Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1966 Heft 06 (06)

& Frauenarbeit — Frauenrecht
durfte2. Außer Österreich enthielten
sich auch Chile, Frankreich, Ghana,
Liberia, die Dominikanische Republik
und Mexiko der Stimme bei diesem An¬
trag Amerikas.
• Den Mitgliederstaaten wird nahe¬
gelegt, die Bildungsmöglichkeiten für
Frauen auszubauen.
® Zu dem Punkt „Wirtschaftliche
Rechte der Frauen" wurden Berichte
von Spezialkommissionen diskutiert,
wobei die österreichische Delegation
mehrfach Stellung nehmen und von
Erfahrungen in ihrem Lande berichten
konnte.
• Die weltumfassende Menschenrechts¬
konferenz im Jahre 1968 soll weitere
Frauenrechtsfragen behandeln, und es
soll für diese Konferenz ein langfristi¬
ges UNO-Programm für die Weiter¬
bildung der Frauen in Angriff genom¬
men werden.
Frau Hanzlik berichtete ferner, daß
an dieser Tagung sieben europäische,
vier afrikanische, fünf asiatische und
fünf amerikanische Landesvertreterin¬
nen teilgenommen haben. Die Konfe¬
renz wurde von der Schwester des
iranischen Herrschers, Ashraf Pahlevi,
eröffnet. Vorsitzende war die Richterin
Helena Benitez von den Philippinen,
die erste Vizepräsidentin war Helvi
' Angeblieh besteht ein Regierungs¬
beschluß, der unserer Delegation diese Hal¬
tung aufzwang, wir werden uns bemühen,
Näheres darüber zu erfahren. Die Redaktion.
Sipilä, eine versierte Advokatin aus
Helsinki, die zweite die Ghanesin
Jaeggi, Juristin und Richterin.
Groß sind die Probleme, die die
Frauenrechtskommission zu bewältigen
hat, aber das größte ist doch die man¬
gelnde Bildung der Frauen. Ist doch
gerade unter den Frauen die Zahl der
Analphabeten besonders groß. Aber
selbst in den entwickelten Ländern
gilt es noch viel Bildungsarbeit zu lei¬
sten. Denn viele, die zwar die Kunst
des Lesens erlernt haben, benützen
sie in diesen Ländern kaum oder nur
zur Lektüre seichter, fragwürdiger
Illustrierter. Wir haben wenig Ur¬
sache, uns über jene Länder zu erhe¬
ben, deren Frauen noch darum kämp¬
fen, wenigstens Lesen und Schreiben
zu lernen.
Solidarität der Arbeiter —
Solidarität der Völker
Neben den Landesvertreterinnen nah¬
men an den Tagungen der Frauenrechts¬
kommission der UNO auch Ver¬
treterinnen großer internationaler
Organisationen teil. Der Internationale
Bund freier Gewerkschaften (IBFG)
war durch Marcelle Dehareng, die
Sekretärin des Ausschusses für Fragen
der berufstätigen Frau beim IBFG,
vertreten. Sie legte auf der heurigen
Tagung eine Erklärung des IBFG zum
langfristigen UNO-Programm für die
Förderung der Frau vor, in der es
unter anderem heißt:
Der IBFG, der für 60 Millionen Ar¬
beiter spricht, hat im Juli 1965 ein
langfristiges Programm für berufs¬
tätige Frauen beschlossen, in dessen
Einleitung betont wird, daß es selbst
in den wirtschaftlich entwickelten
Ländern noch immer eine Benachteili¬
gung der Frau gibt.
Nicht nur eine weitgehende Verbes¬
serung der allgemeinen Berufsausbil¬
dung und des Arbeitsrechtes für die
Frauen wird in diesem Programm ge¬
fordert, sondern auch die Besetzung
gewerkschaftlicher Posten mit mehr
Frauen. In allen diesen Fragen strebe
der IBFG die Zusammenarbeit mit den
Vereinten Nationen und dem Interna¬
tionalen Arbeitsamt an. Der IBFG
würde es begrüßen, wenn bei techni¬
schen und erzieherischen Hilfsprogram¬
men in unterentwickelten Ländern
mehr weibliche Fachkräfte eingesetzt
würden, insbesondere auch solche mit
gewerkschaftlicher Erfahrung. Im Hin¬
blick auf die Geldmittel, die ein sol¬
cher Einsatz notwendig macht, heißt es
zum Schluß wörtlich: „Die Solidarität
der Arbeitnehmer ist stets wach. Die¬
ser Geist der Solidarität sollte auch
unter den Völkern wirken." Wenn das
Abrüstungsproblem eines Tages ge¬
löst sein sollte, so hofft man, werde
dann auch genügend Geld für die För¬
derung der Frau zur Verfügung stehen
Bildung Kultur
Stipendien für unsere Kinder
„Das wäre ja recht schön, wenn wir
unser Kind studieren lassen könnten —
aber wer soll das bezahlen?" Diese Frage
werden sich schon zahllose Eltern be¬
gabter Söhne oder Töchter gestellt
haben. Gewiß sind die finanziellen
Opfer, die der Besuch von Höheren
Schulen und vor allem Hochschulen mit
sich bringt, nicht zu unterschätzen, an¬
dererseits gibt es doch für Arbeitneh¬
mer heute schon eine ganze Anzahl von
Möglichkeiten, zu Stipendien für ihre
Kinder zu kommen, so daß es doch nicht
mehr so ganz aussichtslos erscheint, be¬
gabten jungen Menschen aus diesen
Kreisen den Weg zu höherer Bildung
und damit zu einer einflußreichen Posi¬
tion in Wirtschaft oder Verwaltung zu
ebnen. Das wäre nicht nur für die Be¬
troffenen von Vorteil, sondern würde
auch helfen, das traditionell konserva¬
tive Klima in den oberen Schichten un¬
seres Landes aufzulockern.
Wir veröffentlichen darum hier eine
Ubersicht, die der Leiter der Bildungs¬
abteilung der Arbeiterkammer Wien,
Dr. Hans Fellinger, zusammengestellt
hat:
Stipendien für Mittelschüler,
Fachschüler und ähnliche
Für Schüler der „Allgemeinbildenden
höheren Schulen" (Gymnasien und Real¬
gymnasien), jedoch nur für die Ober¬
stufe (5. bis 9. Klasse), und für Schüler
der Fachschulen (gewerblich-technischer
Art: ein- bis vierjährig, Handelsschulen:
dreijährig) sowie der „Berufsbildenden
höheren Schulen" (früher Bundes¬
gewerbeschulen: fünfjährig, Lehranstal¬
ten für wirtschaftliche Frauenberufe:
fünfjährig, Handelsakademie: fünfjäh¬
rig), des weiteren für Schüler der „Bil¬
dungsanstalten für Kindergärtnerinnen,
Erzieher und Arbeitslehrerinnen" (zwei-
bis vierjährig), können die folgenden
Stipendien (Studienbeihilfen) ange¬
sprochen werden:
1. Stipendien von den Arbeiterkammern
Für die Wiener Arbeiterkammer gilt
als Voraussetzung:
a) soziale Bedürftigkeit
Jahreseinkommen einer
dreiköpfigen Familie
bis 40.000 S (netto)
bis 48.000 S (netto)
bis 72.000 S (netto)
Stipendium im
Studienjahr
6000 S
3000 S
1500 S
40
        

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