ARBEIT UNDWIRTSCHAFT
HERAUSGEBER: �STERREICHISCHER ARBEITERKAMMERTAG UND �STERREICHISCHER GEWERKSCHAFTSBUND
13. Jahrgang 1. Mai 1959 Nr. 5
Dr. G. Steinbach:
Der �sterreichische Arbeitsmarkt
Die gewaltigen Umschichtungen des Krieges und der
Nachkriegszeit haben gro�e Ver�nderungen in der
Struktur der �sterreichischen Wirtschaft zur Folge ge�
habt. Den Bed�rfnissen der Kriegswirtschaft entspre�
chend, wurde die Industrialisierung forciert und die
Nutzung nat�rlicher Reicht�mer � vor allem des Erd�
�ls � in gro�em Umfang aufgenommen. Die Nachkriegs�
zeit mit der Besetzung eines Gro�teils des industriali�
sierten Gebietes durch die Sowjetunion und die �ber�
nahme wichtiger Betriebe in sowjetische Verwaltung
auf der einen und der geringe Au�enhandel der ersten
Nachkriegszeit, der jedes Land zwang, seinen G�ter�
bedarf weitgehend selbst zu erzeugen, auf der anderen
Seite f�rderten die Entstehung von Industriebetrieben
in den westlichen, bisher weniger industrialisierten
Bundesl�ndern. Die Verstaatlichung der Schl�sselindu�
strien, durch die deren gro�z�giger und rationeller
Wiederaufbau und damit auch deren internationale
Konkurrenzf�higkeit erreicht wurde, verst�rkte eben�
falls die Bedeutung des industriellen Sektors in �ster�
reich.
W�hrend bis Juni 1958 die Gesamtbesch�ftigung im
Durchschnitt auf 162,6 Prozent der Besch�ftigung von
1934 stieg, erreichte die Industriebesch�ftigung gleich�
zeitig 211,2 Prozent von 1936. Dieser Proze� verlief bis
zum Jahre 1956 �u�erst st�rmisch und hat sich erst seit�
her stark verlangsamt (Tabelle 1).
Industriebesch�ftigung in �sterreich
Tabelle 1 Zahl der Besch�ftigten Index
Juni 1936 272.830 100
Juni 1947 342.780 125,6
Juni 1950 441.824 161,9
Juni 1952 468.466 171,7
Juni 1954 502.488 184,2
Juni 1956 565.018 207,1
Juni 1958 576.332 211,2
Die verschieden starke Industrialisierung der einzel�
nen Bundesl�nder w�hrend der Nachkriegsjahre hat zu
einer Verschiebung des Schwerpunktes der industriellen
Zentren in �sterreich gef�hrt. (Tabelle 2.)
Zunahme der Industriebesch�ftigung in den einzelnen
Bundesl�ndern
Tabelle 2 (Juni 1936 = 100)
Ober�sterreich 354,1 K�rnten 211,3
Salzburg 350,1 Wien 175,1
Tirol 301,4 Nieder�sterreich 167,9
Steiermark 239,9 Burgenland 151,9
Vorarlberg 225,7
Die Entwicklung in �sterreich mu� im Rahmen der
langfristigen Tendenzen in allen Industriel�ndern ge�
sehen werden. Dabei l��t sich beobachten, da� auf einer
niedrigen Stufe der Wirtschaftsentwicklung stehende
L�nder im allgemeinen eine relativ hohe Besch�ftigung
in der Landwirtschaft aufweisen, w�hrend mit fortschrei�
tender Entwicklung sich das Schwergewicht zun�chst zu
der Verarbeitung und sp�ter zu den Dienstleistungs�
besch�ftigungen verlagert. Auch in �sterreich ist diese
Entwicklung, die in anderen L�ndern schon weiter fort�
geschritten ist, zu erkennen. (Tabelle 3.)
�nderungen der Besch�ftigungsstruktur
(jeweilige Gesamtbesch�ftigung = 100)
Tabelle 3 1934 1951 1957
Gesamtbesch�ftigung 100,0 100,0 100,0
Land- und Forstwirtschaft 16,8 10,6 7,5
Industrie und Gewerbe 40,7 50,6 51,5
Dienstleistungen 37,7 37,0 41,0
Unbekannt 4,8 1,8 �
Der R�ckgang der Besch�ftigung auf dem Dienst�
leistungssektor zwischen 1934 und 1951 steht zu der
skizzierten langfristigen Entwicklung nur scheinbar im
Widerspruch. Er ist n�mlich vor allem auf ein Absinken
in den Betriebsklassen �Haushaltung" und �Hotel-,
Gast- und Schankgewerbe" zur�ckzuf�hren, w�hrend in
den meisten der �brigen Betriebsklassen dieses Sektors
eine Steigerung eingetreten ist. Nun hat es sich aber ge�
zeigt, da� in Zeiten schlechter Besch�ftigung, in denen
die Arbeitskr�fte billig sind, unverh�ltnism��ig viele,
vor allem weibliche Arbeitskr�fte Besch�ftigungen im
Haushalt annehmen. Diese Arbeitskr�fte str�men bei
g�nstiger Konjunktur wieder zu rationelleren und besser
bezahlten Besdi�ftigungen ab.
Index der Besch�ftigung in den Betriebsklassen f�r das Jahr 1951
(1934 = 100)
Tabelle 4 Zusammen M�nnlich Weiblich
Land- und Forstwirtschaft , 64 59 72
170 166 266
Elektrizit�ts-, Gas- und Wasser�
versorgung 173 167 284
Stein-Erde-Gewinnung und
-bearbeitung, Glasproduktion.. 159 152 194
Bauwesen und Bauhilfsbetriebe 153 153 162
Eisen- und Metallgewinnung
und -bearbeitung 149 143 198
Holzbearbeitung . . . . 130 127 170
Ledererzeugung und
-bearbeitung 97 80 135
Textilbetriebe 118 101 129
Bekleidungsbetriebe 79 72 85
Papiererzeugung und
-bearbeitung 106 107 103
Graphische Betriebe ... 86 78 110
Chemische Produktion ... 149 159 131
Nahrungs- und Genu�mittel�
betriebe ... 81 75 102
Hotel-, Gast- und Schank-
betriebe ... 68 52 79
. , 105 94 126
123 119 168
Geldwesen und Privat�
versicherung ... 82 70 123
Reinigungswesen 97 131 82
K�rperpflege ... 82 51 136
Gesundheits- und F�rsorgewesen 155 122 174
Unterricht, Bildung, Kunst,
Unterhaltung ... 110 197 126
Rechts- und Wirtschaftsberatung 562 325 707
�ffentlicher Dienst .. . 116 102 185
Haushaltung 46 10 48
Unbekannt ... 37 38 36
Insgesamt ... 101 103 98
Tabelle 4 best�tigt das oben Gesagte. Sie zeigt die
relative Zunahme der Zahl der Arbeitskr�fte in den
Jahren 1934 bis 1951 in produktiveren und daher auch
lohng�nstigeren Wirtschaftszweigen und die Abwande�
rung insbesondere aus der Landwirtschaft und gewissen
Dienstleistungsberufen. Vor allem in der Zunahme der
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