Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1966 Heft 06 (06)

Nrtizmkram
des Arbeiterbildners
Goethe 1825
über Afrika
Walther Victors Buch
„Goethe — gestern und
morgen, Gedanken, Ge¬
denken, Gedichte", er¬
schienen im Jahre 1965
im Aufbau-Verlag Ber¬
lin und Weimar, enthält
folgende Stelle: „In
Goethes Tagebuch findet
man im Mai 1825 ver¬
zeichnet, daß der Nach¬
mittag Unterhaltungen
mit dem Hofrat Meyer,
Goethes ,Kunstmeyer',
und dem Kanzler von
Müller gewidmet war.
Das Thema der Unter¬
haltungen wird nicht
genauer umschrieben.
.Sonstige Verhältnisse
durchgesprochen', ver¬
merkt Goethe lakonisch.
Zum Glück hat sich der
Kanzler Müller an dem
Tage Notizen gemacht,
die wir besitzen. Daraus
geht hervor, was für
,Verhältnisse' unter an¬
derem ,durchgesprochen'
wurden. Müller berich¬
tet am 28. Mai 1825, daß
Goethe unter anderem
Sklavenhandels, wo¬
durch eine gewaltigere
Zusammenfassung der
afrikanischen Völker
und Vertreibung der
Europäer von Afrikas
Küsten drohen dürfte',
gesprochen habe."
Der Europa-Verlag
„Dank dem Europa-
Verlag, der mithilft,
daß sich innerhalb der
Arbeiterbewegung wie¬
der eine Elite regt, die
sich mit wissenschaft¬
lichen Untersuchungen
der Gesellschaft be¬
schäftigt." (Aus einer
Buchbesprechung Willy
Krulas über Max Adlers
Werk „Natur und Ge¬
sellschaft". Bildungs¬
kurier, Linz, 1. Heft
1966.)
Die musiklose Zeit
An jenem Tag, an dem
die braven Leute überall
in der Welt darauf ver¬
zichten, selbst zu musi¬
zieren, und sich auf me¬
chanisierte Wiedergabe
beschränken, an jenem
Tag, so will mir schei¬
nen, stirbt die Musik.
Ich bin sicher, daß sie
nur sterben wird, um
später wieder aufzu¬
leben, doch von ganzem
Herzen bedauere ich
jetzt schon jene arme,
unglückliche Epoche,
jene schreckliche, musik¬
lose Zeit. (Georges
Duhamel, „Erlöserin
Musik", Verlag Langen-
Müller, München, 1945.)
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dieser Form des Studiums.
Oberalt können Studien¬
gemeinschaften entstehen,
ohne Rücksicht darauf, ob
Fachkräfte zur Verfügung
stehen. Es bilden sich daher
Gruppen von Jugendlichen
oder Frauen oder Arbeitern
oder Rentnern oder Forst¬
leuten und so weiter; nichts
ist dazu vonnöten als Lust
zum Lernen, der Rest kann
dem Institut und seinen
Lehrern überlassen werden.
Es ist die Schule für jeder¬
mann.
Häufig wird gefragt, warum
es nicht möglich ist, privat
ebenso gut zu lernen. Es ist
natürlich möglich und auch
der Mühe wert, allein zu
lernen, wenn der Gegen¬
stand einfach ist, so daß
man schnell Kenntnisse er¬
werben kann. Das Gruppen¬
studium bietet jedoch zusätz¬
liche Möglichkeiten, sich in
Gespräch und Diskussion zu
üben, die Mitmenschen ver¬
stehen zu lernen und die
Fähigkeit zur Zusammen¬
arbeit zu erwerben, wie
man es in jeder Demokratie
muß, um zu lernen, ver¬
schiedener Meinung zu sein,
ohne zu streiten. Der Wert
der Gruppe liegt nicht nur
in den Kenntnissen, die in
ihr und durch sie erworben
werden; der Mensch ist ge¬
schaffen, mit seinen Mit¬
menschen zusammenzuleben
und zusammenzuarbeiten, er
muß seinen schwächeren
Gefährten helfen — und
diese Fähigkeiten muß er
nach und nach erwerben.
Die Gruppe eignet sich sehr
gut dafür, damit zu begin¬
nen. In der Gruppe kann
jedes Mitglied Ausdruck sei¬
ner individuellen Bedürfnisse,
Erfüllung und Lebensfreude
finden. Ganz abgesehen von
••
Kenntnissen und Fähigkeiten
stellt auch die geistige Hy¬
giene einen wesentlichen
Faktor dar, wenn man den
Wert der Gruppe bemessen
will: hier kann man noch
übersehen, welchen Einfluß
die Gruppe bei der Mei¬
nungsbildung und Nach¬
richtenvermittlung hat. Alle
diese Faktoren machen die
Studiengruppe zu einem so
bedeutungsvollen Element,
daß der Unterschied zum
Einzelstudium immer wieder
hervorgehoben zu werden
verdient, insbesondere auch
deshalb, weil ja das Grup¬
penstudium auch das Lernen
jedes einzelnen zu Hause
erfordert, so daß also keiner
der Vorzüge der letzteren
Methode verlorengeht.
(Abdruck aus „Erwachsenenbildung
in Finnland", Frühjahr 1965, heraus¬
gegeben von Kansanvalistusseura
in Verbindung mit dem Arbeiter¬
bildungsverband von Finnland.)
Ein BilAinssiot.teunsÖsterreichern guttäte
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es seit dem
1. Feber 1966 einen Wissenschaftsrat, dem elf
Minister unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers an¬
gehören, vor altem- aber auch einen Bildungsrat,
der allerdings noch nicht konstituiert ist. Beide Ein¬
richtungen wurden geschaffen, um den Anschluß
des Staates an die wissenschaftliche und geistige
Entwicklung zu sichern. Nach der,, Welt der Arbeit",
dem Wochenblatt des DGB, soll der Bildungsrat
Bedarfs- und Entwicklungspläne für das gesamte
Bildungswesen erarbeiten, sofern sie nicht unmit¬
telbar die Wissenschaft betreffen, für die der Wis¬
senschaftsrat zuständig ist, mit dem der Bildunas-
rat zusammenarbeiten will. Neualiederuna des
Bildungswesens an Haupt und Gliedern, Finanz¬
bedarf, langfristige Bildungsplanung — das sind
einige seiner grundsätzlich bedeutsamen Aufgaben.
Der Bildungsrat besteht aus zwei Kommissionen,
aus der Bildungskommission und der Regierungs¬
kommission. Wenn sie auch nebeneinander wirken
werden, sind sie doch nicht gleichberechtigt. Das
Obergewicht liegt eindeutig bei der. Bildungskom¬
mission. Sie allein kann Beschlüsse fassen und Emp¬
fehlungen für die Parlamente und andere zustän¬
dige Körperschaften formulieren. Der Regierungs¬
kommission ist eine beratende Funktion zugedacht.
Sie soll dafür sorgen, daß die Beschlüsse der Bil¬
dungskommission im praktischen Rahmen der Ge¬
gebenheiten bleiben und das Maß des Möglichen
nicht überschreiten.
Als Vertreter der Länder und der kommunalen Spit¬
zenverbände haben die Ministerpräsidenten der
Länder bisher 14 Persönlichkeiten für die Bildungs¬
kommission genannt. In ihrer Mehrheit besteht diese
Gruppe aus unabhängigen Bildungsfachleuten und
aus Persönlichkeiten, denen von Amts wegen ein
besonderer Bildungsauftrag zukommt. Zu ihnen
gehört auch, wie gemeldet, der DGB-Vorsitzende
Ludwig Rosenberg, der vom Land Hamburg nomi¬
niert worden ist.
Lebensschnle für unsere Jugend
Viele JHpge Menschen, die aus der Pflicht- oder
Berufsschule austreten, machen sehr bald die
Feststellung^.daß ihr Bildungsniveau aus ver¬
schiedenen GSuiden nicht den Erfordernissen der
Zeit und ihrerVJmwelt entspricht. Viele neue,
Probleme, Frager^nd Aufgaben stürmen auf sie
ein, im BerufslebenVollen sie sich bewähren, in
der Gesellschaft müssen sie ihreir«ijjaj?j3ehaup-
ten, ein unaufhaltsame^Fortschritt "
Wissensgebieten, vor allernSder Technik, s9w fcjfc
mindest in seinen wesentlicmm Zügen begriffe?
und bewältigt werden. Politffldie und gesell¬
schaftliche Ereignisse sollen richtig verstanden
und erkannt werden. Vielfältig untWverwirrend
sind daher die Probleme und Anforderungen, die
an den jungen Menschen von heute helenkom¬
men. Er muß sich orientieren und soll sitfvjene
Sicherheit holen, die er benötigt, um seinen Platz
im Leben ausfüllen und behaupten zu könne
Um zu einem echten Selbstbewußtsein zu gelan^
gen, muß man sich eine eigene Meinung erarbei¬
ten und diese in kritischen Auseinandersetzungen
fundieren. Eine Übung, die das praktische Leben
täglich von jedem von uns erfordert.
In der Lebensschule für junge Menschen ist ein
erster Schritt auf diesem Weg der vollkommen
freie Meinungsaustausch. Lehrer und Teilnehmer
bilden eine Gemeinschaft, die alle Lebensfragen
und
ach-
und Probleme in gemeinsamer Aussprach!
wenn erforderlich, mit Hilfe von erfahrenen
leuten und Pädagogen bespricht und erkläi
Das angestrebte Ziel der LeberurSchule ist di<
senserweiterung und VerUg^öng der Allgei
bildung; es gibt keine I^ffijegenstände im schu¬
lischen Sinn, obwohUBRn Unterricht natürlich
ein Lehrplan zuggäfle liegt. Sie ist auch kfine
Schule im eigentlichen Sinn, verstaubtes Dozii
^vermieden, Lehrgespräche und Diskussioi
stehen im Mittelpunkt, und die persönliche
lahme undr Mitarbeit des Hörers ist ein ei
scheinender Bestandteil des Unterrichtes.
Theater /Konzert- und Ausstellungsbesuche, Ex¬
kursionen und Kunstfahrten sind sinnvolle E:
gänzungen des Lehrplanes.
Ein Jahrgang erstreckt sich auf zwei Jahre. Dil
Hörer kommen zweimal wöchentlich von 19 bi:
21 Uhr zusammen. Vorbildung ist nicht erforder
lieh.
Ein neuer Jahrgang der Lebensschule für junge
Menschen im ÖGB beginnt Montag, den 12. Sep¬
tember 1966, um 19 Uhr im Lehrsaal des Bil¬
dungsreferates, Wien 1, Hohenstaufengasse 10,
2. Stock, Tür 25.
Nähere Auskünfte erteilt das Bildungsreferat des
Osterreichischen Gewerkschaftsbundes, Tele¬
phon 63 37 11, Klappe 405.
        

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