Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1926 Heft 10 (10)

381 ARBEIT UND WIRTSCHAFT 382
Wenn trotzdem ein höherer Reingewinn erzielt wurde,
so ist das darauf zurückzuführen, daß die Unkosten, vor
allem die Personalkosten, und die Steuern stark zurück¬
gegangen sind. Dabei sind unter den Unkosten auch die
Abfertigungen für die Abgebauten verbucht, so daß in den
kommenden Jahren, in denen der Abbau keine so große
Rolle mehr spielen wird, das Unkostenkonto noch stärker
entlastet werden wird. Die Steuern, die im Jahre 1924
5,867.000 S betragen haben, haben sich um 1,843.000 S, also
um nahezu 30 Prozent, verringert. Es zeigt sich, welche
Bedeutung für die Banken die Herabsetzung der Körper¬
schaftssteuer und der Abbau durch Ersparung an Fürsorge¬
abgabe gehabt hat.
Besonderes Interesse beansprucht aber die Bilanz der
Bodenkreditanstalt auch deshalb, weil sie die erste Gold¬
bilanz ist, die eine Bank veröffentlicht. Das Nominalkapital
betrug bisher 10-8 Milliarden Kronen, zu dem noch Re¬
servefonds in der Höhe von 271-5 Milliarden Kronen
kamen. Dieses Kapital wird nunmehr umgestellt auf 30 Mil¬
lionen Schilling (gleich 300 Milliarden Kronen), zu dem
noch ein ordentlicher Reservefonds von 15 Millionen und
eine Kapitalsrücklage von 5 Millionen, zusammen also Re¬
serven von 20 Millionen Schilling (gleich 200 Milliarden
Kronen) kommen. Es hat also eine starke Aufwertung des
Eigenkapitals Platz gegriffen. Gegenüber dem Jahre 1914
ist allerdings noch ein starker Rückgang zu verzeichnen.
Am 24. März 1914 wurde nämlich beschlossen, das Aktien¬
kapital auf 63 Millionen Kronen zu erhöhen, allerdings
wurde diese Erhöhung erst im Mai 1916 durchgeführt. Der
Reservefonds betrug im Frieden gewöhnlich 50 Prozent
des Nominalbetrages der ausgegebenen Aktien. Außer¬
dem existierten noch ein Agiofonds, der aus den Uber¬
preisen der neubegebenen Aktien gebildet wurde, und ein
außerordentlicher Reservefonds. Es ist im Augenblick nicht
möglich, festzustellen, welche Höhe diese Fonds zusammen
im Jahre 1914 erreicht haben, doch dürfte ihre Höhe hinter
der des Aktienkapitals nicht wesentlich zurückgeblieben
sein. Gegenüber diesen Ziffern erscheint der Betrag von
50 Millionen Schilling gleich rund 35 Millionen Goldkronen
nicht allzu beträchtlich. Man sieht aus ihm die schweren
Einbußen, die die österreichischen Banken durch den Krieg
und die Zerreißung des alten Wirtschaftsgebietes er¬
litten haben.
Freilich ist mit diesen Mitteln der Bestand an Aktiven
keineswegs erschöpft. Wie aus der weiter unten abge¬
druckten Bilanz hervorgeht, schätzt die Bodenkreditanstalt
ihren Besitz an Wertpapieren mit 36-2 Millionen Schilling
ein. Dabei muß man in Betracht ziehen, mit welchen Ge¬
sellschaften die Bodenkreditanstalt in Verbindung steht.
Dazu zählen unter anderen: die Donaudampfschiffahrts¬
gesellschaft, die Berg- und Hüttenwerksgesellschaft, die
Böhlerstahlwerke, die Staatseisenbahngesellschaft, War-
chalowsky. die Steyrerwerke A. G. (früher Waffenfabrik),
die Ringhofierwerke in Prag, die Jute-, Hanf- und Textilit-
A.-G., die Neusiedler A. G. für Papierfabrikation, die Fanto
Mineralölgesellschaft und eine ganze Reihe bedeutender
Industrie- und Handelsgesellschaften und auch Banken. Es
ist klar, daß die Bewertung dieses Besitzstandes außer¬
ordentlich vorsichtig ist, ebenso wie auch in der Beteili¬
gung an Konsortialgeschäften starke Reserven liegen.
Bemerkenswert ist in der Bilanz der erhebliche Zuwachs
an Wechseln (unter Portefeuille aufgeführt) und an Hypo¬
thekardarlehen, denen auf der Passivseite eine fast ebenso
starke Zunahme an Pfandbriefen gegenübersteht. Das be¬
weist, daß die Bodenkreditanstalt allmählich wieder in ein
normales Fahrwasser zurückzulenken versucht, indem sie
die Eskomptierung von Industriewechseln und die Ver¬
mittlung von Hypothekardarlehen wieder aufnimmt. Her¬
vorzuheben ist ferner der starke Zuwachs der Kassen¬
bestände, die nicht weniger als 8 Millionen Schilling, also
mehr als ein Viertel des Aktienkapitals ausmachen. Darin
liegt deutlich das Bestreben, möglichst große flüssige Mit¬
tel zur Verfügung zu haben.
Insgesamt läßt sich der Eindruck dieser Bilanz dahin
zusammenfassen, daß die Bodenkreditanstalt auch in die¬
sem Jahre der Krise nicht ungünstig gearbeitet hat. Es
zeigt sich, daß die Klagen der Banken über eine allzu
starke Belastung ihres Geschäftes durch Personalkosten
und Steuern nicht berechtigt sind, da diese beiden Posten
in einem viel erheblicheren Ausmaß zurückgegangen sind,
als in der Zinsspanne zwischen Einlage- und National¬
bankzinssatz einerseits und den den Bankkunden ange¬
rechneten Zinsen anderseits zum Ausdruck gekommen ist.
Im übrigen bemerkt man eine Tendenz zur Normalisierung
des Geschäftes, die sich in dem Zurücktreten der Gewinne
aus Devisen- und Konsortialgeschäften und in einer Ver¬
größerung der Einnahmen aus Zinsen und Hypothekar-
geschäften bemerkbar macht. Mehr als diese allgemeinen
Bemerkungen lassen sich bei der Betrachtung einer Bank¬
bilanz kaum machen, da selbstverständlich diese Bilanz
ebenso frisiert ist wie alle Bankbilanzen in Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Es wird meist aus einer Bank¬
bilanz nur das herauszulesen sein, was ihre Macher in ihr
zum Ausdruck bringen wollten. Da die meisten Banken
ihre Bilanzen nach gemeinsamen Grundsätzen aufzustellen
pflegen, ist nach dem Vorgang der Bodenkreditanstalt an¬
zunehmen, daß die Dividenden keine wesentlichen Ände¬
rungen aufweisen werden, während überall die von uns
geschilderten Tendenzen mehr oder minder zum Ausdruck
kommen dürften.
Die von uns schon mehrfach verzeichnete Tendenz zur
Kartellierung hat in der letzten Zeit in Österreich wieder¬
um zwei Erfolge zu verzeichnen. Die drei Zündholz-
unternehmungen, die Solo, Vulkan und Sirius, die
sich bisher erbittert mit Hilfe von Schleuderpreisen be¬
kämpft haben, haben diesen Krieg aufgegeben und sich auf
eine gemeinsame Erhöhung der Preise geeinigt. Dasselbe
hat sich in der Brauindustrie ereignet, in der sich
ebenfalls geraume Zeit ein scharfer Konkurrenzkampf ab¬
gespielt hat, da die Wiener Brauereien zunächst versuch¬
ten, in den Alpenländern den dortigen Brauereien die Kun¬
den wegzufischen, woraus namentlich die steirischen Fa¬
briken in Wien ihr Bier möglichst billig loszuschlagen
suchten. Anfang März einigten sich zunächst die Wiener
Brauherren mit den ober- und niederösterreichischen Ver¬
bänden, Ende März schlössen sie auch mit den übrigen
alpenländischen Brauereien Frieden. Es wurde vereinbart,
daß niemand dem anderen Kunden wegnehmen dürfe und
daß überdies die Belieferung nach einheitlich ausgearbei¬
teten Kreditbedingungen zu erfolgen habe. Vor allem aber
sollte der Bierpreis sofort in die Höhe gesetzt werden.
Gegen dieses Diktat der Brauereien wehrten sich die
Wiener Gastwirte, die dadurch der sie beliefernden Braue¬
rei mit Haut und Haaren ausgeliefert wurden. Sie prokla¬
mierten daher den Bierboykott, der einige Tage dauerte
und, wie von vornherein vorauszusehen war, mit einem
Nachgeben der Gastwirte und einer Erhöhung der Bier¬
preise endete. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß
das Städtische Brauhaus der Gemeinde Wien sich von
allen Vereinbarungen und auch von der Preiserhöhung
ausgeschlossen hat.
Der Ruhm der Brauereien ließ anscheinend die Wiener
Bäcker nicht schlafen und so fanden sie plötzlich her¬
aus, daß sie beim Weißgebäck daraufzahlten und daher
den Semmelpreis erhöhen müßten. Vorläufig bemüht
sich die Preisprüfungsstelle auf Grund von Probebackun-
gen eine einwandfreie Kalkulation zu erstellen, ohne daß
der Krieg der Bäcker zu einem Abschluß gekommen wäre.
Nach den bisherigen Erfolgen der Teuerungsbekämpfung
wird man aber nicht allzuviel Hoffnung haben dürfen.
Mit begrüßenswerter Raschheit veröffentlicht der Han¬
delsstatistische Dienst nunmehr schon die Daten für den
Außenhandel im Februar 1926. Es zeigt sich, daß das Er¬
gebnis des Außenhandels in diesem Monat günstiger war
als im Vormonat, da die Ausfuhr an Rohstoffen, Halbfabri¬
katen und vor allem an Fertigwaren stark gestiegen ist,
während die Einfuhr einen kleinen Rückgang aufweist, der
sich auf die Gruppen lebende Tiere, Nahrungs- und Ge¬
nußmittel, Rohstoffe und Halbfabrikate verteilt, wogegen
die Einfulir an Fertigfabrikaten eine Vergrößerung zeigt.
Die einzelnen Daten bringt die folgende Aufstellung:
Einfuhr:
Jänner Februar Janner-Februar
1926 1926 1925
Millionen Schilling
Gesamtwert 224-3 217-4 371-6
davon:
Lebende Tiere 160 12-8 28-8
Nahrungs- und Genußmittel . . 58-9 54-9 908
Rohstoffe u. halbfertige Waren 78-5 68-5 1320
Fertigwaren 68-5 78-7 109-8
Gold und Silber, auch gemünzt . 2-4 2-5 10-2
Ausfu hr:
Gesamtwert 108-4 130-7 264-4
davon:
Lebende Tiere 0-7 0-5 1-5
Nahrungs- und Genußmittel . . 2-2 2-2 5-7
Rohstoffe u. halbfertige Waren 23-8 28-0 580
Fertigwaren 790 98-2 188-4
Gold und Silber, auch gemünzt . 2-7 1-8 10-8
        

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