Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1963 Heft 03 (03)

von der so lange nicht geschauten
landschaftlichen Schönheit und den
großen wirtschaftlichen Erfolgen. Aber
er fügte in seinem, für die katholische
„FURCHE" geschriebenen Artikel
Worte ehrlicher Besorgnis hinzu:
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Und jetzt: als Schillerfeier getarnte Nazidemonstration.
Die „europäische" Maske, die diese Unbelehrbaren zu
tragen pflegen, macht ihre Wühlarbeit nur noch gefähr¬
licher.
Als 1962 ein alter Österreicher, den die Annexion seiner
Heimat 1938 nach Amerika getrieben hatte, für einige
Monate unser Land besuchte, war er tief beeindruckt
„Man hofiert die ehemaligen National¬
sozialisten und Deutsch-Nationalen, macht
sich mit Verbelen und Reders vor der
Welt anrüchig und hat doch mit dem
Versuch, sie für den österreichischen
Staat zu gewinnen, nur geringen Erfolg.
Sicher ist es ebenso nobel wie klug,
ehemalige Gegner zu versöhnen. Müssen
dazu aber nicht zwei Voraussetzungen
erfüllt werden? Erstens: Die Gegner
müssen guten Willen haben und dürfen
nicht darauf hoffen, sich noch einmal wie
Schmeißfliegen an dem Siechtum des
Staates mästen zu können. Zweitens: Man
muß sie für den Staat, nicht für die Stär¬
kung parteilicher Machtpositionen gewin¬
nen." („Die Furche" vom 22. Dezem¬
ber 1962.)
Wer wollte leugnen, daß diese Kritik, die sich nicht
gegen eine bestimmte Partei, sondern gegen alle Oppor¬
tunisten ohne Unterschied des Parteibuches richtet, nur
allzu berechtigt ist?
Der 25. Jahrestag der Annexion unseres Vaterlandes
durch Nazideutschland mahnt uns, wachsam zu sein.
W
Gerhard See, Jerusalem
Probleme
der israelischenAußenpolitik
Seit Entstehung des Staates Israel vor 15 Jahren erstrebt
die israelische Außenpolitik den Friedensschluß mit den
arabischen Nachbarstaaten und die Integration in die
Völkergemeinschaft des Mittleren Ostens. In der Unab¬
hängigkeitserklärung heißt es: „Wir strecken allen Nach¬
barstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und
auf gute Nachbarschaft entgegen und appellieren an sie,
mit dem in seinem Lande selbständig gewordenen
jüdischen Volk in gegenseitiger Hilfe zusammen¬
zuarbeiten. Der Staat Israel ist bereit, seinen Anteil an der
gemeinsamen Anstrengung, den ganzen Vorderen Orient
zu entwickeln, beizutragen."
Dieser Appell wurde von den arabischen Regierungen
vollständig überhört. Sie erklärten den jüdischen Staat
für einen Fremdkörper, forderten die arabische Bevölke¬
rung Israels auf, das Land zu verlassen und begannen
gleichzeitig einen Krieg mit dem eindeutig ausgespro¬
chenen Ziel, den jungen Staat gänzlich zu vernichten.
Dieser Krieg mißlang, und in der ersten Hälfte des
Jahres 1949 wurde unter Mithilfe der Vereinten Nationen
zwar kein Friedensschluß, jedoch ein Waffenstillstands¬
abkommen mit Israels unmittelbaren Nachbarn: Ägypten,
Jordanien, Syrien und dem Libanon erreicht. Die Araber
beharrten aber auf ihrer feindseligen Haltung und führen
ab diesem Zeitpunkt einen Wirtschafts-, Propaganda- und
zeitweilig auch einen Guerillakrieg gegen Israel.
Die arabische Propaganda gegen Israel überschattet
auch die eigentliche Verbundenheit des arabischen und
jüdischen Volkes und zwingt die jüdische Bevölkerung
Israels in eine abwehrende Haltung. Es ist aber not¬
wendig, die Bereitschaft, sich als ein Teil der Bevölkerung
Westasiens zu betrachten, innerhalb des Landes zu ver¬
stärken. Der Israeli müßte sich trotz der ihm entgegen¬
gebrachten Feindschaft als ein natürlicher Partner der
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