Full text: Solidarität - Jänner 1991, Heft 720 (720)

KONSUMENTEN Kraft zu setzen und Fir¬ men, die sich solcher¬ art bereichern, zu be¬ strafen. Wie gesagt, so ist es in anderen europäischen Ländern. Wer in Öster¬ reich Europapreise will, der wird auch das öster¬ reichische Kartellrecht eu¬ ropakonform gestalten müssen. „Haben Sie schon gese¬ hen? Bei der Firma M. ist die Packung Kaffee um fünf Schilling teurer als der gleiche Kaffee in ei¬ nem anderen Geschäft. Und die Kekse sind um drei Schilling teurer! Fast alles ist dort teurer. Warum unternehmen Sie nichts dagegen?“ wird ein Funktionär der Konsu¬ menteninformation in ei¬ ner U-Bahn-Station laut- In Ausnahme¬ fällen muß der Staat die Möglichkeit haben, Preise auch amtlich festzusetzen. stark von einem Passanten angesprochen. Sofort bil¬ det sich eine Menschen¬ traube um die beiden Dis¬ kutierenden. Eine Art Passagendiskussion ent¬ steht. „Sie müssen doch nicht in dem teuren Ge¬ schäft kaufen. Kaufen Sie einfach im billigeren“, antwortet der Funktionär. Doch er stößt auf wenig Verständnis. „Die hohen Preise müßte man einfach verbieten!“ ruft eine Stim¬ me aus den Hintergrund. „Was heißt Wettbewerb? Daß der Kaffee so teuer ist, merke ich ja erst bei der Kassa. Und auch nur dann, wenn ich weiß, was der Kaffee woanders ko¬ stet.“ Die Empörung en¬ det erst, als der Zug in die U-Bahn-Station einfährt. Tatsache ist, daß über¬ höhte Preise in Öster¬ reich nicht durch eine Entscheidung der Be¬ hörde, nicht durch Verbot der hohen Preise, sondern durch Wettbewerb be¬ kämpft werden. Wenn der Betrieb, der zu hohe Prei¬ se verlangt, auf seiner Ware sitzenbleibt, wird er wohl oder übel billiger werden. Wenn ein niedriger Preis vermehrte Nachfra¬ ge bedeutet, dann wird der billige Betrieb zwar bei je¬ dem verkauften Stück we¬ niger, durch vermehrten Umsatz insgesamt jedoch mehr verdienen. Das alles setzt freilich voraus, daß die Menschen Preise vergleichen kön¬ nen. Zum Beispiel da¬ durch, daß auf jeder Pak- kung ein Preispickerl klebt. Doch diese Preis- pickerln beginnen zu ver¬ schwinden. Die Rechnung an der Scanner-Kasse kann sie nicht ersetzen. Schon gar nicht, wenn dort unvernünftige Abkürzun¬ gen verwendet werden und man ahnen muß, daß „3 Pkt.Tsch.“ drei Pakete Papiertaschentücher be¬ deuten. Wettbewerb Dem letzten Nationalrat lag knapp vor den Wahlen ein Entwurf für ein Preis¬ auszeichnungsgesetz vor. Es wurde leider nicht mehr verabschiedet. Wer Europapreise will, wird dem Käufer auch den Preisvergleich erleichtern müssen und für ein zeitge¬ mäßes Preisauszeich¬ nungsgesetz eintreten. 1 lZ7as tun’ wenn der MW/ Wettbewerb, der Fr die niedrigeren Preise bringen soll, trotz aller Bemühungen des Staates nicht funktioniert und nicht zum Leben er¬ weckt werden kann? Was tun, wenn die Erdölwirt¬ schaft riesige Lager voll billig eingekauften Rohöls und Benzin hat, aber die Preise erhöht, weil das Wiederauffüllen dieser Lager irgendwann nach ei¬ nem Jahr, wenn die Vorrä¬ te aufgebraucht sind, teu¬ rer kommen könnte? Was tun, wenn die Preise für Benzin und Heizöl hinauf¬ gesetzt werden, weil die Weltmarktpreise steigen - auch wenn sich das auf die österreichische Versor¬ gung noch gar nicht aus¬ wirkt - aber oben bleiben, wenn die Weltmarktpreise wieder fallen? In Ausnahmefällen muß der Staat die Möglichkeit haben, Preise auch amt¬ lich festzusetzen. Und er muß die Möglichkeit ha¬ ben, Preistreiber, die un¬ gewöhnliche Situationen brutal zu ihrem Vorteil mißbrauchen, empfindlich zu bestrafen. Auch das gibt es in anderen Län¬ dern. Auch das gehört zu Europapreisen. Europapreise würden bedeuten, daß unser aller Lebensstandard um zehn Prozent höher ist als heu¬ te. Europapreise würden bedeuten, daß Österreichs Wirtschaft sich zeitgerecht auf den europäischen Wettbewerb vorbereitet. Doch sie kommen nicht von selbst. Jede einzelne Branche kämpft in ihrem Bereich für die Erhaltung ihres eigenen hohen Preis¬ niveaus. Es wird großer Anstrengungen der Ge¬ werkschaften und Arbei¬ terkammern bedürfen, um diesen Egoismus zu über¬ winden und im Interesse von uns allen echte Preis¬ senkungen durch- pi zusetzen. CJ Text: Dr. Fritz Koppe OSSIACH S22.12''990und 6 4.1991 F HAFNERSEE • 23 2.1991 und •»«BssaöÄ arte in unseren^ ÄSssfä !s-Zund Nä'chVigungs- Preis pro Person s2605 - Kinderbvon «hn bis s1530 _ lOndervon sechs bis s ttücksbutte^ kostenlos. UNSER fERIE^T Silvesterwoche Ferienwohnungen für zwe^bls6acht Personen- Preis pro'Woche s3500,- schon ab Solidarität 23

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