Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1967 Heft 01 (01)

I-
i.
GUNNAR MYRDAL
war von 1945 bis 1947 Handelsminister in der
sozialdemokratischen Regierung Schwedens; an¬
schließend bis 1957 Generalsekretär der UNO-
Wirtschaftskommission für Europa. Er be¬
schäftigt sich seither vor allem mit Entwick¬
lungsfragen Süd- und Ostasiens. Zur Zeit leitet
Professor Myrdal das Institut für internationale
wirtschaftliche Studien an. der Universität Stock¬
holm.
abhängig von der finanziellen Unterstützung Amerikas
geworden ist, wagt es, eine solche Geste auch nur in
Erwägung zu ziehen. Weder hat die westdeutsche Regie¬
rung eine solche Geste getan, obgleich sie — trotz allen
Veränderungen — möchte, daß die Vereinigten Staaten
auch weiterhin ihre fünf Divisionen zur Verteidigung
Westdeutschlands im Lande belassen und darüber hinaus
auch noch für diesen Schutz, den sie gewähren, bezahlen.
General de Gaulle ist der europäische Staatsmann, der
die offizielle amerikanische Politik in Vietnam am deut¬
lichsten kritisiert. Es ist keineswegs ein Zufall, daß sein
politischer Stern im Steigen ist, nicht nur in Europa, son¬
dern auch in der gesamten unterentwickelten Welt.
Von den Diktaturen in Spanien und Portugal hätte man
erwartet, daß sie aus ideologischen Gründen gewisse
Sympathien für das Militärregime Marschall Kys bezeu¬
gen würden, jenes Mannes, der im Augenblick in Vietnam
der Agent der gegenwärtigen offiziellen amerikanischen
Politik ist. Die Herrscher dieser beiden unglücklichen Län¬
der können zwar Tausende von rebellischen Intellektuellen,
Studenten und Arbeitern im Gefängnis halten, aber eine
solche symbolische Geste der Sympathie für die offizielle
amerikanische Politik in Südostasien wagen nicht einmal
sie.
Schweden ist eines von den ganz wenigen Ländern in
der Welt, wo es keine Spur einer grundsätzlich antiame¬
rikanischen Einstellung gibt. In jenem Land hat es eine
aus ganzem Herzen kommende Sympathie für die Be¬
mühungen Amerikas gegeben, gleiches Recht für alle
seine Staatsbürger zu schaffen und einen bedingungslosen
Kampf gegen die pathologische Armut in Amerikas riesi¬
gen ländlichen und städtischen Elendsgebieten aufzu¬
nehmen.
In der Vietnam-Frage nimmt die überwältigende Mehr¬
heit der öffentlichen Meinung Schwedens jedoch, wie eine
Meinungsbefragung erwiesen hat, gegenüber der amerika¬
nischen Regierungspolitik eine Haltung schärfster Kritik
ein. Nur acht Prozent der Befragten sind der Meinung,
daß sich Amerika in Vietnam richtig verhält — das sind
nicht viel mehr als jene eher zufälligen Stimmen, die jeder
extremistische Außenseiter bei einer Meinungsbefragung
erhält. Vor einem Jahr, ehe die Folgen der jüngsten Eska¬
lation (Aufschaukelung) der amerikanischen Beteiligung
am Krieg in Vietnam richtig erkannt worden waren,
betrug der Prozentsatz der proamerikanischen Stimmen
noch 13; eine genauere Analyse zeigt, daß es vor allem
die Jugend ist, die heute die amerikanische Regierungs¬
politik in Vietnam fast einhellig verurteilt. In den anderen
skandinavischen Ländern ist die Situation ähnlich.
Schweden verbietet WafFenexporte nach den USA
In Schweden haben wir eine ziemlich große Rüstungs¬
industrie, um uns in der Verteidigung unseres Landes
möglichst unabhängig von fremden Ländern zu machen.
Um diese Industrie leistungsfähig zu erhalten, müssen wir
Waffen exportieren. Es besteht jedoch eine Regierungs¬
kontrolle, so daß unsere Waffenausfuhren nicht an krieg¬
führende Länder und an aktive Störer des Friedens gehen.
Nun ist es eine Tatsache, daß die Regierung Schwedens
wegen der Politik der amerikanischen Regierung in
Vietnam heute die Vereinigten Staaten zu jener Gruppe
von Ländern zählt, an die die Ausfuhr schwedischer Waf¬
fen verboten worden ist — ohne Beachtung des Tricks,
einen Krieg ohne offizielle Kriegserklärung zu führen.
Hätte man es gestattet, daß in Schweden erzeugte Waffen
von amerikanischen Truppen in Vietnam verwendet wer¬
den, so hätte sich die öffentliche Meinung Schwedens mit
Empörung dagegen gewendet. Die Verweigerung schwedi¬
scher Waffen für Amerika — das, was mein Freund Pro¬
fessor Galbraith, offensichtlich zustimmend, eine „Blok-
kade" genannt hat — gab, soweit ich informiert bin, in
Schweden zu keinerlei Protesten Anlaß.
Über Afrika weiß ich nicht mehr als jeder andere auf¬
merksame Leser von Büchern, Zeitschriften und Tages¬
zeitungen. Die Regierung der USA findet möglicherweise
Freunde für ihre Kriegspolitik in Vietnam unter den
weißen Herrschern in Südafrika und Rhodesien. Bei all
den armen und farbigen Nationen Afrikas kenne ich
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