle, Wien, VII., Seidengasse 3—11. Bringt Ordnung in die Holzwirtschaft Vom Holz hängt ein großer Teil der österreichischen Wirtschaft ab Demokratische Aufklärungsarbeit kann in dieser Hinsicht wesentlich dazu beitragen, daß vor allem keine Gewerkschaftsgegner Einfluß in den Arbeiterkammern erhalten. In einem Staat, in dem das Volk in freier und geheimer Abstimmung Ab¬ geordnete in das Parlament und Ver¬ treter in andere Körperschaften ent¬ sendet, sind Wahlen auch ein Anlaß für die Wähler, über Art, Sinn und Bewährung des Wahlkörpers selbst, und ihr Verhältnis zu ihm, nachzu¬ denken. Gerade die Vorbereitungs- arbeit zu den Arbeiterkammerwahlen, zeigte, wie wenig die Kammerangehö¬ rigen bisher von der vielfältigen Arbeit, ihrer gesetzlichen Interessen¬ vertretung wußten. Die Gewerk¬ schaftsfunktionäre sollten in Verbin¬ dung mit ihren Erfahrungen die Kolle¬ gen auf den Zweck der Arbeiterkam¬ mern in eindringlicher Form hin- weisen: Aulgaben der Arbeilerkammcrn Gesetze, Verordnungen und Er¬ lässe sind vor ihrem Wirksamwerden den Arbeitnehmern zur Stellung¬ nahme zu übermitteln; dadurch ist eine zeitgerechte Verbesserung oder Ausschaltung von Verschlechterun¬ gen und klärten möglich. Als Kontrollore aller sozialpoli¬ tischen Vorschriften sorgen die Ar¬ beiterkammern dafür, daß Recbts- verbesserungen nicht ein Stück Pa¬ pier bleiben. Die Arbeiterkammern sind Berater des Staates und der öffentlichen Körperschaften, vor allem aber der Gewerkschaften und Betriebsräte. Sie sind ein Anwalt der Rentner, der Arbeitslosen, der berufstätigen Frauen, der Lehrlinge und anderer Personen, die allein und isoliert zu schwach wären, ihr Recht wahrzunehmen. In den''Arbeiterkammern haben die Konsumenten die einzige öffentliche Interessenvertretung, die aus den widerstreitenden Zielsetzungen die höherwertigen, dem Allgemeinwohl dienenden Gesichtspunkte sachlich überlegend auswählt und vertritt. Im technisierten Zeitalter, das nur mit einer Unzahl von Gesetzen und anderen Vorschriften zu lenken ist, hat die Arbeiterschaft der notwendi¬ gen Spezialisierung durch Schaffung der Arbeiterkammern Rechnung ge¬ tragen. Keine Doppelverfretung Dies ist mit ein Grund, daß die Ar¬ beiter und Angestellten in Österreich über zwei große Interessenorganisa¬ tionen verfügen. Die Unternehmer, die aui diesen Umstand oft in feindseli¬ ger Absicht hinweisen, haben übri¬ gens eine weitaus größere Anzahl von Vertretungen, wobei kaum anzuneh¬ men ist, daß dies dem Zufall oder rei¬ ner Verschwendungssucht entspricht. Von einer Doppelvertretung der Arbeitnehmer durch Arbeiterkam¬ mern und Gewerkschaften kann eigentlich gar nicht gesprochen werden. Die Gewerkschaften bedür¬ fen als Kampforganisationen der Un¬ abhängigkeit vom Staat und von an¬ deren Organisationen. Aut diese Art ist ihnen jedoch der Einfluß in gewissen Bezirken des öffentlichen Lebens verschlossen. Hier springen die Arbeiterkammern ein, die zwar der öffentlichen Kontrolle unterlie¬ gen, dafür aber durch das Gesetz eine bestimmte Einflußmöglichkeit haben, die sie als Fachkörper¬ schaft nach besten Kräften wahr¬ nehmen. Da die Mandatare der Gewerk¬ schaften und der Arbeiterkammern weitgehend identisch sind, kann ge¬ sagt werden, daß die Gewerkschafts¬ funktionäre als Organe der Arbeiter¬ kammern sich gewissermaßen nur jene Kleidung anziehen, in der sie auch offiziell ein Mitspracherecht aus¬ zuüben berechtigt sind. Die Kammerumlage macht sich beiahll Auch über die Kapimerumlage wer¬ den, besonders von einer böswilligen p i e s s^^vret^rmnehuge^ Ansichten verbreitet. Starke, schlagkräftige Ar¬ beitnehmerorganisationen brauchen ein Minimum an finanziellen Mitteln. Der Großteil der Kammerumlage kommt dem Kammer- und Gewerk¬ schattsangehörigen kurziristig wie¬ der zugute. Oft bringt eine e i n- z i g e Maßnahme, die durch das Eingreifen der Arbeiterkammern er¬ zwungen wird, mehr ein als die Kammerumlage in einem längeren Zeitraum ausmacht. Selbstverständ¬ lich erhalten die Leistungen der Ar¬ beiterkammern auch Menschen, die weniger als andere Kollegen an Umlage bezahlen oder die von der Umlagepflicht gänzlich befreit sind; hier sei nur an Arbeitslose, Rentner oder Lehrlinge erinnert. Das Sotidaritätsgetühl in der Ar¬ beiterklasse ist jedoch noch nicht erloschen, um einen derartigen Aus¬ gleich nicht verstehen und billigen zu können. Schließlich dari nicht vergessen werden, daß auch Un¬ organisierte an den Lasten der All¬ gemeinheit beitragen wenn sie Kammerumlage bezahlen, wodurch die Gewerkschaftsmitglieder nicht allein die Kosten der Arbeitnehmer¬ organisationen zu tragen haben. Gerade anläßlich der Arbeiterkanv nierwahlen soll kein aktiver Gewerk- st haftet der Diskussion aus dem Wege gehen und falsche Vorstellun¬ gen, Irrtümer und Feindseligkeit, die in seiner Umgebung spürbar sein mö¬ gen, gelangweilt abtun. Das gro߬ artige Geflecht an sozialpolitischen Schutzeinrichtungen, über das die Ar¬ beitnehmer heute verfügen, wurde nur durch anhaltendes Bemühen der organisierten Arbeiter und Ange¬ stellten errungen. Das Erreichte ist zu sichern, Neues gilt es aber zu er¬ kämpfen. Die Arbeilerkammerwahlen sind ein gegebener Anlaß, daran zu den¬ ken, was noch alles zu geschehen hat: Zahlreiche sozialpolitische Probleme sind in einem fortschritt¬ lichen Geiste zu lösen, die Wirt¬ schaft, die unter beträchtlichen Opfern der arbeitenden Bevölke¬ rung wiederaufgebaut wurde, ist nun zu einem krisenfesten Organis¬ mus zu gestalten, mit Vollbeschäfti¬ gung, gerechtem Anteil der arbei¬ tenden Bevölkerung am Arbeitspro¬ dukt und Erhöhung der Massen¬ kaufkraft. Unirogbor hohe Holzexporle ge¬ fährden die Rohsioffbasis gewisser Industrien Die Überschlägerung bringt Wassermangel, schädigt die gesamte des Waldes Lawinen und Bevölkerung Die Verwirklichung dieser Forde¬ rungen liegt nicht in weiter Ferne, sondern ist rasch und mit relativ einfachen Mitteln möglich, wenn die bewährten Gewerkschafter so wie bisher mit Herz und Verstand den zwei Millionen Arbeitnehmern in Österreich den Weg weisen. CMerdeA ’Ztpe CzHsOH Es gibt ein sehr einfaches Verfah- ren, sich langsam, aber ' nteli na *?- gründe zu richten: Man nehme regel¬ mäßig — sagen wir bei jeder Tohn- auszahlung — entsprechende Mengen von CüHnOH zu sich. C2H5OH ist in jedem Wirtshaus, in jeder Branntwein¬ stube und in jeder Kantine erhältlich. Es kostet nur das schwerverdiente Geld, auf das daheim schon Frau und Kinder warten oder das man sonst sehr gut verwenden könnte. C-rHriOHMW nämlich die chemische Formel für Alkohol, also für das, was Bier, Wein, Schnaps usw. so „berauschend macht. Im Volksmund heißt es: „Wer nie- mals einen Rausch gehabt, der ist kein rechter Mann!" Diesen gehirn¬ schwachen Ausspruch müßte man er¬ gänzen mit der Feststellung: „Wer immer wieder einen Rausch nach Hause bringt, der ist erst recht kein Mann, sondern ein haltloser Schwächling!“ Ein solcher Mensch kümmert sich auch gewöhnlich nicht um seine Gewerkschaft, also nicht um seine ureigensten Interessen. Deshalb: Wenn es schon sein muß, dann mit Maß und Ziel, aber aui keinen Fall ständige Selbstvergiftung durch GUI-OH! Die Holzwirtschaft geht also nicht nur Waldbesiizer und Exporteure etwas an, sondern uns alle Seite 2 Nr. 22ö SOLIDARITÄT

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