Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1929 Heft 11 (11)

429 ARBEIT UND WIRTSCHAFT 430
reichischen Gewerkschaften im Verhältnis zum Lohn
sicherlich ebensoviel steuern wie die Gewerkschafter
anderer Länder, ergeben sich so große Unterschiede. An
den vorstehenden Zahlen ist wieder so recht ersichtlich,
wie arm eigentlich die österreichische Arbeiterklasse ge¬
worden ist.
In dem zweiten Teil gibt der Bericht die Entwicklung
der Internationalen Berufssekretariate wieder. In Tabelle II
sind die Zahlen der den Internationalen Berufssekretariaten
angeschlossenen Mitglieder und Organisationen für den
1. Jänner 1927 und den 1. Jänner 1928 angeführt.
Tabelle II.
Zahl der angeschlossenen
Name des internationalen Mitglieder 0r8:ani" Mitglieder 0rRani-
Beruissekretariates Mitglieder sationen Mitgliedersationen
am 1. Jänner 1927 am 1. Jänner 1928
Bauarbeiter 761.606 26 844.714 25
Bekleidungsarbeiter . . . 306.877 30 302.771 28
Bergarbeiter 1,878.706 17 1,652.748 17
Buchbinder 79.509 16 82.979 16
Buchdrucker 180.467 22 183.314 22
Diamantarbeiter 22.696 10 22.830 9
Fabrikarbeiter 562.136 19 605.946 22
Friseurgehilfen 9.169 9 9.1691) 9
Glasarbeiter 94.827 10 89.843 12
Holzarbeiter 999.668 41 1,062.067 48
Hotelangestellte 62.683 17 66.664 17
Hutarbeiter 48.576 13 37.273 11
Keramarbeiter 119.457 6 152.192 6
Laudarbeiter ...... 314.666 17 371.631 18
Lebensmittelarbeiter . . 745.001 28 773.409 31
Lederarbeiter 283.399 24 306.157 26
Lehrer . . 80.964 7
Lithographen 46.081 22 49.247 21
Maler 181.375 12 237.104 13
Metallarbeiter 1,582.932 27 1,835.541 28
Öffentl. Dienste u. Betriebe 498.673 17 523.975 17
Postler 475.304 29 383.205 30
Privatangestellte .... 691.387 43 706.808 47
Steinarbeiter 103.944 14 112.257 14
Tabakarbeiter 106.418 12 119.804 13
Textilarbeiter 941.551 15 960.901 12
Transportarbeiter . . . . 2.042.680 82 2,084.168 77
Insgesamt . . 13,139.788 578 13,657.681 596
Hier ergibt sich ebenfalls eine Steigerung der Gesamt¬
mitgliederzahl: sie beträgt 517.893 Mitglieder oder 3'9 Pro¬
zent des Standes vom 1. Jänner 1927. Fünf' Internationale
Berufssekretariate verzeichnen einen Abgang, hingegen
20 Sekretariate Zunahmen ihres Mitgliederstandes. Die
größten Verluste weisen auf: Hutarbeiter (23'3 Prozent),
Postler (19'4 Prozent) und Bergarbeiter (12 Prozent). Die
Verluste erklären sich dadurch, daß die amerikanische
Hutarbeiterorganisation nicht mehr dem Internationalen
Berufssekretariat angehört, weiter die englischen Post-
angesteliten infolge des englischen Gewerkschaftsgesetzes
aus ihrem internationalen Berufssekretariat ausscheiden
mußten, und die englische Bergarbeiterorganisation itn
Jahre 1927 75.000 Mitglieder verloren hat.
*) 1. Jänner 1927.
Größere Zunahmen verzeichnen folgende Internationale
Berufssekretariate: Maler (307 Prozent), Keramarbeiter
(27'4), Landarbeiter (18'1), Metallarbeiter (16), Tabak¬
arbeiter (12'6) und Bauarbeiter (10'9 Prozent).
Den Internationalen Berufssekretariaten sind vielfach
Organisationen angeschlossen, die dem I. G. B. nicht an¬
gehören, da die betreffenden Landeszentralen dem I. G. B.
nicht angeschlossen sind. Am 1. Jänner 1928 betrug die
Zahl der den Internationalen Berufssekretariaten an¬
geschlossenen. aber nicht dem I. G. B. angehörigen Mit¬
glieder 2,068.234. Die Zahl dieser Mitglieder, ihrer Organi¬
sationen und der in Frage kommenden Berufssekretariate
verteilt sich auf die einzelnen Erdteile folgendermaßen:
Zahl der
Erdteil I.JB. S. Organisationen Mitglieder
Europa 22 64 655.933
Amerika 10 15 1,286.736
Asien 2 5 92.162
Australien 4 4 33.403
Insgesamt . . 24 88 2,068.234
Die Zahl der Internationalen Berufssekretariate ergibt
sich nicht aus der Addition, da es sich oft um dieselben
Sekretariate handelt.
Die Weltgewerkschaftsbewegung ist in nachstehender
Aufstellung gezeigt:
1. Jänner 1925 1. Jänner 1928
In Prozenten In Prozenten
der Gesamt- der Gesamt¬
zahl zahl
Richtung I. G. B. . . .17,702.431 49" 1 19,377.448 42
Kommunistische Org. . 7,333.845 20'3 13,670.462 29'6
Konfessionelle Org. . . 2,112.109 5'9 2,149.069 4'6
Syndikalistische Org. . 471.439 1*3 285.500 0'6
Verschiedene Org. . . 8.442.887 23'4 10,704.581 2.V2
Insgesamt. .35,062.711 100 46,187.060 100
Obwohl die Zahl der dem I.G.B, am 1. Jänner 1925 an¬
geschlossenen Mitglieder wesentlich kleiner war als am
1. Jänner 1928 ist der Anteil der freien Gewerkschaften an
der Gesamtzahl von 49'1 Prozent auf 42 Prozent gesunken.
Dies ist vor allem auf die starke Erhöhung der Gesamt¬
zahl zurückzuführen, die zum Teil dem I.G.B., den unter
„Verschiedene" angeführten Organisationen und zum
größten Teil den kommunistischen Organisationen zugute
kommt. Den kommunistischen Organisationen gehören
10,248.000 Russen an und werden andererseits 2,800.000 Chi¬
nesen mitgezählt. Der Bericht des I. G. B. bezeichnet dies
als „wenig mehr als Bluff".
Das allgemeine Ergebnis ist eine bedeutende Stärkung
der dem Internationalen Gewerkschaftsbund und den
Internationalen Berufssekretariaten angeschlossenen freien
Gewerkschaften. Dies ist mit um so größerer Genugtuung
zu verzeichnen, als mit dem Erstarken der Reaktion in den
verschiedenen Ländern die Kämpfe der freien Gewerk¬
schaften immer schwieriger wurden. Die österreichische
freie Gewerkschaftsbewegung hat an diesen Kämpfen ihren
redlichen Anteil aufzuweisen.
DIE ARBEITSDISZIPLIN IN DEN RUSSISCHEN
BETRIEBEN
Von Alexander Werner
Eines der wichtigsten Probleme der russischen 1 tidu-
striajisierungspolitik ist die Frage der Herabsetzung
d e f' P r o d u k t i o n s k o s t e n. Es ist eine bekannte Tat¬
sache, daß die russische Industrie teuer produziert und
ihre Entwicklung nur den Absperrungsmaßnahmen des
Außenhandelsmonopols zu verdanken hat. Da nun
die Sowjetregierung mit einem reichlichen Zufluß des aus¬
ländischen Kapitals nicht rechnet, so beruht ihr Industria¬
lisierungsplan ausschließlich auf innerer Finanzierung, auf
inländischer Akkumulation. Die Akkumulation des Kapitals
ist aber unter den gegebenen russischen Verhältnissen zum
großen Teil nur im Wege der Herabsetzung der Ge¬
stehungskosten möglich. Davon, ob die Kurve der Her¬
stellungskosten aufwärts oder abwärts gehen wird, hängt
im wesentlichen die Möglichkeit der weiteren Kapital¬
investitionen ab.
Welche Bedeutung die Sowjetregierung der Frage der
Herabsetzung der Herstellungskosten beimißt, ist daraus
zu erkennen, daß nach dem Wirtschaftsplan für das lau¬
fende Wirtschaftsjahr von den 1500 Millionen Rubeln In¬
vestitionskapital 700 Millionen Rubel auf die Herabsetzung
der Gestehungskosten entfallen sollen. Nach dem Plan
sollen die Kosten im Jahre 1928/29 um 7 Prozent herab¬
gesetzt werden. Die Nichteinhaltung des Planes bloß um
1 Prozent würde schon eine Verminderung der Kapital¬
investitionen um 100 Millionen Rubel bedeuten. Die Folgen
solchen Ausfalles zeichnete sehr drastisch der Stellvertre¬
ter des Vorsitzenden des Obersten Wirtschaftsrates
        

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