Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1929 Heft 06 (06)

227 ARBEIT UND WIRTSCHAFT 228
große Zeit der Kohle ist vorüber; wird sie dank der
Kohlenverflüssigung wiederkehren ?
In fast genau demselben Ausmaß wie die Welt¬
erzeugung an diesen wichtigsten industriellen Roh¬
stoffen ist auch der W e 11 k o n s u m gestiegen. Der
Weltverbrauch an Aluminium ist auf das Vierund-
zwanzigfache, der Konsum von Petroleum auf mehr
als das Achtfache, der Verbrauch von Kupfer auf das
Dreifache, der von Zink auf beinahe das Dreifache,
der Weltkohlenkonsum um etwa 80 Prozent ge¬
stiegen.
An dieser außerordentlichen Entwicklung, die der
Weltkapitalismus von 1900 bis 1927 genommen hat,
sind allerdings die verschiedenen kapita¬
listischen L ander in sehr verschi e-
denem Maße beteiligt. Es ist in den letzten
Jahren bereits ein Gemeinplatz geworden, darauf zu
verweisen, daß den Löwenanteil an dieser Entwick¬
ln allen Wirtschaftszweigen, deren Entwicklung
liier dargestellt wird, erhebt sich die Säule, die die
Gesamtproduktion der Welt darstellt, weit über die
Grundlinie, die den Produktionsumfang von 1900 ver¬
sinnbildlicht. Und fast überall ragt der Anteil der
Vereinigten Staaten vergleichsweise viel höher als
1900. Es ist selbstverständlich, daß die Vereinigten
Staaten infolge dieser außerordentlichen Entwicklung
auch ihre Stellung im Welthandel verändert
haben: vor dem Krieg standen die Vereinigten
Staaten im Außenhandel der Welt an dritter Stelle
hinter Großbritannien und Deutschland jetzt wer¬
den sie nur mehr wenig vom Außenhandel des
britischen Weltreiches übertroffen. Die Einfuhr ist
ungleich rascher als die Ausfuhr gewachsen: die Ein¬
fuhr ist auf das Fünffache, der Export auf mehr als
das Dreifache gestiegen. Die Vereinigten Staaten sind
infolge ihrer riesenhaften Fertigwarenerzeugung
die Aiitomobilindustrie voran — ein Rohstoffeinfuhr¬
land von geradezu unermeßlicher Aufnahmsfähigkeit
geworden.
Sehr aufschlußreich ist der Überblick, den die
Publikation des Statistischen Reichsamtes über die
Entwicklung der einzelnen Industrie¬
zweige in den Vereinigten Staaten gibt. Am inter-
lung die außereuropäische n Länder, vor allem
die Vereinigten Staaten von Nordamerika..
davongetragen haben. „Die Wirtschaft des Aus¬
landes" gibt im einzelnen über diese Entwicklung
Aufschluß, indem sie bei der Darstellung der wirt¬
schaftlichen Entwicklung jedes einzelnen Landes vor
allem auf den Vergleich der industriellen Produktion
in den einzelnen Perioden des Vierteljahrhunderts
verweist. Da sieht man, daß in allen großen kapi¬
talistischen Ländern die industrielle Produktion un¬
geheure Fortschritte gemacht hat, auch in den Län¬
dern, deren prozentualer Anteil an der Welterzeu¬
gung infolge des noch rascheren Fortschrittes in
anderen Ländern zurückgegangen ist. Die gewaltigste
Entwicklung haben die Vereinigten Staaten zurück¬
gelegt, wie die folgende, aus der „Wirtschaft des
Auslandes" übernommene graphische Darstellung;
zeigt:
essantesten ist der Fortschritt der Automobil-
i n d u s t r i e.
Zahlxder 1 Lohn- Verarbeitetes] Bruttoproduk-
Betriebe empiänser [Material tionswert
1000 MillionenTDollar
1899 . . . 57 2'2 rs 47
1909 . . . 267 51'3 1077 193'8
1914 . . . 300 79'3 292'6 503'2
1919 . . . 315 210'6 15787 23879
1925 . . . 297 1977 21082 3198'1
Der grandiose Aufstieg der Automobilindustrie
und die immer wieder fortschreitende Rationali¬
sierung zeigt sich auch in dieser Tabelle, die durch
die Entwicklung der Automobilindustrie in den letzten
Jahren zweifellos schon wieder weit überholt ist:
weniger Betriebe, weniger Arbeiter, aber zugleich
außerordentlich gestiegener Arbeitsumfang, wie die
Zunahme des verarbeiteten Materials und die Pro¬
duktion zeigt. Die typischen Rationalisierungswirkun¬
gen zeigen sich auch in der Entwicklung der Auto¬
mobilindustrie. wie übrigens auch in den meisten
anderen Industriezweigen: wachsender Pro¬
duktionsumfang bei sinkender A r b e i-
t e r z a h 1 und fortschreitender Konzentration der
Betriebe. Gesteigerte Arbeitsleistung ist das Geheim¬
nis auch des amerikanischen Wirtschaftserfolges.. -
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