Full text: Solidarität - November 1954, Heft 228 (228)

Erschreckende Unfollziffern In Österreich ereignen sich jährlich aut dem Weg von und zur Arbeits¬ stätte und auf dem Arbeitsplatz mehr als 130.000 Unfälle. Diese alarmie¬ rende Tatsache hat oie Sicherheits- techniker im Unfallverhütungsdienst der Allgemeinen Unfallversicherungs- anstält veranlaßt, eine Fachtagung und eine Ausstellung „Neue Wege der Sicherheitstechnik“ im Techni¬ schen Museum in Wien zu veranstal¬ ten. Prominente Sicherheitstechniker und Fachleute haben dort ihre Erfah¬ rungen ausgetauscht und die ein¬ drucksvolle Ausstellung hat dem Publikum gezeigt, welche Vorkeh¬ rungen jeder einzelne treffen kann, um einen Unfall zu verhüten. Ein breiter Raum in der Ausstel¬ lung war den Motorradfahrern einge¬ räumt. Zahlreiche neue Modelle von Sturzhelmen wurden gezeigt, die sie vor der am meisten vorkommenden Verletzung bei Verkehrsunfällen - dem Schädelgrundbruch — schützen sollen. Viele Vorschläge und Anregungen für wirksame Sicherheitsvorrichtun- gen kommen vielfach von den Arbei¬ tern und Angestellten selbst. So war in der Ausstellung eine von einem Werkmeister konstruierte Holzkreis¬ säge zu sehen, die .feine vollkommen gefahrlose und raschere Arbeit er¬ möglicht. In einem Referat auf der Tagung wurde besonders auf die Gefahren der technisierten Land- und Forst¬ wirtschalt hingewiesen. Durch¬ schnittlich 400 Todesopfer, das sind so viele wie in den gesamten ande¬ ren Industriezweigen, sind jährlich zu beklagen. Auch die Zahl der Un¬ fälle zeigt in der Land- und Forst- wirtschaft eine steigende Tendenz. Sie wird im Jahre 1954 auf rund 50.000 geschätzt. (1951: 40.016.) Neuartige Blinklaternen, die auch als Warnsignale verwendet werden können, Preßluftgeräte, für Atem- schutz, neue Wundverbände, Gas¬ masken, Säureschutzanzüge und zahl¬ reiche Sicherheitsvorrichtungen bei Pressen und Bohrmaschinen sollen mit¬ helfen, die oft mit dauernden Schä¬ den verbundenen Unfälle zu vermei¬ den. Ein wichtiger Faktor in diesem Bestreben aber ist der Mensch selbst; seine Aufmerksamkeit, sein Verant- wortungsbewußtsein und sein fach¬ liches Können sind mit imstande, die erschreckenden Unfallziffern auf ein erträgliches Maß zu senken. Arbeiten nach der Arbeitszeit sind unfallgesichert Der Facharbeiter Anton Gruber war schon auf dem Heimweg, als ihm plötzlich einfiel, daß seine Kollegen im Betrieb eine ganz besonders heikle Arbeit durchzuführen hatten. Er wollte ihnen gerne helfen, und obwohl ihn niemand dazu beauftragt hatte, ging er noch einmal auf seinen Arbeits¬ platz zurück, um seinen Kollegen bei¬ zuspringen. Fast zwei Stunden lang ging die Arbeit glatt vonstatten, da geschah plötzlich das Unglück, und der freiwillige Helfer Anton Gruber erlitt bei seiner Tätigkeit einen schweren Unfall. Nachdem er einigermaßen wieder¬ hergestellt war, suchte er bei seiner Unfallversicherungsanstalt um die Verletztenrente an, wurde aber mit der Begründung abgewiesen, daß der Unfall erst zwei Stunden nach der Arbeitszeit erfolgt sei und daher mit der betrieblichen Tätigkeit nicht Zu¬ sammenhänge. Gegen diesen Be¬ scheid berief nun Kollege Gruber beim Schiedsgericht der Sozialver¬ sicherungsanstalt für die Stadt Wien. Er führte auch als Begründung an, daß ihm die Firma für seine Arbeit sogar Überstunden bezahlt ‘ habe und daher von einer außerbetrieblichen Tätigkeit nicht gesprochen werden könne. Das Schiedsgericht der Sozial¬ versicherung gab ihm recht und führte aus, daß Anion Gruber wohl ungerufen bei der Arbeit erschie¬ nen war, aber ohne Zweifel als Ar¬ beitskraft verwendet wurde. Aus diesem Grunde sei seine Tätigkeit unter dem Schutz der Unfallver¬ sicherung gestanden. Daher muß die Anstalt eine Verletztenrente gewähren. (Erkenntnis des Schiedsgerichtes der Sozialversicherung für die Stadt Wien, vom 1. Februar 1954, ZI. 7U 2739/53.) (Fortsetzung von Seite 2) Renten für Heimaiveiiriebene Für Land- und Forstarbeiter die Land- und Forstwirtschaftliche Sozial¬ versicherungsanstalt in Wien, IV., Mommsengasse 35, und ihre Landes¬ stellen in Graz, Linz, Salzburg und Klagenfurt. Für im öffentlichen Verkehr be¬ schäftigt gewesene Arbeiter die Ver¬ sicherungsanstalt der österreichi¬ schen Eisenbahnen in Wien, VI., Linke Wienzeile 48—52. Für alle übrigen Arbeiter die Allgemeine Invalidenversicherungs¬ anstalt in Wien, V., Blechturm¬ gasse 11, und ihre Landesstellen in Graz, Linz und Salzburg. Für Angestellte die Angestellten¬ versicherungsanstalt in Wien, . V., Blechturmgasse 11. Für die Unfallversicherung kom¬ men die folgenden Anstalten in Be¬ tracht: jedem neuen Mitglied ein Buch! 100.000 Schilling Werheprümien! Die Bütketpiide jg- Quieußeep - ü veranstaltet anläßlich ihres dreißigjährigen Bestehens in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1954 einen fteßdäutHS- tkü$li?deeweMewed mit einmaligen Chancen für das neue Mitglied und für den Werber. Auskünite und Prospekte: Büchergilde „Gutenberg", Wien Hl, Rennweg t, und bei den Vertrauens¬ männern und Geschäftsstellen der Büchergilde Gutenberg Für Land- und Forstarbeiter die Land- und Forstwirtschaftliche Sozial¬ versicherungsanstalt. Für im öffentlichen Verkehr be¬ schäftigt gewesene Arbeiter die Ver¬ sicherungsanstalt der österreichischen Eisenbahner. Für alle übrigen unfallversichert gewesenen Personen die Allgemeine Unlällversicherungsanstalt in Wien, XX., Webergasse 2—6, und ihre Lan¬ desstellen in Graz, Linz und Salz¬ burg. Jeder heute in Österreich wohn¬ hafte Arbeitnehmer, der irgendwann einmal in den Oststaaten beschäftigt war, soll innerhalb eines Jahres seinen Vormerkungs- oder Rentenantrag ein- b ringen. Qrabc eines Arbeiters Lines t diios alter •••• (tu höbst:scInvctv ?: Lasten War s geschehen du katnsl ins Krankenbett! Zwci Tage spalet, cIT wir's no<.h erfaßte«. Shtml dein Name — und ein Kreuz am Schwarzen Brett! I attsend/widi. das war die Nummer deiner Karle —- Ich wußte sonsi tm Anfang nichts von dir. Du tTingsf am Montag trüb zum Tore, Unterm Arm den blauen Anzug, neben mir Tuusendzwoif, ila^ war rite Nummer deiner Karte. Der SU;!:!/ an dern Regal tsl heule leer: Du gingst vor mir hinaus zum groben Tore Dort braucht man keine Stempel barte mehr. Später sagten wir in lätTnerlüIller f falte Als ersten CJrul.' uns (.|as vertraute „Du"-T~ Wie Lrcunde wurden wir mit einem Male. Ein gleiches Schicksal tührle uns daru. Wenn ich heuT für immer Feierabend machte, trug ich drüben nur nach Tausendzwulf nach dir! Den» jeden Montag gingst du, eh' der Tag erwachte, Unterm Arm den blauen Anzug, neben mir. lose! K I c 11 Manchmal sprachen wir belanglos auf (fern Wege Wir gingen fahr um fahr zur gleichen Schichl Ob sich der gleiche Glaube in uns rege! Das wußte einer von dem andern nicht.. Allerfcclcn - Unfcrcn Toten ein ehrcnOcß Gcöcnken Seite 4 Nr. 228 SOLIDARITÄT

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