Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1967 Heft 06 (06)

Spitze thront in
einsamer Höhe
Royal Dutch
Shell, das
einzige Unter¬
nehmen, das —
wie ein Vergleich
mit Tabelle 1
zeigt — noch mit
den größten zehn
der USA Schritt
zu halten vermag. Die nächsten zwei haben nur noch
etwa ein Drittel des Gewinnes des Spitzenreiters
aufzuweisen.
Das „Gewinngefälle" ist sehr ähnlich jenem der USA,
wo der Gewinn von General Motors' 2,1 Milliarden
abwärts rasch auf ein Drittel sinkt und das zehnte
Unternehmen etwa ein Siebentel davon als Gewinn aus¬
weist, genauso wie im übrigen Westen. Aber das Gefälle
beginnt auf einem wesentlich tieferen Niveau und setzt
sich offenbar nicht weiter in diesem Ausmaß fort, denn
die größten zehn vereinigen mit 1,9 Milliarden nur über
ein Drittel des Gesamtgewinnes von 5,1 Milliarden aller
200 Großen auf sich, während in den USA die größten
zehn ein Drittel des Gesamtgewinnes der 500 Großen auf
sich vereinigen.
Ein analoges Ergebnis erhalten wir bei Bewertung der
anderen Größenkriterien. Vom Gesamtumsatz aller 200 in
der Höhe von 131 Milliarden entfallen nur 29 Milliarden
oder etwas über ein Fünftel auf die größten zehn, in den
USA war es ein Viertel des Gesamtumsatzes der 500. Beim
Umsatz tritt also das Gefälle in den USA weit stärker in
Erscheinung. Aber beim Vermögen wirkt das Gefälle unter
den ersten zehn ausgeprägter als in den USA, wo das
zehnte Unternehmen immerhin Aktiva in der Höhe von
fast einem Drittel des Größten aufweist gegenüber einem
Sechstel im restlichen Westen. Allerdings darf nicht über¬
sehen werden, daß hier Royal Dutch Shell noch weit
ausgeprägter als beim Gewinn in einsamer Höhe thront.
Lassen wir diesen extremen Spitzenreiter weg, dann sind
sich die Gefälle sehr ähnlich, und dies besonders dann,
wenn wir bei den USA die beiden Spitzenreiter weglassen.
Diese Ähnlichkeit hält jedoch nicht weiter an, denn vom
Gesamtvermögen der 200 in der Höhe von 143 Milliarden
entfallenden 38 Milliarden oder über ein Viertel auf die
zehn Größten.
In den USA dagegen erreichen die zehn Größten dieses
Viertels unter den großen 500.
Gleichgültig, ob wir also Gewinn, Umsatz oder Aktiva
betrachten, stets ist die größenmäßige Verteilung in den
USA viel ungleichmäßiger als im restlichen Westen. Die
Härte des Konkurrenzkampfes in den USA hat zu einer
wesentlich stärkeren größenmäßigen Differenzierung der
Unternehmen, zu einem wesentlich steileren „Größen¬
gefälle" geführt.
Die Großen werden immer größer
1HM
Radovan Richta und Bedrkh Lcvcik, Prag
Kann die Zukunft
geplant werden?
Entwicklungstendenzen
der wissenschaftlich-technischen Revolution
Das Außeninstitut der Technischen Hochschule Wien und die
Arbeiterkammer Wien veranstalteten am 15. April dieses
Jahres gemeinsam ein Symposium über dieses Thema, an dem
auch eine Anzahl tschechoslowakischer Wissenschaftler teil¬
nahmen. Die Hauptreferate hielten Professor Bedfich Leviik
von der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften
in Prag und Professor Heinz Zemanek von der Technischen
Hochschule Wien. Wir bringen — in gekürzter Form — das von
Bedfich LevCik gehaltene (gemeinsam mit Professor Richta
ausgearbeitete) Referat und werden in der Folge auch den
Vortrag von Heinz Zemanek veröffentlichen.
Die Redaktion
16
Seit 20 Jahren steht die Entwicklung unseres Landes unter
dem Einfluß von zentral ausgearbeiteten Volkswirtschafts¬
plänen. Auch die Entwicklung der Wirtschaft der Sowjet¬
union ist untrennbar mit der Existenz der Wirtschafts¬
planung verbunden. Schon diese Tatsachen ließen darauf
schließen, daß die gestellte Frage bereits durch die Praxis
im positiven Sinn beantwortet worden ist. Auf der anderen
Seite ist es bekannt, daß besonders seit dem Beginn der
sechziger Jahre in der CSSR wichtige Planaufgaben nicht
erfüllt worden sind und daß — was noch bedenklicher ist
— auch dort, wo die Planaufgaben verwirklicht wurden,
viele unserer Zielvorstellungen ausgeblieben sind. Dies
zeigt, daß die bisherigen Zielvorstellungen und Pläne unge¬
nügend auf wissenschaftlicher Erkenntnis beruhten, aber
noch mehr, wie schwierig es ist, eine wirklich wissen¬
schaftlich fundierte Methode der Planung zu erarbeiten,
die es erlaubt, die Zukunft in ihrer Vielgestaltigkeit vor¬
auszusehen.
Dabei hat sich unsere Wirtschaftsplanung bisher viel
bescheidenere Ziele gestellt als diejenigen, die durch die
Worte „Planung der Zukunft" ausgedrückt werden kön¬
nen.
Unsere Pläne hatten einen relativ kurzen, höchstens
fünfjährigen Zeithorizont. Unter Zukunftsplanung stellen
wir uns jedoch nicht nur die künftige perspektive Ent¬
wicklung der Wirtschaft, sondern die langfristige Gestal¬
tung der gesamten Zivilisationsbasis vor. Um wieviel
schwieriger und zugleich grandioser ist ein solcher Ver¬
such, vor dem der Mensch unwillkürlich zurückschreckt.
Auj: den ersten Blick stehen wir vor einem Paradox: Die
        

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