Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1953-54 Heft 06 (06)

In diesem Sinne sind sie also Manager der öffentlichen
Hand. Sie müssen deswegen aber nicht notgedrungen
aus dem Staatsdienst stammen4). Obwohl man meist
Fachleute für die Delegierung in die diversen von der
öffentlichen Hand kontrollierten Unternehmen aus¬
gewählt hat, dürfte diese Auswahl doch auch maßgeb¬
lich durch politische Gesichtspunkte bestimmt worden
sein. Von den insgesamt 25 in diese Untersuchung ein¬
bezogenen Managern fallen nach unserer Klassifizie¬
rung 8 in die Gruppe der öffentlich-politischen Manager,
die ihr Dasein als solche vor allem der Förderung durch
die verschiedenen politischen Gruppen verdanken.
ad b) Manche in der Gruppe der Bankmanager
verdanken ihre Stellung denselben Gründen wie der
größte Teil der öffentlich-politischen. Trotzdem er¬
scheint ihre Heraushebung als eigene Gruppe aus ver¬
schiedenen Gründen als gerechtfertigt. Es scheinen in
dieser Gruppe nur leitende Angestellte der verstaat¬
lichten Banken auf, die ja bekanntlich trotz ihrer Natio¬
nalisierung ein ziemlich ausgeprägtes Eigenleben füh¬
ren. Dieser Gruppe wurden elf Manager zugeordnet.
ad c) Der Ausdruck Privatmanager soll andeuten,
daß hier hoch bezahlte Angestellte einen Teil der Unter¬
nehmerfunktionen im Auftrage von privaten Eigen¬
tümern (Aktienbesitzern) ausüben und tatsächlich das
oder die Unternehmen leiten. Allerdings wurde hier vom
Verfasser insofern eine Inkonsequenz begangen, als in
diese Gruppe auch eine Person eingegliedert wurde, die
kein besoldeter Manager, sondern tatsächlich noch
Unternehmer im wahren Sinne des Wortes ist. Doch
dürfte diese Inkonsequenz insofern entschuldbar sein,
als ja erstens durch diese Untersuchung auch das Aus¬
maß der Kapitalkonzentration schlechthin festgestellt
werden sollte und sie zweitens den Gültigkeitswert des
Ergebnisses über die managerielle Konzentration fast
gar nicht beeinflußt. Der Gruppe der Privatmanager
wurden sechs Personen zugeordnet.
Von den acht öffentlichen Managern werden 48 Un¬
ternehmen mit einem Aktienkapital von 1428 Mill. S
kontrolliert, von den elf Bankmanagern 98 Unterneh¬
men mit einem Kapital von 777 Mill. S5) und von sechs
Privatmanagern 47 mit einem Kapital von 439 Mill. S6).
Gerade in diesem Ergebnis zeigt sich aber wieder die
Problematik, auf die schon anläßlich der beiden früher
veröffentlichten Arbeiten über die Aktiengesellschaften,
wenn auch in anderem Zusammenhang, hingewiesen
wurde, wieder mit aller Deutlichkeit: daß nämlich das
heute nominell ausgewiesene Aktienkapital auf Grund
seiner historischen Bewertung manchen Vergleichen
eine unsichere Basis verleiht. Das ist besonders ins Auge
springend, wenn man die Konzentration in den Hän¬
den der öffentlichen und Bankmanager vergleicht. So
wird von den öffentlichen Managern eine beachtlicher
Anteil der jüngeren Aktiengesellschaften kontrolliert,
deren Nominalkapital daher dem Realwert noch verhält¬
nismäßig nahekommt (zum Beispiel Energiewirtschaft),
während von den Bank-, aber auch Privatmanagern
fast durchwegs nur ältere Gesellschaften mit aus¬
gesprochen historischem Aktienkapitalwert kontrolliert
werden. Für die beiden letzten Gruppen ergibt sich da¬
her gewissermaßen eine Unterbewertung, die die ver¬
hältnismäßige Bedeutung der einzelnen Manager¬
gruppen zueinander nicht im richtigen Licht7) er¬
scheinen läßt8).
') In diesem eingeschränkten Sinn könnten in dieser Unter¬
suchung nur zwei als öffentliche Manager angesprochen werden.
?) Zieht man die bereits von öffentlichen Managern kontrollierten
Unternehmen ab, bleiben dieser Gruppe 92 Unternehmen (701 Mill. S).
') Zieht man die bereits von öffentlichen und Bankenmanagern
kontrollierten Unternehmen ab, bleiben dieser Gruppe 40 Unter¬
nehmen (258 Mill. S).
7) Das richtige Verhältnis zwischen öffentlicher, Bank- und
Privatmanagerkonzentration dürfte ungefähr 2'/j : 2'/s : 1 lauten.
") Diese Vorbehalte dürften allerdings für das hauptsächliche
Ergebnis dieser Arbeit — daß nämlich 72,4 Prozent des Aktienkapitals
von 25 Managern kontrolliert werden — weniger Bedeutung haben,
da bei der Gesamtberechnung bereits kompensatorische (Fehler
automatisch ausgleichende) Effekte zur Geltung kamen. Eine gewisse
Senkung des Prozentsatzes der Kapitalkonzentration (im Sinne dieses
Artikels) von 72 Prozent auf etwa 65 Prozent dürfte allerdings bei
einer zeitgemäßen Aktienbewertung auch hier eintreten.
Mögen aber nun auch die Ergebnisse dieser Unter¬
suchung vom streng statistischen Standpunkt aus
manche Schwächen aufweisen, so scheinen sie doch
repräsentativ genug, um zu zeigen, daß die soziologische
Erscheinung der „Revolution der Manager" auch in
Österreich von einer gewissen Bedeutung ist. Ohne da¬
bei in den schwarzseherischen und teilweise fatalisti¬
schen Tenor des von Burnham als soziologischem „thril¬
ler" geschriebenen Buches einfallen zu wollen, scheint
uns trotzdem dieses Ausmaß an Konzentration von
Kontroll- und Machtfunktionen der österreichischen
Aktiengesellschaften in Händen weniger Manager von
verschiedenen Gesichtspunkten aus als kein besonders
erfreulicher Zustand.
Daß fachmännische Manager allmählich einen immer
größer werdenden Anteil an der Leitung des Produk¬
tionsprozesses bekommen, ist ein unvermeidbares sozia¬
les Phänomen und in gewissem Sinne auch ein äußeres
Zeichen des sozialen Fortschrittes.
Ernst wird das Problem erst dann, wenn sich in der
Klasse der Manager neue Akkumulations- und Konzen¬
trationstendenzen von Dauer abzeichnen. Und es dürfte
vor allem im Interesse der demokratischen Arbeiter¬
bewegung liegen, diese Entwicklung, die später auch
entsprechende Rückwirkungen auf politischem Gebiet
haben könnte, aufmerksam und kritisch zu verfolgen.
Dr. SEPP HAAR (Graz):
Die Funktionen des Genossenschafts¬
verbandes
Alle Genossenschaften in Österreich, die Verbraucher-
(Konsum)genossenschaften ebenso wie die Genossen¬
schaften der Gewerbetreibenden und der Landwirte, die
Kreditgenossenschaften usw., sind zu Verbänden zusam¬
mengeschlossen. Die Funktionen, die der Verband im
Genossenschaftswesen ausübt, haben eine stetig auf¬
steigende Entwicklung genommen. Vor Jahrzehnten
noch waren die kleinen örtlichen oder beruflichen Ge¬
nossenschaften völlig isoliert, sie führten ihre Geschäfte
nach freiem Ermessen, allerdings auch ohne über die
Grenzen ihres eigenen engen Bereiches hinauszublicken.
Es genügte damals auch die Betätigung der Genossen¬
schaft zum Beispiel auf der Ebene des Einzelhandels
oder der lokalen Einkaufsvereinigung. Das war zu der
Zeit, als auch die Unternehmer der privaten Erwerbs¬
wirtschaft noch weitgehend unabhängig waren und nach
eigenem Gutdünken walteten. Allmählich schlössen sich
aber immer mehr private Unternehmungen zu größeren
Gebilden, Konzernen, Kartellen, Trusts, zusammen und
immer mehr unsichtbare Fäden begannen sich um die
einzelnen Unternehmungen zu schlingen. Auch die Ge¬
nossenschaftsbewegung strebte immer mehr danach,
eine geschlossene, von einem einheitlichen Willen erfüllte
Organisation zu schaffen, um leistungsfähiger und
schlagkräftiger zu werden.
Dies war also offensichtlich das erste Ziel des Zu¬
sammenschlusses der einzelnen Genossenschaften und
damit auch die Hauptfunktion. Vor der Verwirklichung
dieses Zieles starben allerdings noch viele kleine Ge¬
nossenschaften an den Kinderkrankheiten, denn mit
Begeisterung allein und ohne Erfahrung konnte man
eben auch genossenschaftliche Arbeit nicht leisten. Doch
gerade diese ersten Fehlschläge dienten zur Lehre und
veranlaßten die Genossenschafter, die einzelnen Genos¬
senschaften zu Verbänden zusammenzuschließen, welche
die Genossenschaften eines ganzen Landes umfaßten.
Der Verband schafft die Voraussetzung für gemein¬
sames Handeln, gemeinsame Bildung und Erziehung der
Mitglieder. Durch die Organisation des Verbandes ist
man erst in der Lage, ein gemeinsames Ziel anzustreben.
Die Verbandsbildung schafft eine genossenschaftliche
öffentliche Meinung. Ja man kann von Genossenschafts-
bewegung überhaupt erst sprechen, seit die Genossen¬
schaftsverbände entstanden. Denn eine Bewegung er-
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